(openPR) Am 19. Juni 1811 eröffnete Friedrich Ludwig Jahn in der Berliner Hasenheide den ersten Turnplatz Deutschlands. Damit wurde der Grundstein für eine große Turnbegeisterung der Deutschen gelegt, die bis zum ersten Weltkrieg andauerte. Vor 100 Jahren wurde „Turnvater“ Jahn sogar als Werbefigur von verschiedenen Firmen verwandt. So gab es beispielsweise Jahn Turnschuhe“ und „Jahn-Wolle“.
Jahn unterstützte damals auch die Werbung für nichtkommerzielle Zwecke. So diente er als überzeugter Antialkoholiker dem „Bund deutscher Alkoholgegner“ als Galionsfigur.
Die Verdienste des Turnvaters für den deutschen Sport, wurden vor dem ersten Weltkrieg von Firmen auch zu Propagandazwecken genutzt. So brachten einige Firmen Serien von Reklamemarken mit berühmten „Freiheitshelden“ heraus, zu denen auch Jahn gezählt wurde.
Die Turnbewegung beinhaltete zugleich einem Drang nach Freiheit, denn Jahn verstand das Turnen als politische Demonstration gegen die französische Besatzung. Die Befreiungskriege förderten den Aufschwung der Turnerbewegung. Während 1813 nur 370 Menschen in der Hasenheide aktiv turnten, waren es 1816 bereits über 12.000 in mehr als 1.000 Vereinen. Das Turnen wurde zu einer populären Massenbewegung und deshalb vom herrschenden Adel kritisch beäugt.
In Preußen wurde ein Turnverbot erlassen und Jahn selbst inhaftiert (bis 1825). Im Jahr 1842 hob man das Turnverbot wieder auf. Diese bedeutende Rolle des Turnens geriet im Verlauf der Jahrzehnte immer weiter in Vergessenheit. Sport wurde nur noch als Mittel der körperlichen Ertüchtigung angesehen und nicht mehr als Freiheitskampf. Auch das Turnen wurde für die Bevölkerung immer uninteressanter. Während vor 100 Jahren noch mit berühmten Figuren Werbung für diesen Sport gemacht wurde, interessiert sich heute nur noch ein geringer Teil der Bevölkerung für das Turnen.
Die Vermarktung von bekannten Sportlern zeigt auch heute noch eine gewisse Beständigkeit in der Werbung. Im Unterschied zu damals, stammen die Sportler, die zu Werbezwecken benutzt werden, wenig mehr aus dem Turnbereich sondern eher aus Trendsportarten wie Snowboarding oder dem Volkssport Fußball.
Autor: Martin Kirchner













