(openPR) Von Hannes Ullmann, Bertrandt Ingenieurburo GmbH, Ingolstadt
„Der beste Weg, eine gute Idee zu haben, ist eine Menge Ideen zu haben“, sagte einmal Linus Carl Pauling, amerikanischer Chemiker und Nobelpreisträger. Dieses Motto muss auch dem Erfinder des ersten gummierten Stoßfängers und Grunder der Daimler Motor Company, Frederick Richard Simms, zueigen gewesen sein. Bereits 1905 baute er das erste Automobil mit Stoßstange. Seit dieser Zeit haben sich die Anforderungen an Stoßfänger grundlegend geändert. Sollten ursprunglich lediglich größere Schäden bei Zusammenstößen verhindert werden, bilden Stoßfängermodule heute ein großes Designelement des Fahrzeugs und ubernehmen vielfältige Funktionen in der Fahrzeugsicherheit. Auch die Anforderungen an die Entwicklung sind gestiegen und erfordern ein hohes Maß an ubergreifendem Know-how.
Stoßfänger lassen ein Fahrzeug sportlich, aggressiv oder elegant erscheinen und tragen zur Kaufentscheidung des Kunden bei. Einen Stoßfänger lediglich als Bauteil zu bezeichnen, ist fast ein wenig untertrieben. Mittlerweile hat er sich zum Stoßfängersystem entwickelt, das einer Vielzahl von Anforderungen aus Funktionalität und Beständigkeit gegenuber Umweltbelastungen standhalten muss. Neben den hohen Qualitätsanforderungen an Oberflächen und Wertigkeit dient es auch zur Systemintegration von Elektronikbauteilen wie Blinkermodulen, Scheibenreinigungsanlagen, Radar-Systemen fur die Einparkhilfe oder Abstandswarnern. Voraussetzung fur die zielfuhrende Entwicklung eines Stoßfängermoduls ist deshalb die Zusammenarbeit mehrerer Engineering- Teams, um den komplexen Anforderungen gerecht zu werden.
>>Alles aus einer Hand
Die Stoßfängerentwicklung ist bei Bertrandt ein wichtiges Geschäftsfeld. Bereiche wie Konstruktion, Berechnung und Simulation, Prototypenbau mit Werkzeugfertigung sowie Funktionserprobung aus Umweltsimulation und Fußgängerschutz sind im Bertrandt-Netzwerk seit Jahren etabliert. Das Spektrum reicht von der Vorentwicklung uber Produktaufwertungen bis zur Neuentwicklung kompletter Stoßfängersysteme. In Gesprächen innerhalb der Konzept- und Prototypenphase werden Erfahrungen aus den Fachabteilungen zusammengetragen. Diese fließen in aktuelle Entwicklungen sowie Problemstellungen zur Lösungsfindung ein. Aus der Theorie entstehen in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Lieferanten erste Prototypen sowie Erstmuster aus teils im Konzern gefertigten Prototypenwerkzeugen. Mit den ersten Prototypenständen beginnt die Validierung bis zur Serienreife der einzelnen Stoßfängersysteme. Gewonnene Erkenntnisse aus Versuch und Erprobung werden uber alle Fachbereiche hinweg vor Ort analysiert und diskutiert. Aus den einzelnen Teilversuchen werden Abstimmungsmaßnahmen beziehungsweise Optimierungen abgeleitet. Die Aufstellung zeigt, welche Kenntnisse aus den einzelnen Versuchen gewonnen werden können:
->Statische Festigkeit
- Auslegung und Abstimmung der Clipse, Rastnasen und Verschraubungen.
->Klimaruttel-Dauerversuch
- Verschleiß- und Scheuerstellen
- Bewertung von Stutzelementen und Rippen
- Validierung von Anzugsmomenten (Setzverhalten) und Spaltverlauf.
->Temperaturwechseltest
- Temperaturbeständigkeit (Werkstoffe)
- Setzverhalten (Schwund/Verzug)
- Spaltverlauf, auch unter Extremtemperaturen
- Bewertung von Fugetechniken, wie beispielsweise Kleben.
->Fußgängerschutz
- Geometrie Stoßfänger Stutz- und Versteifungselemente (Werkstoffe).
->Kundendienstanforderung
- Bewertung der Zugänglichkeit
- Abstimmung der Deckel und Klappen.
Die Erprobung simuliert Umwelteinflusse aus Fahrversuchen, Umgebungstemperatur und Klima. Die unterschiedlichen Prufspektren (Anforderungen) sind durch den jeweiligen OEM vorgeschrieben und an seine Anspruche und Erfahrungswerte angepasst. Grundsätzlich soll uber die Anzahl und Intensität der Prufspektren eine Absicherung der Stoßfänger fur ein komplettes Autoleben garantiert werden. Voraussetzung sind detailgenaue seriennahe Prufaufbauten, um realitätsgetreue Ergebnisse zu erzielen. Bewertet werden mit bloßem Auge erkennbare Verschleiß- und Scheuerstellen sowie die Relativbewegung des Stoßfängers und seiner Komponenten. Zur Auswertung werden die Probanden mit der Fotogrammetrie (fotooptische Vermessung) untersucht. Daraus werden die Relativbewegung in den drei Raumrichtungen und dem resultierenden Vektor von den lokal aufgebrachten Messpunkten ermittelt. Die Analyse der Messpunkte gibt Aufschluss uber ausgelegte Materialpaarungen und Struktur beziehungsweise Steifigkeit der Systeme. Aus den Ergebnissen und Erkenntnissen können sofort Abstimmungen umgesetzt und bewertet werden.
>>Verzahnte Entwicklung
Die Vorteile einer Entwicklung mit einem Engineering-Partner mit Gesamtfahrzeug-Know-how liegen auf der Hand. Fachabteilungen blicken auf ein Erfahrungsfeld aus Entwicklungsthemen uber mehrere Modellreihen mit ihren Derivaten zuruck. Durch die enge Zusammenarbeit werden Kosten gespart, ein verlustfreier Austausch an Informationen und Daten garantiert. Sachverhalte können am Objekt diskutiert werden und vereinen die visuelle Vorstellung der theoretischen Entwicklung mit der Realität und Machbarkeit. Besonders in der heutigen Zeit, in der Entwicklungskosten eine entscheidende Rolle spielen, können ganzheitliche Dienstleister attraktive Pakete zusammenstellen, um ein qualitativ hochwertiges Produkt zu realisieren. Weitere Vorteile sind in der Aufstellung der einzelnen Entwicklungsteams zu finden. Neben den Mitarbeitern der Inhouse-Teams betreuen Techniker und Ingenieure die Integration der Komponenten beim jeweiligen OEM vor Ort. Sie runden den Entwicklungsprozess ab, unterstutzen bei Änderungen und sind Ansprechpartner fur die jeweiligen Entwicklungsstände beim Hersteller. Die Erfahrung zeigt, dass die Nähe zum Kunden eine aktive und wirtschaftliche Entwicklung unterstutzt und ein entsprechendes Produkt in kurzerer Zeit entstehen lässt. Um den Kunden weitere Mehrwerte zu bieten, arbeitet Bertrandt kontinuierlich an der Optimierung interner Prozesse. Viele Bereiche der Erprobung wurden weiterentwickelt und gemeinsam mit den OEM standardisiert. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden stetig geschult, um Prozesse gezielt abzuarbeiten. Außerdem werden sie aktiv in Optimierungsprozesse einbezogen. Das Ziel: mit Engagement und Fachwissen optimale Entwicklungsergebnisse fur den Kunden zu realisieren.










