(openPR) von Dr. Otmar Seidl
Mineralbrunnen sind Kunstwerke der Natur und Kultur. Eine jede Region, die einen solchen Mineralbrunnen besitzt, kann stolz darauf sein. Mineralbrunnen sind wirtschaftlich genutzte Quellen, deren Wässer einen bestimmten Anteil von Mineralstoffen enthalten. Diese bestehen aus Mineralien, von denen der Körper eine größere Menge besitzt und benötigt wie Natrium, Calcium und Magnesium und sog. Spurenelementen wie Eisen, Jodid, Fluorid, Zink und Mangan. Zusammen mit der mehr oder weniger vorhandenen Kohlensäure bestimmen die Mineralien den Geschmack des Wassers, welches dadurch neben seinem Gesundheitswert eine unverwechselbare Besonderheit erhält.
Die Mineralien werden auf dem langen Weg des Wassers aus großen Tiefen nach oben aus den Erd- und Gesteinsschichten gelöst, die in den jeweiligen Regionen vorherrschen. Je größer die Tiefe und je mehr Gesteinsarten das Wasser passiert, desto reichhaltiger ist schließlich sein Angebot an Mineralien. Je oberflächlicher das zu Tage tretende Wasser ist, desto mehr nähert es sich dem Grundwasser mit seinem geringen bis fehlenden Mineralgehalt an. Mineralwasser liefert gleichsam eine geologische Visitenkarte der jeweiligen Region. Mineralbrunnen tragen zu deren Identität bei und machen oft erst die Regionen überregional bekannt. Denken wir nur an die kleineren Orte wie Adelholzen oder Kondrau.
Man kann Mineralwässer mit Wein vergleichen. Der Geschmack von Wein richtet sich neben den klimatischen Besonderheiten ebenfalls nach der geologischen Bodenbeschaffenheit der Region, in der die Reben wachsen. Bei gleicher Traubensorte schmeckt Moselwein anders als Pfälzer oder Frankenwein. Die Geschmacksunterschiede zu erfassen und entsprechende Empfehlungen für die Kombination mit anderen Nahrungsmitteln sind die Aufgabe eines eigenen Berufsstandes geworden, des Sommeliers. Mittlerweile gibt es auch für Mineralwässer Sommeliers, was zum Ausdruck bringt, dass auch Mineralwässer ihre unverwechselbare, geschmackliche Qualität haben und mit anderen Nahrungsmitteln mehr oder weniger gut kombiniert werden können. Auf internationaler Ebene loben außerdem Prämierungen für guten Geschmack im Sinne eines „Superior Taste Award“ Mineralwässer aus. Wasser ist eben nicht nur ein neutraler Durstlöscher, sondern auch ein Geschmacksträger. Gute Lokale haben deshalb auch unterschiedliche Marken von Mineralwässern auf ihrer Karte.
Mineralbrunnen sind aber nicht nur Kunstwerke der Natur, sondern auch Denkmäler unserer Kultur. Sie besitzen oft eine unverkennbare geschichtliche Identität, von welcher eine ganze Region profitieren kann. Menschen haben zu allen Zeiten reine, gehaltvolle und oft heilende Quellwässer geschätzt und um ihren Besitz gerungen. Hierfür mag beispielhaft die Geschichte der Quellen des Kondrauer Mineralbrunnens stehen.
Die Kondrauer Quellen befanden sich im Mittelalter zunächst im Besitz von sog. Raubrittern, welche die Quellen nicht selbst nutzten, sondern sie als ein wirtschaftliches Pfand zum Austausch von anderen Gütern verwendeten. Genutzt wurden sie dann seit 1281 von den Zisterziensermönchen des Klosters Waldsassen, die nicht nur die Gegend durch Rodung urbar machten, sondern auch die Quellen fassten. Nach der Säkularisation mit der Auflösung der Klöster gingen die Quellen in den Besitz des Staates über und dann bis heute in familiären Besitz. Diese lange Geschichte der Quellen mit ihrer Pflege und Erhaltung erklärt sich einfach damit, dass nämlich das Wasser eine gesundheitsfördernde und geschmackliche Qualität besitzt. Der Brunnen wurde deshalb nicht nur als Mineralbrunnen, sondern auch als Heil-brunnen anerkannt und ein Heilbrunnenschutzgebiet eingerichtet. Der gute Ruf des Wassers hat eine jahrhundertealte Traditi-on und so war es auch nicht verwunderlich, dass trotz des damaligen hohen Transportaufwandes von Tonflaschen in schweren Holzkisten Kondrauer in ganz Europa bis in die damaligen afrikanischen Kolonien versandt wurde und dass sich auch der Wittelsbacher Hof in München seit 1668 mit diesem Wasser versorgen ließ. Schließlich wurden die Besitzer zu „Königlich Bayerischen Hoflieferanten“ ernannt. In Bayern ist Kondrauer so bekannt, dass sein Name als Synonym für Mineralwasser stand und steht.
Solche Entwicklungen spiegeln die enorme Bedeutung der Brunnen für die Region und deren Bekanntheitsgrad wieder. Die große identitätsstiftende Bedeutung von Mineralbrunnen für die jeweilige Gegend ist offenkundig. Auf Grund der klimatischen und geologischen Besonderheiten kann sich Deutschland über eine Vielzahl von Mineralbrunnen glücklich schätzen. Das Mineralwasservorkommen ist weltweit das größte, und die 210 deutschen Mineralbrunnen fördern mehr als 500 verschiedene Mineralwässer. Das sind hohe Natur- und Kulturgüter, die unsere Le-bensqualität positiv beeinflussen. Mit unserer Konsumentschei-dung, welches Mineralwasser wir trinken, können wir zum Erhalt der Mineralwasservielfalt auf regionaler und überregionaler E-bene beitragen.















