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Eurofins im Gespräch

25.06.201017:19 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Eurofins im Gespräch
Dr. Werner Nader, Geschäftsführer der Eurofins Global Control GmbH
Dr. Werner Nader, Geschäftsführer der Eurofins Global Control GmbH

(openPR) Interview mit Dr. Werner Nader, Geschäftsführer der Eurofins Global Control GmbH, über Lebensmittelüberwachung, die weltweite Warenstromkontrolle und über das neu etablierte Geschäftsfeld „Eurofins Global Control GmbH“. Dieses Unternehmen wurde am 1. April 2009 als Tochter des Eurofins Konzerns gegründet und bietet die Überprüfung von Waren in den Ursprungsländern vor Verschiffung in die EU und die USA an. Die Eurofins Scientific ist eine Gruppe von international tätigen Laboren mit über 8.000 Mitarbeitern an 150 Standorten in 30 Ländern. Das Dienstleistungsspektrum umfasst die nahezu komplette Analytik von Lebens- und Futtermitteln, Umweltproben, Kosmetika und Pharmazeutika. Dr. Nader ist Biologe mit 23 Jahren Erfahrung auf den Gebieten der Entwicklung von Pharmaka und Analytik von Lebensmitteln.



Frage: Immer mehr Lebens- und Futtermittel werden aus Ländern importiert, in denen zum Teil weniger strenge Lebensmittelgesetze als in der EU gelten. Ist das nicht problematisch?

Dr. Werner Nader: In der Tat sind in den letzten Jahren die Importe insbesondere aus Asien stark angestiegen. China hat seine Lebensmittelimporte nach Deutschland seit 2003 bis heute auf über eine Milliarde Euro verdoppelt und sich hinter Brasilien auf Platz 2 der Länder außerhalb der EU platziert, die Deutschland mit Lebensmitteln versorgen. Alle Lebensmittelimporte werden sehr streng kontrolliert. Falls in einem EU-Land Abweichungen von den gesetzlichen Vorgaben festgestellt werden, veröffentlicht diese direkt das Schnellwarnsystem der EU, das RASFF (Rapid Alert System for Food and Feed).

Frage: Aber macht nicht gerade dieses Schnellwarnsystem die Bedrohung deutlich? Im RASFF von 2007 führen China, Türkei und die USA die Liste der Länder mit den meisten Beanstandungen mit insgesamt 836 Meldungen an. Reicht bei der großen Anzahl der Lebensmittelimporte die staatliche Kontrolle noch aus?

Dr. Werner Nader: Die staatliche Lebensmittelüberwachung soll den Importeuren ja auch nicht ihre Sorgfaltspflicht abnehmen. Jeder Inverkehrbringer ist selber dafür verantwortlich, dass seine Produkte den gesetzlichen Vorgaben genügen. Wenn die Produkte einmal mit Problemen im Schnellwarnsystem veröffentlicht sind, kann eventuell auch ein Imageschaden für das Unternehmen entstehen. Bei der Anzahl der Meldungen im RASFF ist natürlich auch die Menge und Art der importierten Güter zu berücksichtigen.

Frage: Ist das nicht eine Überforderung angesichts der Vielzahl der Verordnungen und möglicher unbekannter Risiken in den Ursprungsländern?

Dr. Werner Nader: Genau hier setzen die Aufgaben von handelschemischen Unternehmen wie dem unseren ein. Eurofins hat in fast allen EU-Staaten Labore und die dort arbeitenden Lebensmittelchemiker kennen sowohl die EU-Regelungen wie auch die länderspezifische Vorgaben, um die Importeure zu beraten und deren Waren gezielt auf Abweichungen von den gesetzlichen Normen hin zu prüfen.

Frage: Und was ist mit den Risiken in den Ursprungsländern? Wissen Sie Bescheid über bestimmte Pestizide, die zum Beispiel in den USA oder Indien eingesetzt werden, in der EU aber verboten sind? Haben Sie „Hellseher“, die vorher ahnen können, dass jemand in China der Säuglingsnahrung Melamin zusetzt oder in Indien Dioxine in Verdickungsmittel geraten?

