(openPR) Der vierte Tag unserer langen Reise beginnt. Auf Valentins Laptop konnten wir das Höhenprofil für diesen Tag ablesen und so wie es aussah, hatten wir die hohen Berge überstanden. Und es kam noch besser... Wir hatten richtigen Rückenwind! Eigentlich hatten wir den schon von Tourbeginn an, aber jetzt, auf den flacheren Ebenen, war er noch stärker und so wurden wir richtig durch die Dörfer gepustet. An fast jedem Ortseingang konnte man eine Anzeige sehen, auf der die aktuelle Geschwindigkeit zu sehen war. Diese lagen immer zwischen 30 und 40km/h. Das tat richtig gut nach den ganzen Bergetappen. Auch das Wetter war wieder bestens. Die Dörfer wurden immer schöner und ab und an gab es sogar einen Supermarkt. Der Preisunterschied zu Deutschland war zum ersten Mal richtig spürbar, als wir nach einem umfangreichen Einkauf nur umgerechnet 3,00 Euro zahlen mussten.
Diesen Tag habe ich sehr genossen. Die 130 km waren kein Problem, da wir die Strecke etwas an die Windgegebenheiten angepasst haben und streckenweise auch auf Bundesstraßen unterwegs waren. Für Tagesende haben wir uns einen Campingplatz ausgesucht und bei Ankunft dann festgestellt, dass dieser wahrscheinlich erst in einem Monat öffnen wird - kein Mensch weit und breit. Das war fast schon etwas unheimlich!
Wir haben dann die Zelte in dem Waldstück dieses Campingplatzes aufgeschlagen und konnten von dort aus auf einen Fluss schauen. Am anderen Flussufer stand ein großes Haus. Wie es schien, war dort der Campingplatzbesitzer zu Hause und offensichtlich hatten uns die Bewohner entdeckt, denn eine Frau zeigte vom gegenüberliegenden Ufer auf uns. In den folgenden Stunden und in der Nacht hörten wir dann aber nichts von ihnen.
Am nächsten Morgen fuhr dann ein Auto vor. Ohne „Hallo“ zu sagen oder einen Blick auf uns zu werfen, stellte jemand ein Fass mit warmem Wasser und Seife neben unsere Zelte und fuhr wieder davon. Die halbe Dusche hat richtig gut getan. Danke an den Besitzer des Campingplatzes für diesen netten Gruß!
An diesem Morgen war ich auch nach dem Frühstück nicht sehr gut gelaunt. Mich stört es sehr, dass ich keinen Kontakt mit meiner Freundin halten kann, aber ich will auch nicht immer Valentins Handy für eine SMS benutzen. Ich fasste den Beschluss, am nächsten Münztelefon etwas von meinem Kleingeld los zu werden. Wie auch in den Tagen zuvor hatten wir ordentlichen Rückenwind und daher passten wir unsere Routenplanung etwas an, damit wir den Wind immer im Rücken hatten. So pfiffen wir mit dem Frühlingswind durch die Dörfer und ich konnte erkennen, wie das Panorama langsam einen deutlich österreichischen Charakter annahm, beispielsweise an den großen Toren der Häuser, durch die es zum Hinterhof geht.
Die Dörfer wurden auch immer schöner und die Straßen waren toll... nicht so schlimm wie in Ostdeutschland!
Schließlich fand ich eine Münztelefonzelle (die meisten Telefonzellen lassen sich ja ansonsten nur noch mit Telefonkarte benutzen). Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten habe ich dann Münzen im Wert von ca. 4 Euro in den Automaten geworfen. Plötzlich erscheint eine seltsame Fehlermeldung auf dem Display und dann wurde angezeigt, dass ich jetzt ca. 3 Euro Guthaben an dieser Telefonzelle habe und nur noch 1 Euro ausgezahlt werden kann. Lieder habe ich es dann doch nicht geschafft, meine Freundin in Deutschland zu erreichen. Über dieses Guthaben kann sich dann jemand aus dem Dorf freuen.
Habe ich schon gesagt, dass das Wetter mal wieder super war? Wir beide haben einen Sonnenbrand und uns nun ordentlich Sonnencreme auf Nase und Ohren geschmiert. Ich werde langsam etwas braun.
Wir radelten an diesem Nachmittag durch das wunderschöne „Tschechische Kanada“, das eigentlich einen originelleren Namen verdient. Wir radelten durch wunderschöne Wälder und passierten kleine Seen. Endlich fühlte sich die Tour nach einer schönen Reise an. Ich hatte mein Stimmungstief vom Anfang dieser Reise fast überwunden.
Nach 140 km fanden wir einen Campingplatz. Eigentlich hatte ich insgeheim schon damit gerechnet, dass auch er geschlossen war, denn die Campingplätze öffnen ja häufig erst im Mai. Aber wir hatten Glück. Der Besitzer war da und wir konnten sogar die Dusche und das WC nutzen. Am Abend zuvor hatte ich schon von einer Dusche geträumt und diesen Traum habe ich dann natürlich auch gelebt.
Der Platz war sehr schön und unsere Stimmung erreichte einen Hochpunkt. Allein schon die Tatsache, dass wir WLAN nutzen konnten, machte mich froh, denn jetzt konnte ich endlich Kontakt aufnehmen. Das war mir in diesen Tagen am wichtigsten.
Der Campingplatz gehörte einem Holländer, die ja bekanntlich was von Camping verstehen, und so hatten wir einen tollen Abend. Abgesehen von der Katze, die in der Nacht die Hälfte meines Proviants aus dem Plastiksack gefressen hat, und dem starken Wind, der um unsere Zelte pfiff, war alles gut!













