(openPR) LEIPZIG. (Ceto) Schon seit Anfang des außergewöhnlich sonnenreichen Monats März scheint so manche kurvenreiche Straße fest in der Hand der Biker. Für die richtige Handhabung der schnellen Zweiräder braucht es nicht nur Umsicht und Geschicklichkeit, sondern auch den richtigen Schmierstoff. Denn Zweiräder ticken anders als ihre vierrädrigen Pendants. Das liegt zum einen an den teils deutlich höheren Drehzahlen, zum anderen an einer Besonderheit vieler Motorrad-Motoren: Denn die versorgen über ihren eigenen Ölkreislauf auch gleichzeitig das Getriebe mit den unverzichtbaren Gleitmitteln.
Für Pkw konzipierte Motorenöle erfüllen diese speziellen Anforderungen nicht hinreichend, da sie ausschließlich für die Optimierung des Automotors vorgesehen sind; für das Getriebe gibt es eigene Öle. Ein Multifunktionsöl hingegen gewährleistet durch zielgerichtete Additivierung, dass sowohl die Ansprüche an ein Motorenöl erfüllt werden als auch etwa die Spezifikationen des Getriebes und der Kupplung. Kurzum: Da mehrere Baugruppen versorgt werden müssen, steigen die Anforderungen an das Öl. Insgesamt hat das Multifunktionsöl vier Aufgaben, die es lösen muss: schmieren, kühlen, spülen und schützen.
Allerdings ist bei Zweiradschmierstoffen eine Differenzierung in 2-Takt- und 4-Takt-Motoren erforderlich. Erstere brauchen kein Multifunktionsöl, da Motor und Getriebe separat geschmiert werden. Bei den 4-Taktern gibt es einige Motorrad-Modelle, die auf zwei Ölbäder setzen. Etwa bei Enduro-Maschinen von Honda und KTM ist das der Fall, sowie bei manchen BMW- oder Guzzi-Motorrädern. Am häufigsten ist jedoch nur ein Ölhaushalt, der Motor, Getriebe und Kupplung umfasst, was ein Multifunktionsöl erfordert.
Dennoch benutzen Motorradfahrer immer wieder Pkw-Öl, das sachgemäß lediglich für den Einsatz im Motor optimiert ist. Ein Vergleich der Ansprüche von Pkw- und Motorrad-Aggregaten legt den Schluss nahe, dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann diese
Praxis der Technik schadet. Durch hohe Drehzahlen von bis zu 18.000 Umdrehungen pro Minute (Pkw: 6.000) ist die Scherbeanspruchung im Motorrad deutlich höher. Das Motorradöl muss des Weiteren durch die häufige Luftkühlung mit höheren Betriebstemperaturen zu Recht kommen. Und die Integration von Kupplung und Getriebe in den Öl-Kreislauf ist zu beachten – beim Pkw ist keine Rücksicht darauf nötig. Nutzt man im Motorrad dennoch das Pkw-Öl, fällt die Viskosität oft schon nach wenigen Hundert Kilometern rapide ab; die Folge sind Motorschäden.
Zweirad-Hersteller formulieren keine eigenen Spezifikationen für Motorradmotorenöle. Sie greifen auf internationale Spezifikationen zurück, die aber nicht auf die Betriebsbedingungen in Motorrädern zugeschnitten sind. Diese beziehen sich ausschließlich auf die Motorentauglichkeit. Daher existieren weitere Angaben wie die JASO- (Japan Automobile Standards Organisation) Spezifikation. Sie ist die wohl wichtigste für Motorräder und trifft Aussagen zur Eignung für Kupplung und Getriebe. „Aber es gibt keine Spezifikation für das Gesamtsystem Motorrad“, hält Guido Braunecker, Anwendungstechniker für Automotive Schmierstoffe bei der FUCHS Europe Schmierstoffe GmbH, fest. Darum sei die vorsichtige Auswahl von kompetenten Herstellern essentiell. Weiterhin gehören einige immer wieder gehörte Annahmen ins Reich der Fabel.
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