Dr. Werner Nader: Wir können in der Tat nicht jedes Risiko im Vorhinein vorhersehen. Wenn jedes Produkt auf alle Eventualitäten hin überprüft würde, dann müssten sich die Lebensmittel nicht unwesentlich verteuern. Außerdem tauchen immer wieder neue Substanzen auf, mit denen man nicht rechnen würde oder die durch hochmoderne Analyseverfahren erst nachweisbar werden. Aber Eurofins ist ein global aufgestelltes Unternehmen, das Labore mit modernster Ausstattung in vielen wichtigen Ursprungsländern wie Brasilien, China und den USA unterhält. Die dortigen Mitarbeiter kennen die Situation vor Ort und können vor möglichen Gefahren warnen, bevor sie in Europa eintreffen. So war uns das Melaminproblem schon 2007 bekannt, bevor es 2008 für Lebensmittel relevant wurde. Unsere US-amerikanischen Kollegen berichteten über Melamin in Heimtiernahrung auf dem US-Markt, das durch Zutaten aus China eingetragen wurde. Allerdings hätten wir nicht damit gerechnet, dass dieser Rohstoff für die Herstellung von Kunstharz ein Jahr später auch in Lebensmitteln auftauchen würde.

Frage: China, USA und Brasilien hört sich erst einmal gut an. Aber wie sieht es aus mit anderen wichtigen Ländern wie Indien mit den vielen Tees, Reis, Früchten und Gewürzen oder die Türkei mit Trockenfrüchten und Nüssen?

Dr. Werner Nader: Eurofins baut zurzeit sein globales Netzwerk von Laboratorien weiter aus und die Länder, die Sie genannt haben, sind auf unserer Liste als mögliche weitere Standorte. In der Türkei und in Indien führen wir aber bereits Inspektionen und Beprobungen vor der Verschiffung der Güter durch und lassen die Analysen in unseren europäischen Laboren durchführen. Selbst in Pakistan sind wir vertreten, das ein wichtiges Exportland für Reis und Melasse ist.

Frage: Wäre es nicht besser, wenn die Produkte vor Ort in den Ursprungsländern geprüft würden, bevor sie in die EU verschifft werden?

Dr. Werner Nader: Genau da setzt unser neuestes Angebot an unsere Kunden an. Wenn unsere Kunden ihre Produkte einmal in der EU haben und die Qualitätsabweichungen erst hier entdeckt werden, dann ist der Schaden immens. Es ist nicht nur schwierig, das Geld vom Lieferanten zurückzubekommen, sondern der Transport muss bezahlt und die Produkte müssen auch noch sachgerecht entsorgt werden. Deshalb bietet Global Control sogenannte Warenstromkontrollen an, bei denen die Produkte möglichst am Ursprung beprobt und analysiert werden.

Frage: Das hört sich gut an. Aber wie stellen Sie sicher, dass die Ware, die da untersucht wurde, auch dem entspricht, was in der EU ankommt? Man hört immer wieder, dass die Vorabmuster von hervorragender Qualität sind, aber die Ware im Container davon abweicht.

Dr. Werner Nader: Das ist in der Tat die leidige Erfahrung, die viele Importeure immer wieder machen. Wir haben deshalb vor Ort in China, Indien, Thailand, der Türkei und Pakistan verlässliche Probennehmer, welche die Produkte vor Verladung in die Container nach bestimmten Vorgaben beproben. Die Ware wird dann in versiegelten Quarantänebereichen oder Containern gelagert, bis die Untersuchungsergebnisse die Qualität belegen. Erst dann wird verschifft. Das Beprobungsschema richtet sich dabei nach den Risiken, den Produkten und deren Herstellung.

Frage: Können Sie Beispiele nennen?

