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Bauvorhaben in Russland

18.08.201017:21 UhrIndustrie, Bau & Immobilien

(openPR) Das Russlandgeschäft ist für deutsche Unternehmen, die international agieren und nach neuen Expansionsmöglichkeiten suchen, schon seit Jahren kein Geheimtipp mehr. Gemessen an den ausländischen Direktinvestitionen ist die deutsche Wirtschaft in Russland traditionell ganz vorne dabei. Neu allerdings ist der Trend, dass es mehr und mehr deutsche Unternehmen wagen, über die Gründung einer eigenen Produktionsstätte im Land nachzudenken und damit von einem reinen Exportgeschäft mit Russland abzugehen.

Für solche Überlegungen gibt es mehrere Gründe:

• Erstens wächst der russische Markt und damit auch die Kaufkraft und Nachfrage des Binnenmarktes seit 10 Jahren um durchschnittlich 5,5% jährlich. Davon profitieren fast alle Branchen. Die Produktion in Russland rentiert sich und zwar überdurchschnittlich schnell. Noch vor 10 Jahren hatten nur wenige deutsche Großunternehmen in Russland produziert, heute hat die überwiegende Mehrheit der DAX Industrie-Unternehmen ihre eigene Produktionsstätte in Russland oder betreibt mit einem russischen Partner ein Joint Venture. Diese Entwicklung ist branchen- und auch regionsübergreifend. Nach wie vor wird ca. die Hälfte alle Repräsentanzen in den Ballungsgebieten von Moskau und Sankt Petersburg eröffnet. Dagegen werden die Produktionsstandorte meistens nicht nach Prestige-Kriterien ausgesucht und die deutschen Unternehmen sind derzeit über das ganze Land verteilt.

• Zweitens haben Großkonzerne wie Knauf, Metro, Bosch, Siemens, Henkel oder VW eine Lokomotivrolle für die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) aus Deutschland übernommen und bilden heute Netzwerke, die kleineren Firmen den Markteintritt wesentlich erleichtern. Noch vor wenigen Jahren war es für kleine und mittelständische Unternehmen schwer, in Russland Fuß zu fassen. Inzwischen ist es möglich, auch mit überschaubaren Mitteln das Projekt „Standort Russland“ zu realisieren – und zwar mit exzellenten Aussichten auf Erfolg.

• Drittens hat die Rechtssicherheit in Russland in den letzten Jahren zugenommen. Die legislative Basis hat sich deutlich verbessert. In der Rechtsumsetzung und in der Verwaltungspraxis ist eine sehr positive Tendenz zu beobachten. Auch die allgemeine Rechtslage ist für Investoren in vielerlei Hinsicht einfacher und transparenter geworden. Die Regelungen über die Sonderwirtschaftszonen (SWZ) oder das so genannte Ein-Fenster-Prinzip sowie der Wettbewerb der Regionen um Investoren begünstigen wesentlich die Entscheidung der mittelständischen Unternehmen für die Gründung einer eigenen Produktionsstätte in Russland. Wer in Russland investieren will, sollte sich unbedingt die Regionen genau ansehen. Mit Unterstützung der lokalen Administration kann man nämlich viel mehr erreichen.
Es wäre übertrieben, die Investitionsbedingungen in Russland mit jenen in den EU-Ländern zu vergleichen: es gibt noch sehr viel Feinarbeit, die sowohl von der legislativen als auch von der behördlichen Seite geleistet werden muss. Aber eines kann man gewiss sagen: Die Bedingungen sind gegeben und die Regeln funktionieren. Man muss sie nur kennen und in der Lage sein, sie zu erfüllen.

Aller Anfang ist schwer. Und der Aufbau eines neuen Produktionsstandortes ist immer eine Herausforderung. Die Projektrealisierung kann in vier Phasen aufgeteilt und beschrieben werden: Vorprojektmaßnahmen (Projektentwurf und Standortsuche), Projektmaßnahmen (Projektdokumentation und Genehmigungsverfahren), Bau (inkl. Montage) und Inbetriebnahme eines Objekts. Die allgemeine Aufteilung ist international. Aber damit ein Projekt auch in Russland erfolgreich abgeschlossen werden kann, muss man bei der Planung und Realisation unbedingt einige für Russland spezifische Punkte in Betracht ziehen.

Vor und während der Realisierung eines Industrie- oder Zivilprojektes sind auf dem Gebiet der Russischen Föderation einige behördliche Abstimmungen, Lizenzen und Zertifikate für Engineering, im Bauwesen oder in anderen technischen Bereichen notwendig. Dies ist mit einem komplexen Logistikprozess und Koordinationsbedarf zwischen verschiedenen nationalen und/oder lokalen Behörden verbunden. Folgende Auflistung beschreibt alle wesentlichen Schritte, die für die Projektrealisierung in der Russischen Föderation notwendig sind.

