(openPR) Argentinien ist in diesem Jahr Gastland auf der Frankfurter Buchmesse. Denkt man an Argentinien, so hat man in unseren Breiten nur zwei Sachen im Kopf: Fußball und Tango. Fußball und der unvergleichliche Diego Armando Maradona und die machohaften, harten Tanzschritte auf ebenso harten Parkett. „Unterwegs im Tangoschritt“ unterstreicht dieses Klischee und fügt noch ein paar Leidenschaften hinzu. Schon das Titelbild beeindruckt und gibt einen ehrlichen Einblick in die Stadt am Rio de la Plata. Die Avenida 9 de Julio ist siebenspurig … in jeder Richtung! Sie ist Sinnbild der Hauptstadt Argentiniens. Hier will man nicht nur die Nummer Eins sein, hier wird sie gelebt. Gern bezeichnet sich die Millionenmetropole als das „Paris der Südhalbkugel“.
Und wenn man der Autorin Edith Werner glauben darf, so hinkt dieser Vergleich kein bisschen. Auf siebzehn unvergänglichen Streifzügen durch eine der wohl eindrucksvollsten Städte der Welt wird dem Leser ein Bild vermittelt, das er nicht so schnell vergessen wird. Jeder Streifzug – und solche sind sie, denn Edith Werner schreitet gemächlich und mit staunenden Augen durch die Stadt – wirkt thematisch durchdacht und geplant. Sie seziert einzelne Hinweise ohne dabei das Wesen des Objektes zu zerstören.
Voller Genuss berichtet sie vom Chaos des öffentlichen Verkehrssystems. Über 500 Buslinien und 25.000 Taxis herrschen über den Asphalt. Fahrpläne? Fehlanzeige! Einfach dort warten, wo sich eine kleine Menschenansammlung bildet und die Wartenden mit dem raren Kleingeld klimpernd ein Schwätzchen halten. Ein Bus kommt immer. Meist schon nach wenigen Augenblicken. Apropos Schätzchen. Das scheint auch eine Eigenart der Hauptstädter, sicherlich aller Argentinier zu sein. An jedem Ort, zu jeder Zeit wird getratscht, polemisiert, philosophiert. Und geküsst wird auch allerorten. Einige erinnern sich noch an die Fußball-WM in Südafrika. Ein Eindruck, der bei vielen noch hängen geblieben ist, war der liebevolle Umgang Diego Maradonas mit seinen Spielern. Ein Küsschen hier, ein beso da. Der berühmteste Sohn der Stadt hat diese Alltagsgeste der Welt nahe gebracht. Eine weitere Berühmtheit der Stadt war und ist Evita Peron, die gottähnliche Ehefrau des Faschisten Juan Peron, der in den 50er Jahren mit seiner prunksüchtigen Diktatur das Land ins Abseits schoss. Einzig seine Frau konnte dem Treiben einen - oberflächlich betrachteten – „normalen Anschein“ geben. Bis heute wird sie als Nationalheilige verehrt. Wer etwas gegen sie sagt, wird es nicht unbedingt einfach haben in der Zukunft.
Edith Werner lebt nachdem sie ihr erster Besuch in Buenos Aires so dermaßen beeindruckt hat in Argentinien. Sie kennt die Mentalität der Argentinier, ist eine hervorragende Reiseleiterin in Buenos Aires und beschreibt mit einfachen Worten die Faszination Buenos Aires. Dieses Buch muss man lesen, wenn man Buenos Aires erleben will oder sich in eine andere Welt lesen möchte.
Karsten Koblo (www.aus-erlesen.de)
Edith Werner: Unterwegs im Tangoschritt - Streifzüge durch Buenos Aires
Wiesenburg Verlag
160 Seiten, Klappenbroschur, Euro 15,80
ISBN 978-3-940756-76-3













