(openPR) Unterhaching/Berlin, 10. Juni 2011. Welches Bild haben wir von älteren Menschen? Wie stellen wir uns unser eigenes Alter vor? Inwieweit erwarten wir, dass Gesellschaft und Politik Verantwortung für ein gelingendes Altern übernehmen? Fragen, die sich für jeden zu stellen lohnen. Fragen, die gestern im Mittelpunkt des 10. KWA Symposiums standen und gemeinsam von Politik, Wirtschaft, Architektur, Kunst und Kultur im KWA Stift im Hohenzollernpark in Berlin diskutiert wurden. Neben den Vorträgen zu erforderlichen Wohn- und Architekturkonzepten für ein Leben im Alter, spielte dabei auch getreu dem Thema der Veranstaltung „Bilder vom Alter“ der persönliche Blick der Teilnehmer auf das Älterwerden eine wesentliche Rolle. Der Regisseur Jan Tenhaven zeigte Seniorensportler als Kinohelden und der Fotograf Werner Krüper präsentierte die vielfältigen Facetten des Alters in seiner Ausstellung, für die er Seniorenheimbewohner aus ganz Deutschland in alltäglichen Situationen abgelichtet hat.
„Wenn man mich als Kind gebeten hätte, ein Bild von meiner Oma zu malen, ich hätte damals wahrscheinlich eine alte grauhaarige Frau mit Brille auf der Nase gezeichnet, die in ihrem Ohrensessel sitzt mit Stricknadel und Wolle auf dem Schoß. Die Bilder der Kinder von heute sehen vermutlich anders aus“, sagte Astrid Franz, Direktorin vom KWA Stift im Hohenzollernpark, bei ihrer Begrüßung. „Das öffentliche Altersbild hat sich radikal verändert. Die gestiegene Lebenserwartung eröffnet völlig neue Möglichkeiten und Perspektiven. In einer Gesellschaft des langen Lebens ist es wichtig, sich um angemessene, vielfältige und verhaltenswirksame Altersbilder zu bemühen“, betonte auch Dr. Stefan Arend, Vorstand von KWA Kuratorium Wohnen im Alter, anlässlich des Symposiums, zu dem er namhafte Experten nach Berlin eingeladen hatte.
„Altersbilder sind vielfältig, sie sind folgenreich und daher lohnt sich die Auseinandersetzung mit ihnen.“
Ehrengast des 10. KWA Symposiums war dabei Josef Hecken, Staatssekretär im Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, der in seinem Vortrag erklärte: „Die Frage ‚Wie leben und wie wohnen wir im Alter?‘ können wir nur beantworten, wenn wir uns klar machen, welches Bild wir vom Alter und vom Altern haben. Wir müssen unsere Vorstellungen der heutigen Realität anpassen und eine Sicht zulassen, die sich nicht allein auf Fürsorge für den alten und pflegebedürftigen Menschen beschränkt. Denn das entspricht nicht der Vielfalt des Alters.“
Dem stimmte auch Prof. Dr. Thomas Klie von der Evangelischen Hochschule Freiburg im Breisgau zu, der wesentlich am 6. Altenbericht der Bundesregierung mitgewirkt hatte, und stellte die Bedeutung von Altersbildern in den Bereichen Bildung, Pflege, Zivilgesellschaft und Recht heraus: „Altersbilder sind vielfältig, sie sind folgenreich und daher lohnt sich die Auseinandersetzung mit ihnen: in der Politik, in der Wirtschaft, in der Kirche, aber auch ganz persönlich.“ Alter sei aber nicht statisch zu verstehen, als fest umrissener Lebensabschnitt, so der Gerontologe weiter. „Wir müssen das Älterwerden und den Lebenslauf als individuelle und gesellschaftliche Gestaltungsaufgabe begreifen und eine neue Kultur des Alters entwickeln.“ Beim Umgang mit dem eigenen Alter und Altern helfe auch die Orientierung an den vier Leitbildern: Selbstständigkeit, Selbstverantwortlichkeit, Mitverantwortlichkeit und Akzeptanz von Abhängigkeit.
