(openPR) Dass sein Arbeitsplatz einmal die Straßen und Parks von Schwerte sein würden, hätte sich Rüdiger Rychlik noch vor einem Jahr nicht träumen lassen. Eine Umschulung bescherte dem 55-jährigen Diplom-Kaufmann nach dem Verlust seines Arbeitsplatzes eine zweite Chance und eine völlig neue berufliche Perspektive: Heute ist er Streetworker und kämpft für die Wohnungslosen und Gestrandeten in Schwerte.
„Jeder einzelne Schritt zählt“, sagt Rüdiger Rychlik, während er die letzten Vorbereitungen für das große Skatturnier trifft, das an diesem Freitagabend für die Wohnungslosen in Schwerte stattfindet. Das Skatturnier ist nur eines der Angebote, die der Quereinsteiger regelmäßig für seine Klienten organisiert. Zwischen 50 und 60 Personen im Alter von 25 bis 63 Jahren betreut der Streetworker der Diakonie Schwerte seit Oktober vergangenen Jahres regelmäßig. Viele von ihnen haben keine Wohnung, sind arbeitslos, oder haben Drogen- und Alkoholprobleme. „Oftmals fehlt diesen Menschen eine einfache Tagesstruktur. Deshalb sind regelmäßige Angebote und auch kleine Höhepunkte im Alltag, wie ein gemeinsames Fest oder ein solches Turnier, so enorm wichtig“, erklärt Rychlik.
Entsprechend groß ist auch der Andrang. 17 Teilnehmer haben sich versammelt, um bei Grillwürstchen und einer Runde Bauernskat einen Abend lang Gemeinschaft zu genießen. Hier fühlen sie sich akzeptiert, Rüdiger ist für sie inzwischen eine echte Vertrauensperson. „Dabei war das am Anfang ganz anders“, erinnert sich Rychlik. Als er vor einem guten halben Jahr seine Arbeit aufnahm, musste er zunächst einen Zugang zu den Menschen im Park finden, das Misstrauen war groß. Doch Rychlik war gut vorbereitet. Im Rahmen seiner Umschulung hospitierte er mehrere Tage bei der Wohnungslosenberatungsstelle in Unna und sammelte dort wertvolle praktische Erfahrungen.
„Ich bin offen und vorurteilsfrei auf die Menschen zugegangen“, erklärt der 55-Jährige seinen schnellen Erfolg. Und das macht er auch heute noch. Rüdiger Rychlik hört zu, handelt, hilft. Er begleitet seine Klienten auf dem Weg zurück in die Gesellschaft. Dabei zählt für ihn jeder Schritt als Erfolg: „Natürlich ist das oberste Ziel die komplette Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Doch auch die gemeinsame Erarbeitung einer Tagesstruktur, die Wiedereingliederung ins Hilfesystem oder die Vermittlung in andere Hilfsangebote der Diakonie oder anderer Stellen sind wichtige Schritte“, sagt er und verweist auf das Beispiel eines seiner Klienten, dem er nach einigen Monaten Betreuung schließlich einen Arbeitsplatz in den Niederlanden vermitteln konnte, und dem so der Absprung aus der Szene gelang. Es ist nur ein Beispiel, das zeigt, wie wichtig die Arbeit des 55-Jährigen ist, und es beweist, dass er auf dem richtigen Weg ist. Die Bilanz des Streetworkers jedenfalls stimmt zuversichtlich: „Hier bewege ich etwas – mit der Stelle als Streetworker habe ich meinen Traumberuf gefunden.“. Und auch Jutta Pentling, Leiterin der zentralen Dienste der Stadt Schwerte, ist von dem Nutzen seiner Arbeit überzeugt. Auf ihre Initiative hin war das Kooperationsprojekt zwischen der ARGE, der Stadt und der Diakonie Schwerte entstanden. „Mit Rüdiger Rychlik haben wir einen außergewöhnlich engagierten Streetworker gefunden, der in Schwerte hervorragende Arbeit leistet.“




