(openPR) 30. APRIL - 02. JULI 2011
ERÖFFNUNG 29. APRIL 2011, 18 – 21 UHR
Die Galerie Kunstagenten präsentiert in der ersten Einzelausstellung mit Jenny Michel neue Arbeiten der Paradise-Werkreihe aus den Jahren 2010 und 2011.
Die Künstlerin vereinigt in medialer Vielseitigkeit Objekte, Zeichnungen, Fotografien, Texte und Videos zu komplexen Werkreihen, die stets einen vielschichtigen inhaltlichen Hintergrund von philosophisch-wissenschaftlichen Betrachtungen, selbst entwickelten Theorien und fiktiven Ideen besitzen. Die einzelnen Werke wachsen über einen längeren Zeitraum von oftmals mehreren Jahren zu einer beeindruckenden modulartigen Gesamtstruktur zusammen und spiegeln sowohl in sich selbst, als auch in ihrer serienartigen Verknüpfung die weit vernetzten, stark analytischen Denkansätze der Künstlerin wider. In ihren neusten Arbeiten führt sie die bereits 2008 begonnene Paradies-Werkreihe fort und untersucht den kulturgeschichtlich vielgestaltigen Begriff des Paradieses in seiner Bedeutung als Idealort, den die Menschheit spätestens seit der Aufklärung durch Streben nach wissenschaftlichem Fortschritt und materiellem Wohlstand zu erreichen versucht. Zwischen Wissenschaftlichkeit und Fiktion changierend ironisiert Jenny Michel den Absolutheitsanspruch menschlichen Gedankenguts und entlarvt damit verbundene paradiesische Idealvorstellungen als ambigues Phänomen von frappierender gesellschaftlicher Aktualität.
Die sich netzartig ausbreitenden Zeichnungen und Perforationen in Paradise-Map #1 und Paradise-Map #2 verweisen auf eine Fülle an Wünschen und Sehnsüchten, an wissenschaftlichen und technologischen Bestrebungen, die wir mit dem unerreichbaren Idealzustand des Paradieses assoziieren. Die komplexe Struktur wird von leeren Flächen unterbrochen, die Erinnerungen an mittelalterliche Karten hervorrufen, in denen weiße Flecken unentdeckte Gebiete markierten. Sie deuten auf das Paradies als ursprünglich leeren Raum, als bloße Projektionsfläche un¬serer Wünsche hin. Auch in der Fotografie Der Phantomteilchenforscher im Paradies zieht die Künstlerin den Vergleich zum Entdeckungsdrang früherer Forscher, unterstreicht aber durch den bezeichnenden Titel die Utopie des ambitionierten Ziels.
In The Heaven-And-Hell-Machine werden Ausschnitte von Schaltplänen einer Reprografie-Kamera und auf Schreibmaschine geschriebene Textfragmente zu einer großformatigen Wandinstallation zusammengefügt. Die Künstlerin thematisiert hier den ambiguen Charakter des Paradieses, dessen Reichtum bald zur Last werden kann: In den Textausschnitten zu „Sisyphus im Paradies“, einer selbstverfassten Geschichte, ist die mühevolle Arbeit der mythologischen Figur erfolgreich, führt ins Paradies, treibt den Helden jedoch schließlich in eine Krise. Das Werk selbst reflektiert diese Sisyphusarbeit. Es überwältigt in seinem Detailreichtum, bietet paradiesische Zustände, entfernt den Betrachter jedoch gleichzeitig von der inhaltlichen Essenz der dargebotenen Textauszüge und technischen Anleitungen.
Diese destruktive Energie des Überflusses wird auch in "The Rise and Fall of Paradise" anschaulich dargestellt. Polyesterharzschichtungen mit Tuschezeichnungen bilden eine urbane und landschaftliche Struktur aus, deren Dichte zur Mitte hin zunimmt, um sich weiter seitlich wieder aufzulösen. Die Künstlerin charakterisiert damit einen Punkt des Überflusses, sei es an wissenschaftlichem Gedankengut, sei es an menschlich erzeugten Bauten oder materiellen Gütern, welcher letztlich die Selbstzerstörung des paradiesischen Ortes hervorruft. Die Zeichnungen Anleitung zum Zumüllen des Paradieses unterstützen diesen Eindruck. Mit Gräberfeld (Ideen) trägt Jenny Michel das menschliche Gedankengut, auf die die eingravierten Ideen in den Polyesterquadern hinweisen, schließlich förmlich zu Grabe.