Nicola Müller, Referentin Wohnen im Alter im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, zeigte in ihrer Präsentation auf, dass der Wohnungsbestand häufig nicht altersgerecht sei und angesichts der demografischen Entwicklung umfassender Anpassungsbedarf bestehe. „Nur fünf Prozent der von Senioren bewohnten Wohnungen sind barrierefrei oder barrierearm“, betonte Müller. Mit dem Förderprogramm „Altersgerecht Umbauen“ unterstützt das Ministerium deshalb Maßnahmen zur alters- und behindertengerechten Anpassung von Wohngebäuden mit zinsgünstigen Darlehen oder Zuschüssen. Doch die Wohnungspolitik werde nicht als isolierte Aufgabe betrachtet, auch die städtebaulichen Programme begleiteten die demografischen Veränderungen.
„Gute Grundrisse müssen für alle Lebensphasen und Generationen attraktiv und passend sein“, forderte Eckhard Feddersen, Architekt des KWA Stift im Hohenzollernpark und zahlreicher weiterer Seniorenimmobilien. Im Rahmen seines Vortrages stellte er verschiedenste innovative Konzepte einer Architektur für die „neuen Alten“ vor, bei denen nicht die Pflege, sondern das Wohnen im Vordergrund steht und zeigte auf, worauf bei der Einrichtung von Wohnungen geachtet werden sollte. Besonders wichtig ist für ihn das „Prinzip der Freiwilligkeit“, damit die späteren Bewohner, insbesondere an Demenz Erkrankte, in der eigenen Wohnung nicht an Begrenzungen stoßen, sondern sich frei und ohne Zwang bewegen können.
„Die Alten als große homogene Gruppe gibt es nicht mehr.“
Zwei Jahre lang hat Jan Tenhaven, Autor und Regisseur, für seinen Film „Herbstgold“ fünf Leichtathleten zwischen 80 und 100 Jahren mit der Kamera bei ihren Vorbereitungen für eine Weltmeisterschaft begleitet. Ergebnis ist ein lebensbejahender Film, der nicht nur Zuschauer vieler Filmfestivals, sondern auch die mehr als 60 Teilnehmer des KWA Symposiums restlos begeisterte. Sein Film zeigt auf der einen Seite einen Wettkampf gegen das Alter und andere kleine Hindernisse, auf der anderen Seite bildet er eine Hommage an das Leben, voller Humor und Willenskraft. „Die Alten als große homogene Gruppe gibt es nicht mehr. Während der Dreharbeiten habe ich auch mein eigenes Bild vom Alter mehrfach in Frage gestellt“, erzählte Tenhaven. „Ich wollte kein neues Bild vom Alter entwerfen, sondern die bestehenden Vorstellungen erweitern und die Bilder in den Köpfen der Zuschauer verändern.“
Auch bei der abschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Prof. Dr. Thomas Klie, waren sich die Referenten des Symposiums Jan Tenhaven, Werner Krüper, Eckhard Feddersen und Karin Ihringer, Leiterin der Kundenbetreuung und Marketing bei KWA, einig, dass sich ihr eigenes Bild vom Alter im Laufe ihres (Arbeits-)Lebens stetig verändert hat. Ältere Menschen seien aber auch selbst gefragt, die Gesellschaft des langen Lebens mitzugestalten: in Selbst- und Mitverantwortung und den vielfältigen Formen, die in einer Zivilgesellschaft möglich sind.
Horst Schmieder, Vorstand von KWA, betonte in seinem Schlusswort zusammenfassend: „Wir müssen uns vom völlig überholten Bild des Ruhestands verabschieden. So vielfältig wie die Persönlichkeiten der Menschen sollte auch unser Bild auf das Alter sein.“