1. Vorprojekt
• Bestimmung des Standortes sowie der hiermit verbundenen Abstimmungen und Verhandlungen mit den zuständigen Behörden
• Erstellung von Machbarkeitsstudien, basierend auf von lizenzierten Expertenorganisationen erstellten Umwelt- und Sicherheitsgutachten sowie die anschließende Ermittlung von Ausgangsdaten für die Projektplanung:
- Umweltverträglichkeitsprüfung (OVOS)
- Ausarbeitung der Aufgabenstellung für die Projektierung inkl. behördlicher Abstimmung
- Ausarbeitung des Architekturpasses inkl. behördlicher Abstimmung
- Projektierung der Sanitätsschutzzone mit Einschätzung des Risikos für die Bevölkerung
- Erstellung des Generalplans für das Grundstück und die Katasterregistrierung
- Geologische, topografische Luftkonzentrationsuntersuchung
- Erhalt der technischen Anschlussbedingungen für die Infrastrukturnetze

2. Projektmaßnahmen
• Projektplanung nach Resolution 87 der RF (bzw. Russifizierung der bereits vorhandenen westlichen Projektunterlagen nach GOST, SNIIP) von Gebäuden sowie technischem Equipment:
- Allgemeine Erläuterung der Projektplanung
- Generalplan und Verkehrskonzept
- Architektonisches Konzept
- Konstruktion und Raumplanung
- Haustechnik und Versorgungsnetze: Elektrizitätsversorgung und -verteilung, Wasserversorgung, Wasserabfluss, HKLS, Telekommunikationssysteme, Erdgasversorgung und -verteilung, technologische Anlagen
- Organisation der Bautätigkeiten / Baubeschreibung
- Umweltschutzmaßnahmen
- Brandschutzmaßnahmen
- Maßnahmen für behinderte Personen
- Investitionskonzept und Nachweis der Wirtschaftlichkeit
• laufende Abstimmung der Projektdokumentation mit den zuständigen Behörden und anschließende Einreichung zur staatlichen Expertise (Glavgosexpertisa)
• Ausarbeitung und Expertenbegutachtung der Gefahrenanalyse, entsprechend den geltenden Vorschriften des „Ministeriums für Katastrophenschutz“ und des „RosTechNadzor“
• Expertise der Projektunterlagen und anschließende Registrierung dieser Unterlagen beim RTN zum Erhalt der Baugenehmigung

3. Bau und Montage
• Erstellung der Lieferspezifikation und Vorbereitung der Auftragsvergabe an Lieferanten
• Zertifizierung der Ausrüstung für den Import nach Russland (wie z.B. Hygienezertifikat, GOST-R Konformitätszertifikat, Feuerschutzzertifikat, Zertifikat für explosionsgeschützte Anlagen)
• Projektmanagement
• Organisation der Bau- und Montagearbeiten (GU - Funktion)
• Bau- und Montageüberwachung (vorgeschrieben durch Gesetzgebung)
• Überwachung der Arbeitssicherheit auf der Baustelle (entsprechend der Vorschriften der RF)

4. Abnahme und Inbetriebnahme der Anlagen
• Koordination und Organisation von Qualitätsprüfungen (Protokollierung der Tests) und Abnahmen durch RTN-Inspekteure
• Durchführung von Industriesicherheitsexpertisen des technischen Equipments, Erstkalibrierung der MSRT (Messinstrumente), sowie die Erstellung von technischen Pässen
• Organisation der Erstinbetriebnahme und Abnahme der Anlagen durch RTN, „RosPotrebNadzor“ sowie der Brandschutzbehörde

Keine Firma ist in der Lage allein alle oben genannten Aufgaben zu bewältigen. Aus diesem Grund sollen Unternehmen bzw. Projektmanager folgende Fragen noch während der Vorprojektphase beantworten:
1. Welche von diesen Aufgaben können aus eigener Kraft erfüllt werden und zwar kosteneffektiv, und für welche wäre es sinnvoll Drittfirmen einzuschalten?
2. Wie könnte die optimale Projektstruktur aussehen?
3. Was muss unter Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten beachtet werden (Normen, Behörden, Gesetze, Mentalität, etc.)?
4. Wie sieht es mit Zeitplan und Budget aus: Sind die gesetzten Zielfristen und Ausgaben realistisch?

Unternehmen mit langjähriger Erfahrung im Russlandgeschäft (z.B. durch eine eigene Repräsentanz und/oder Vertreternetz) befinden sich in einer ganz anderen Ausgangssituation als jene, die (wie z.B. viele Autozulieferer) unvermittelt mit diesen Fragen konfrontiert werden, nachdem ihre Abnehmer eigene Produktionsstandorte in Russland gegründet haben. Das heißt allerdings nicht, dass die jeweils eine oder andere Gruppe entweder benachteiligt oder bevorzugt ist. Wichtig ist nur, dass die oben angeführten Fragen gründlich und vor allem rechzeitig beantwortet werden.
Natürlich verschafft eine bereits existierende Repräsentanz bei der Projektrealisierung normalerweise bestimmte Standortvorteile, die andere Unternehmen nicht haben. Dafür ist auch das Risiko höher, aus eigener „Arroganz“ ins Fettnäpfchen zu treten. Ein Unternehmen, das bereits Fuß in Russland gefasst hat, kann sich überschätzen, in dem es versucht, ein Projekt so weit wie möglich aus eigener Kraft voranzutreiben. Dabei wird außer Acht gelassen, dass Erfahrung zwar viel bewirken kann, aber Expertenwissen kann sie nicht ersetzen. Außerdem sind viele Probleme schlicht auf interkulturelle Missverständnisse zurückzuführen. Daher ist es umso wichtiger, die Sprache richtig zu beherrschen oder eine kompetente Betreuung in der Landessprache zu erhalten. Mangelnde Beratung führt öfters zu viel höheren Ausgaben und Planverstößen und im schlimmsten Fall zum Abbruch eines Projekts (solche Fälle sind leider auch bekannt).

Egal ob Ihr Unternehmen ganz neu in Russland auftritt oder bereits auf mehrere Jahre erfolgreiche Arbeit zurückgreifen kann. Fehlentscheidungen trifft immer derjenige, der sich nicht richtig auf die Aufgaben vorbereitet. Deshalb erst wägen, dann wagen.

PROMTECH technical consulting Team

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