(openPR) Bei der Arbeit mit seinen meist so um die zwanzig Jahre alten Praktikanten ist es ihm aufgefallen: Achim Werner, Fotojournalist aus Hannover, hat in seinem Bildarchiv Zeitgeschichte dokumentiert. Zahllose Themen sind archiviert und zum großen Teil auch bereits online verfügbar, so dass Interessenten aus Redaktionen und Werbeagenturen schnell und unkompliziert beliefert werden können. „Manchmal muss ich den jungen Leuten sogar erzählen, worum es auf dem Foto geht", erklärt er.
Erste Aufnahmen stammen aus dem geteilten Berlin und machen die Absurdität der Mauer deutlich. Der Widerstand gegen den Ausbau der Atomenergie oder gegen Neonazis ist ebenso dokumentiert wie der Wahlkampf des jungen Christian Wulff oder ein am Rednerpult herumlümmelnder Joschka Fischer. Politik und Gesellschaft, Umwelt und Natur, Wirtschaft und Verkehr waren von jeher Hauptthemen des 55jährigen. Natürlich hat er die EXPO 2000 in Hannover umfassend fotografiert.
Ein Schwerpunkt seiner früheren Tätigkeit ist die Sozialreportage, nicht zuletzt gefördert durch seine Professoren Jörg Boström und Jürgen Heinemann an der Fachhochschule Bielefeld, an der Achim Werner Foto-Design mit dem Schwerpunkt Bildjournalismus studiert hat. Schon während des Studiums machte er eine mehrmonatige Reportage über eine Wohnstation für psychisch und seelisch behinderte Männer und hielt so das Leben dieser Menschen fest, bevor die Psychiatrie-Reform für Veränderungen sorgte. Schwer zu verdauen sind viele der Fotografien aus dieser Serie und die Gesichter spiegeln wieder, was einer der Betreuer über die Männer sagte: "Die brauchen keinen Schrank, die haben ja nichts!"
Den Menschen am untersten Ende der sozialen Leiter eine Stimme und ein Gesicht zu geben, ist seit jeher ein Antrieb. Ein Aufenthalt in einem Elendsviertel der schottischen Metropole Glasgow zeigte die Realität der Verlierer im Großbritannien der Magret Thatcher. Fünf Wochen lebte er bei einem Pfarrer in Easterhouse und war Zeuge von Drogensucht und Gewalt, von leergeräumten Wohnungen und anrührenden Hochzeiten, er fotografierte den Bau der gigantischen Maschinen, die später die Röhre unter den Ärmeltunnel bohrten und er lernte die Gemeinschaft der irischen Traveller kennen, die überall und nirgends zuhause sind.
Ende der 1980er Jahre erlebte Achim Werner während einer Studienreise ins Baltikum den Beginn des Zerfalls der Sowjetunion. Dort, wo kaum Journalisten akkreditiert waren, verdienten sich er und seine Kommilitonen erste Meriten als Fotoreporter. Der Osten Europas war auch in den folgenden Jahren eines seiner Hauptziele für Reportagen, die in zahlreichen Zeitungen und Magazinen erschienen. Er begleitete einen Hilfskonvoi von Cap Anamur über 7.200 Kilometer im LKW nach Sibirien und konnte dort in Krankenhäusern, psychiatrischen Einrichtungen und Bergwerken fotografieren. Fotos von der vom Kohleabbau geprägten Landschaft finden sich ebenso im Archiv wie immer wieder Portraits, etwa das einer alten Frau auf einer Kohlenhalde oder das eines Bergmanns nach der Schicht .
Bei einem Streifzug durch das Archiv des Fotografen fällt auf, dass viele beeindruckende Aufnahmen von Menschen dabei sind, in deren Gesichtern Lebensgeschichten ihre Spuren hinterlassen haben.
Achim Werner hat auch als schreibender Journalist gearbeitet, was schnell deutlich wird, wenn er die Geschichten zu den faszinierenden Fotos erzählt, von denen viele als Zeitzeugen gelten können. Wie etwa die Frau mit Tränen in den Augen, die er während einer Sowjet-Kundgebung in Vilnius, der Hauptstadt Litauens fotografierte, bevor sie zusammenbrach. Eines seiner Lieblingsfotos zeigt eine Frau in Moskau, die strickend vor einem Laternenmast steht, neben ihr ein wackliges Tischchen, auf der sie Gemüse feilbietet. Daneben ein jüngerer Mann in einem klapprigen Lkw, der schaut, als sei er aus der Welt gefallen. Achim Werner konnte durch Vermittlung eines Bekannten zwei Wochen privat in Moskau wohnen, was eigentlich streng verboten war. Auf diese Weise lernte er aber das Leben der Moskowiter umso besser kennen, das von der ständigen Suche nach Dingen des täglichen Bedarfs bestimmt war. Während dieser zwei Wochen machte er eine Reportage über junge russische Handwerker, die auf Vermittlung des Vereins „Handwerkerinnen und Handwerker am gemeinsamen europäischen Haus“ kurze Zeit später nach Deutschland reisten, um dort in Handwerksbetrieben zu arbeiten. Dort traf er sie wieder.
Im Archiv des Fotografen, das unter dem klangvollen Namen „Bilder wie Worte“ zu finden ist, sind natürlich auch ganz gewöhnliche Fotografien zu finden, wie z.B. von Montagearbeiten auf 125 Meter hohen Türmen für Windkraftanlagen, aus der Praxis von Kinderärzten, von Biobauern und Monteuren auf Bahnstrecken und immer wieder Reisefotografie, aus Portugal, Spanien, Italien.
"Die Zeiten für Fotojournalisten sind schwerer geworden", stellt Achim Werner fest. „Zumal heute jeder Idiot, der ein Handy halten kann, glaubt, er sei Fotograf“, wie er es drastisch ausdrückt. Auch das Überangebot weltweit agierender Bildagenturen, die mit ihrem Einheitsbrei alles überschwemmen, macht es engagierten Fotografen schwer, von ihrer Arbeit zu leben. Dennoch: Ein genauer Blick lohnt sich.
www.bilder-wie-worte.de/bildarchiv.html













