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BEWEGUNG NURR & Florian Göpfert eröffnen mit der Stadt Hannover temporäres Denkmal 9841 für Johann Trollmann

05.05.201109:23 UhrKunst & Kultur

(openPR) Laufzeit: 12.05. - 24.06.2011, Ballhofplatz, Hannover

Ein Gemeinschaftsprojekt der BEWEGUNG NURR und Florian Göpfert
Realisiert in Zusammenarbeit mit Gunda Isik (workstation Ideenwerkstatt Berlin e.V.)

Die BEWEGUNG NURR (Alekos Hofstetter/Christian Steuer) und Florian Göpfert wollen mit ihrer Installation, bestehend aus einem stählernen Boxring mit Betonoberfäche, ein temporäres Denkmal für diesen außergewöhnlichen sinto-deutschen Boxer schaffen, dem aufgrund seiner ethnischen Wurzeln im Nationalsozialismus Erfolg und sozialer Aufstieg versagt blieben. Die über eine Ringecke abgesenkte Boxringskulptur „9841“ – der Titel greift die Häftlingsnummer Trollmanns aus dem KZ Neuengamme auf – übersetzt in originaler Größe die soziale und politische Gefährdung, die Trollmanns Leben beherrschte, in ein dreidimensionales Objekt. Die schräge Ebene des Boxrings garantiert keinen Halt mehr, so wie die brutale Diffamierung „nicht-arischer“ Menschen im Dritten Reiches Trollmann sukzessive in den Abgrund von Rechtlosigkeit und Verfolgung zog.



"Float like a butterfly, sting like a bee", dieses Kampfmotto der amerikanischen Boxlegende Muhammad Ali und seines Trainers Drew 'Bundini' Brown beeinflusste den internationalen Boxsport wegweisend. Muhammad Alis Kampftechnik war geprägt von tänzerischer Leichtfüßigkeit, lässig baumelnden Armen und überraschenden K.O. Schlägen. Bemerkenswerterweise ist er weltweit jedoch nicht der Erste, der in dieser Manier geboxt hat: Den Gegner mit rasant tänzerischen Beinkombinationen zu verblüffen, ihm mit blitzschnellen Pendelbewegungen auszuweichen und keine langen Schlagwechsel zuzulassen sind Merkmale, die bereits Jahrzehnte zuvor die Besonderheit des Deutschen Boxers Johann „Rukeli“ Trollmann ausmachten. Während Muhammad Ali mit seiner tänzerischen Raffinesse beim Boxen globale Anerkennung und Akzeptanz erfuhr, wurde sie im Gegensatz dazu für Johann „Rukeli“ Trollmann wegen seiner sinto-deutschen Herkunft, weit über die Boxprofession hinaus, zu seinem Verhängnis.

Am 09. Juni 1933 war Johann „Rukeli“ Trollmann auf dem Weg, den Meisterschaftskampf im Halbschwergewicht gegen Adolf Witt zu gewinnen. Das ergab zumindest die Punktezählung vor Beendigung des Kampfes. Doch als der Ausgang des Kampfes immer deutlicher wurde, wiesen die nationalsozialistischen Sportfunktionäre die Jury an, den Kampf als unentschieden zu werten. Für die Nationalsozialisten stellte der Sieg eine Bedrohung dar, denn Trollmann demontierte das propagandistische Bild vom körperlich überlegenen, arischen Herrenmenschen und machte transparent, wie abwegig diese Vorstellung war. Das boxkundige Publikum war jedoch nicht bereit, diese Manipulation hinzunehmen und protestierte lang und lautstark, so dass schließlich Johann „Rukeli“ Trollmann als Deutscher Meister im Halbschwergewicht aus dem Ring stieg. Nur eine Woche nach dem Kampf erhielt Trollmann einen Brief des Boxverbandes, der ihm mitteilte, dass ihm der Meisterschaftstitel im Halbschwergewicht wieder aberkannt wurde, da beide Boxer „ungenügende Leistungen“ im Kampf erbracht hätten. Was eben noch rechtmäßiger Erfolg war, entpuppte sich für Johann „Rukeli“ Trollmann zur Lüge der Gegenwart. Das unpolitische Publikum hatte ihm die Wahrheit eines rechtmäßigen Sieges geschenkt, während die Nationalsozialisten aus seinem Triumph eine Farce machten. Die Regeln des Respekts und der Fairness im Boxsport waren fortan für alle „Nicht-Arier“ und somit auch für ihn aufgehoben. Die Nationalsozialisten instrumentalisierten das Boxen für ihre Ziele: Es sollte eine zentrale Rolle in der so genannten Leibeserziehung des Dritten Reichs spielen. Mit einer sportpolitischen Offensive zum Zweck der Schaffung eines „wehrhaften Volkskörpers“ begann die Ausgrenzung und Verfolgung „nicht-arischer“ Sportler und Sportlerinnen. Von den Nationalsozialisten wurde Trollmanns Boxstil als „zigeunerhaft“ bewertet.

