(openPR) Wissenschaftler der World Habitat Society weisen auf ein Umdenken bei Planungen zum Hochwasserschutz im Kreis Paderborn hin.
(Schlangen/Paderborn) Die öffentlichen Diskussionen und Berichterstattungen im Paderborner Land anlässlich der dramatischen Hochwasserereignisse vor vier Jahrzehnten sind überaus verdienstvoll und wünschenswert. Sie dokumentieren nicht allein die leidvollen Schadfolgen jener katastrophalen Flut, sondern bringen auch in Erinnerung, dass sich ein solches Geschehen jederzeit wiederholen kann. Mit Recht stellt sich heraus, dass Hochwasserschutz für Paderborn eine Daueraufgabe ist. Der hierfür gegründete Wasserverband Obere Lippe (WOL) übernahm diese Aufgabe und baute Rückhaltebecken und Kanäle, errichtete Wälle und Sperrwerke. Bedauerlicherweise erweisen sich diese ingenieur-technologischen Maßnahmen als weitgehend unwirksam. Sie alle zielen darauf ab, das in Fließgewässern ankommende Niederschlagswasser schadlos zu „entsorgen“, d. h. man kuriert an den Symptomen und lässt die eigentlichen Ursachen von Hochwässern außer Betracht.
Basierend auf Untersuchungen der Physischen Geographie der Universität Paderborn wurde wiederholt darauf verwiesen, dass das Abflussverhalten in direkter Abhängigkeit steht zur Oberflächenstruktur und Landnutzung in den Einzugsgebieten der Fließgewässer. Die vielfach in Ackerflächen offen liegenden Rohböden verfügen über nur noch geringe Speicherfähigkeit von Niederschlagschlagswasser, so dass große Teile des Niederschlags besonders bei Starkregen in direktem Eintrag die Wasserstände der Vorfluter anschwellen lassen. Will man diesem Geschehen Einhalt gebieten, d. h. das Regenwasser dort speichern, wo es auf den Boden trifft, so bietet sich als alleinige naturnahe und ökologische Lösung der Hochwasserproblematik eine Neuordnung der Landnutzungssysteme in den Einzugsgebieten der Fließgewässer (hier: die Paderborner Hochfläche) an. Allein schon die Umwidmung von Ackerland in Grünland in den Talhangbereichen (evtl. mit einer sinnvollen Gliederung durch hangparallele Ackerstreifen) oder Aufforstungsflächen würden das Abflussverhalten entscheidend beeinflussen, v. a. aber die das Hochwasser bewirkende Abflussspitzen der Fließgewässer wirkungslos machen.
Im Unterschied zu den millionenträchtigen Verbauungen der Flüsse wäre eine solche an den Wurzeln ansetzende Lösung nicht nur die einzig wirksame, sondern auch die kostengünstigere und landschaftserhaltende Lösung des Hochwasserproblems - auch bei künftigen Extremereignissen.
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