(openPR) Allagen. (is) Ein deutsches Unternehmen wird von einem amerikanischen Konzern übernommen. „Geschäftssprache Englisch“ heißt es für alle Mitarbeiter von jetzt auf gleich. Wohl dem, der in der Schule aufgepasst hat. Doch selbst beste Umgangssprachkenntnisse sind im internationalen Business-Verkehr oft „ungenügend“.
Notfälle wie diese rufen Ralf Marzinek auf den Plan. Der Wahl-Allagener ist Feuerwehrmann in Sachen „Sprach-Crash-Kurs“ und Inhaber der Sprachschule „Language Teaching & Consulting Möhnetal“ (LTC) mit Sitz in Allagen. Nach der Übernahme des Belecker Eupec-Werkes durch die Infineon Technologies AG im Oktober 2005 z.B. verordnete er der Belegschaft ein spezielles Trainingsprogramm. Inzwischen können seine „Schüler“ ihr Unternehmen souverän repräsentieren und zwar in der ihm eigenen Sprache. Marzinek: „Jede Branche entwickelt so ihren speziellen Jargon.“ Doch nicht nur die Fachbegriffe aus Forschung, Entwicklung, Verkauf und Produktion sind dem gebürtigen Düsseldorfer geläufig, auch die kulturellen Eigenarten der neuen Geschäftspartner wollen „übersetzt“ werden. „Da prallen Welten aufeinander“, weiß Marzinek aus seiner Erfahrung mit internationalen Fusionen.
Viele Deutsche schneiden danach schlecht bei ihren amerikanischen Vorgesetzten ab, weil sie mit nüchternen Fakten zu überzeugen versuchen, sich ebenso solide wie korrekt präsentieren. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten erwartet man jedoch Entertainment. Marzinek: „Die wollen small talk und keine trockene Sprache.“
Aus diesem Grund lässt er die Losung „Weniger Zahlen – mehr Herz“ in den Englischunterricht für Manager einfließen. Ist der Verhandlungspartner hingegen Asiate, gelten gänzlich andere Gesetze des Umgangs miteinander. Respekt wird groß geschrieben und die Bereitschaft zur Unterordnung unter die Firmenhierarchie. Das Herz von Ralf Marzinek schlägt zwar deutsch, aber „wenn ich Geschäfte machen will, muss ich mich auf die jeweilige Mentalität einstellen“. Seine Landsleute, diese Erfahrung macht er immer wieder, sind noch nicht auf die Globalisierung eingerichtet. Doch ob gefühlsbetont, sachlich-fachlich oder respektvoll verhandelt wird - Authentizität ist oberstes Gebot und häufig ausschlaggebend für den Geschäftserfolg. Wie man sich auch in schwierigen Situationen selbst treu bleibt, vermittelt Marzinek mit zeitweise fünf Mitarbeitern in seiner Sprachschule am Querweg.
Rollenspiele, Zeitmanagement und Probe-Präsentationen gehören ebenso zum Unterricht wie Gespräche zur Selbstfindung. Da diese in Englisch oder Französisch abgehalten werden, schlägt der Hobby-Psychologe Marzinek gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Auch das LTC-Angebot „walking and talking“ (gehen und reden) berücksichtigt die psychischen Befindlichkeiten gestresster Schüler.
Nach anstrengendem Arbeitstag lernen sie bei einem Spaziergang munter plaudernd so ganz nebenbei eine Fremdsprache. „Manchmal kochen wir
abends einen Tee, machen es uns gemütlich und lassen die Seele baumeln“, berichtet er aus dem Sprachschulalltag. Worte sprudeln dann von ganz allein aus dem Mund der Teilnehmer. „Sie fühlen sich angenommen und schütten ihr Herz aus.“ An solchen Tagen fühlt sich Marzinek mehr als Seelsorger, denn als Lehrer. Die Rolle gefällt ihm: „Es gibt viel zu wenig Menschen, die zuhören können.“ Nicht nur WAS gelernt wird ist ihm wichtig, sondern auch WIE gelernt wird. „Sprachunterricht ist keine Papageienzucht. Es geht nicht darum, irgendetwas nachzuplappern. Wenn ich nichts mitzuteilen habe, fehlen mir die Worte. Dies gilt für die Muttersprache, aber erst recht für eine Fremdsprache.“
Vor diesem Hintergrund hat LTC eine öffentliche Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, die weit über den Sprachunterricht hinaus geht. Ein erster Versuch war die Autorenlesung mit dem afrikanischen Schriftsteller Luc Degla. Er wird im kommenden Jahr in Warstein sein zweites Buch mit Erlebnissen eines Afrikaners in Deutschland vorstellen.
In Kürze sollen die Globalisierungskritiker der Organisation „Attac“ zu Wort kommen. Es folgen Themen wie „Migration“ und „Kampf der Kulturen“. Im Idealfall, so hofft der Veranstalter, wird die Reihe Hintergrundwissen vermitteln und eine lebendige Debatte auslösen. Einfach wird es nicht sein, Interesse an diesem Projekt zu wecken, da macht sich Ralf Marzinek keine Illusionen, aber eines hat der aus dem Rheinland stammende Sauerländer inzwischen gelernt: „Einfach stur sein – irgendwann kommt der Durchbruch!“
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