(openPR) Hayingen. Römer, Demonstrationen, Wasserwerfer, Krautbrigaden, drei Könige und ein echter Live-Heiratsantrag nach dem Applaus: In Hayingen gehts in der absurden Posse vom Älblerkönig mal wieder drunter und drüber.
Schon die bunte Kulisse von Chamier Frank zeigt ein multistilistisches Allerlei: Das schwäbischrömische Landhaus mit separatem Klo-Häuschen beheimatet den Älblerkönig und ein Krautacker dessen Lieblingsspeise. Ein Viadukt bildet die Verbindung zur großen weiten Welt, und der Sternenhimmel ermöglicht Visionen.
Doch damit nicht genug: über der Naturtheater-Band schwebt ein großes Ufo und droht jeden Moment abzustürzen. Aber nicht nur die Kulisse wirkt reichlich durchgeknallt, das Stück ist es auch.
"Dr Älblerkönig ond sei Schatz" geht zurück auf "Die schwäbischen heiligen drei Könige" vom Munderkinger Dichter Carl Borromäus Weitzmann (1767 bis 1828), wurde dann von Martin Schleker auf die Volkszählung hin zugedichtet, vom jetzigen Regisseur Peter Höfermayer noch einmal umgeschrieben und mit vielen aktuellen Anspielungen auf Überwachungsgesellschaft, Vorratsdatenspeicherung oder Margot Käßmann versehen.
Dazwischen versuchen diverse Interessensgrüppchen ihr eigenes Krautsüppchen zu kochen. Und wieder einmal überschreiten die Hayinger sämtliche Grenzen von Zeit, Raum und Logik, in einer Inszenierung mit viel Action, neckischen Gags und noch mehr Chaos.
Der Älblerkönig Herr Rodes (Hermann Herter) hat keine Lust aufs Regieren, sondern sieht sein einzig wahres Glück in einem Kächele Kraut auf seinem warmen Öfele, das er deshalb auch ausgiebig besingt. Pilatus wiederum - Peter Edelburg als schwäbisch-römischer Bürokrat - zieht mit zwei tumben Vasallen - "Woher soll i wissen, was i denk, bevor i hör, was i sag?" - und jeder Menge Formulare durch das Land: Volkszählung ist angesagt, aber das widerspenstige Volk will sich nicht zählen lassen, sondern lieber komplett orientierungslos durch das gelobte Land zwischen Hebron, Bethlehem und Buttenhausen irren.
Dazwischen verteidigt eine Krautbrigade die Ernte gegen Auswärtige und singt ihren "Krautländer", während ein Jodler die drei "arabischen Kaiser" ankündigt. Aber Herr Rodes empfängt nur gegen Bares: "Für 20 000 könnt ihr einen Termin haben", spielt er auf jüngste Vorkommnisse in NRW an.
Dann rücken die "Kings from the Desert" an: Balthasar (Eberhard Herb), Melchior (Matthias Herb) und Kaspar (Marc-Philipp Knorr) sowie zwei tanzende Kamele. Die drei arabischen Investoren suchen angeblich den kleinen Messias und nisten sich bei den Albkönigs ein. Dort herrscht aber
die resolute Frau Rodes (Katrin Dehner), die prompt die Fastentage ausruft und sowieso nicht an die Echtheit der Könige glaubt, zumal diese als Sternsinger absolut nichts taugen.
Ein zwielichtiger Geschäftemacher (Dieter Bandle) versucht, seine Steuersünder-CD zu verkaufen: "Spare in der Schweiz, dann hast du in der Not." Und so werden wieder jede Menge lustige Sprüche geklopft, es wird gereimt, gejubelt und gesungen (Musik: Uli Bühl), philosophiert und
lateinisiert - "in dubio prosecco" - sowie "Schnell! Kultur!" geboten, mit tausendundeiner schönen Bauchtänzerin, die alle um zwei Schwarzwürste herumtanzen (Kostüme: Gisela Schleker).
Derweil regt sich organisierter Widerstand gegen die Volkszählung, die Bürgerinitiative Jericho demonstriert gegen "EDV" und "Elena" und fordert: "Verbietet Posaunenchöre!" Pilatus muss härtere Geschütze auffahren, versagt aber als römischer Handwasserwerfer auf der obligatorischen Pferdekutsche. Da tauchen auch schon die drei Königinnen auf: Sie kommen vom Shoppen und vermissen ihre Männer. Sind die drei Könige etwa auf der Flucht?
Um dem Geheimnis endlich auf die Spur zu kommen, engagiert Herr Rodes seine Base Gaudenz (Ursula Nille), eine völlig überdrehte Wahrsagerin, die einen Knaller nach dem anderen ins Kraut schießen lässt.
Und so endet alles in einem großen Chaos mit Prügelei und Staubsauger-Streit, die Logik verlässt vollends den Schauplatz und Herr Rodes ruft das "Bruttonationalglück" aus.
Der Kaspar-Darsteller und Geschäftsführer Marc-Philipp Knorr wiederum macht bei der Premiere damit ernst und überbringt seiner Freundin auf der Tribüne einen Heiratsantrag: Und so gibts doch noch ein Happy End. Und zwar ganz in echt.
Info
Karten können unter www.Naturtheater-Hayingen.de geordert werden oder unter der Ticket-Hotline Telefon: 01 80/5 05 02 86. Die Bestellzeiten sind im Mai und Juni Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr und ab Juli zusätzlich samstags und täglich von 16 bis 18 Uhr. Allerdings betonen die Naturtheater-Verantwortlichen, dass "wir alle ehrenamtliche Mitarbeiter sind und wir um Verständnis bitten, wenn in Ausnahmefällen das Kartentelefon mal besetzt oder nicht zu erreichen sein sollte".













