(openPR) Agenda 2020 der Selbsthilfe psychisch kranker Menschen und ihrer Familien stellt Forderungen zur Weiterentwicklung der psychiatrischen Versorgung
(Berlin, 10. Oktober 2010) Seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hat sich in der Versorgung psychisch kranker Menschen viel verändert. Das betrifft nicht allein die medizinische Behandlung, wo etwa durch neue Medikamente und Therapieverfahren oder integrierte Versorgungsmodelle große Fortschritte erzielt wurden und der Weg tatsächlich für viele Patienten heraus aus den Anstalten und zurück in die Gemeinde führte.
Trotzdem profitieren viele Patienten und ihre Familien von diesen positiven Entwicklungen nicht in wünschenswertem Maß; das Bild von der schönen neuen Psychiatriewelt trübt sich erheblich, wenn man auf den Alltag schaut: Auch neue Medikamente haben vielfach nicht tolerierbare Nebenwirkungen; Trägerinteressen auf der Anbieter-wie auf der Kostenträgerseite, Drehtürpsychiatrie und Behandlungsabbrüche prägen die Praxis der Versorgung. Das Prinzip „ambulant vor stationär“ stößt an Grenzen, sobald es im ambulanten Bereich keine passgenauen und annehmbaren Hilfen gibt und Behandlungskontinuität nicht gewährleistet ist.
Deshalb hat der Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker die Initiative ergriffen, um mit Betroffenen-Selbsthilfegruppierungen aus verschiedenen Indikationsbereichen, wie sie im „Selbsthilfenetz Psychiatrie“ kooperieren, einen gemeinsamen Forderungskatalog für die psychiatrische und psychosoziale Versorgung psychisch erkrankter Menschen zu erstellen, Unterstützung und Entlastung für die mit betroffenen Familien einzufordern und gleichzeitig Vorschläge für die weitere Entwicklung der Selbsthilfe in diesem Bereich zu machen. Ausgangspunkt war dabei der Forderungskatalog der Familien-Selbsthilfe Psychiatrie, wie er in der „Agenda 2006“ zu Beginn dieses Jahrhunderts erarbeitet wurde.
Bei der Weiterentwicklung des Versorgungssystems kann und darf auf diesen Erfahrungsschatz nicht verzichtet werden. Deshalb haben die unterzeichnenden Verbände die dringendsten Forderungen aus der Perspektive der Selbsthilfe zusammen getragen, ganz bewusst ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder gar „Ausgewogenheit“.
Von Planern, Entscheidern und Behandlern wird erwartet, dass die Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, im Zentrum des Systems stehen, nicht nur in verbalen Bekundungen, sondern im Versorgungsalltag, dass Patienten und ihren Familien mit Respekt begegnet wird, ihre Würde geachtet und das Versorgungsangebot vernetzt und an ihrem Bedarf ausgerichtet wird.
Die nachfolgend genannten bundesweit tätigen Verbände haben an der Entwicklung der Agenda 2020 mitgewirkt und tragen diese mit:
• Borderline-Trialog Informations-und Kontaktstelle
• Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V. (BApK)
• Deutsches Bündnis gegen Depression e.V.
• Deutsche DepressionsLiga e.V. (DDL)
• Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen e.V. (DGBS)
• Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen e.V.
• Netzwerk Stimmenhören e.V.
• Schatten und Licht e.V./Initiative peripartale psychische Erkrankungen
(3126 Zeichen) Abdruck kostenlos, Belegexemplar erbeten.