Vor seinem Kampf gegen den Weltergewichtler Gustav Eder am 21.7.1933 wurde ihm der Entzug seiner Lizenz als Boxer angedroht, sollte er „zigeunerhaft“ tänzelnd, also „undeutsch“ boxen und sich so nicht dem Kampf stellen. Bemerkenswerterweise widersetzte sich Trollmann dessen ungeachtet der nationalsozialistischen Schikane und stieg mit hell gefärbten Haaren und weiß gepuderter Haut in den Ring. »Leg dich, Zigeuner, oder wir holen dich.« war die erboste Reaktion der SA-Männer, die unter den Zuschauern weilten. Trollmann entschied sich im Laufe des Kampfes aufzugeben, um politisch am Leben zu bleiben. Für das nationalsozialistische Regime war Johann „Rukeli“ Trollmanns Existenz jedoch Provokation genug. Er wurde entrechtet, ausgegrenzt und verlor so schrittweise seine Existenzgrundlage. 1942 wurde Johann „Rukeli“ Trollmann im KZ Neuengamme inhaftiert und 1944 im KZ Wittenberge ermordet.

Ende 2003 übergab der Deutsche Boxerverband der Familie des Boxers den Meistergürtel von Johann „Rukeli“ Trollmann. Der Titel des „Deutschen Meisters“ im Halbschwergewicht vom Berufsverband Deutscher Boxer wurde Trollmann 2004 wieder zuerkannt.

DATEN UND FAKTEN:

Das Pressegespräch findet statt am: 10.05.2011
Uhrzeit: 11 Uhr
Ort: Historisches Museum am Hohen Ufer, Pferdestraße 6, 30159 Hannover
Veranstalter der Pressekonferenz: Presseamt der Stadt Hannover
Themen sind: Das temporäre Denkmal und das dazugehörige Begleitprogramm

Ort des temporären Denkmals: Ballhofplatz, Hannover, 30159 Hannover
Einweihung des Denkmals: Donnerstag,12. Mai 2011
Uhrzeit: 12 Uhr
Laufzeit: 12.5. – 29.6.2011

Eröffnungsredner: Stephan Weil , Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover
Thematische Einführung: Manuel Trollmann, Großneffe von Johann „Rukeli“ Trollmann , und Boris Erchenbrecher, Niedersächsischer Verband Deutscher Sinti e.V. sowie Kathrin Kühling, Netzwerk Erinnerung und Zukunft

Die Künstlergruppe BEWEGUNG NURR und Florian Göpfert sind beim Pressegespräch und bei der Eröffnung anwesend.

Kooperationspartner:
BEWEGUNG NURR
Netzwerk Erinnerung und Zukunft
Landeshauptstadt Hannover – Fachbereich Bildung und Qualifizierung – Projekt Erinnerungskultur,
unter der Schirmherrschaft der niedersächsischen Ministerin für Soziales, Frauen, Familie,
Gesundheit und Integration Frau Aygül Özkan
Niedersächsischer Verband Deutscher Sinti e.V.
Junges Schauspiel Hannover
Historisches Museum Hannover

Projektförderung & Sponsoren:
Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft
Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten
Amadeu Antonio Stiftung
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
Stiftung Gedenken und Frieden.

Interviewtermine mit der Künstlergruppe BEWEGUNG NURR und Florian Göpfert sind während der gesamten Ausstellungsdauer möglich.

Weitere Informationen und hochauflösende Bilder für die Presse finden Sie auch unter: http://www.trollmann.info/
Zur Veröffentlichung, honorarfrei. Belegexemplar oder Hinweis erbeten.

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