Dr. Werner Nader: Ein gutes Beispiel ist Basmati Reis aus Indien und Pakistan. Bei Basmati bestehen für die Importeure drei Hauptrisiken: die Verfälschung von echtem Basmati mit billigeren Reissorten, der Eintrag von Pilzgiften wie Aflatoxinen durch unsachgemäße Prozessierung und Rückstände von Pflanzen- und Lagerschutzmitteln, die in Europa in den gefundenen Konzentrationen nicht zulässig sind.
Echter Basmati ist durch seine typischen Eigenschaften gekennzeichnet, wie zum Beispiel dem charakteristischen Duft. Häufig werden nicht duftende Reissorten zugemischt, die im Feld höhere Erträge bringen und damit billiger sind. Wird der Reis im Freien an der Sonne getrocknet, kann es bei hoher Luftfeuchtigkeit zum Befall mit Schimmelpilzen und damit zur Bildung von Pilzgiften kommen. Schnell ist dann der von der EU vorgegebene Grenzwert von 4 µg/kg zum Beispiel für Aflatoxine überschritten. Die EU hat außerdem kürzlich eine neue Rückstandshöchstmengenverordnung verabschiedet. Häufig werden solche Änderungen in den Ursprungsländern nicht sofort registriert und das kann zu Überschreitungen der Grenzwerte von einigen Pflanzen- und Lagerschutzmitteln führen.
Selbst bei Beprobung durch Inspektionsfirmen in Indien und Pakistan während der Beladung der Container kommt es immer wieder vor, dass das Vorabmuster von hoher Qualität ist, die ankommende Ware aber mit billigeren Reissorten vermischt wurde. Wir führen deshalb vor Ort in Indien und Pakistan in den dortigen Reismühlen die Beprobung nach strengen Vorgaben der EU durch. Dazu gehört das Versiegeln der Ware in einem abgeschlossenen Quarantänebereich und die Prüfung auf Aflatoxine und Echtheit über den genetischen Fingerabdruck, der so zum Beispiel auch für Vaterschaftstests und bei der polizeilichen Spurensicherung eingesetzt wird. Erst wenn die Qualität geprüft ist, wird die Ware auf den Weg geschickt.

Frage: Muss die Ware dann in Europa überhaupt noch analysiert werden?

Dr. Werner Nader: Wenn die Warenstromkette geschlossen ist und ein Eintrag von Pestiziden wie zum Beispiel Lagerschutzmittel oder eine Veränderung der Ware zum Beispiel durch Fäulnis ausgeschlossen werden kann, kann sich die Prüfung in Europa auf Stichproben beschränken.

Frage: Kann es nicht doch sein, dass Waren absichtlich oder unabsichtlich vertauscht werden und damit ein anderes Produkt auf den Markt kommt, als Sie im Ursprung getestet haben?

Dr. Werner Nader: Das kann über die Identität des Produkts in der Endverpackung geprüft werden. Wir haben uns hier eine Methode von der Passkontrolle abgeschaut. Der Mikrochip in den neuen Pässen enthält die biometrischen Daten des Besitzers und damit kann dessen Identität überprüft werden. Auch Lebensmittel unterscheiden sich über biometrische Daten. Die Authentizitätsprüfung von Basmati Reis über den genetischen Fingerabdruck haben wir bereits erwähnt. Mit dem gleichen Verfahren können tierische Produkte wie Rindfleisch, Geflügelfleisch, Fisch unter anderem auf ihren Ursprung zurückverfolgt werden.

Frage: Wie sieht eine solche Prüfung in der Praxis aus?

Dr. Werner Nader: Ein gutes Beispiel sind Olivenöle. Nach der europäischen Olivenölverordnung muss ein natives Olivenöl extra aus erster Kaltpressung ohne übermäßige Temperatureinwirkung schonend hergestellt worden sein. Für Rückstände wie Weichmacher und Pflanzenschutzmittel sind in weiteren Verordnungen Grenzwerte festgelegt. Weichmacher wie die Phthalate können unter anderem aus Kunststoffverrohrungen oder Behältnissen in der Produktion herausgelöst werden. Wir prüfen jede Produktionscharge am Ursprung auf ihre Qualität, mögliche Kontaminanten und Rückstände. Zusätzlich bestimmen wir noch die Identität des Öls mit dem chemischen Fingerabdruck. Jede Produktionscharge unterscheidet sich nämlich individuell in ihrer chemischen Zusammensetzung. In den Märkten ziehen wir dann Stichproben und können über den chemischen Fingerabdruck prüfen, ob die Chargenangaben auf der Flasche mit der ursprünglich analysierten und für gut befundenen Produktionscharge übereinstimmt. Wenn nicht, ist die Warenstromkette nicht geschlossen und es wurde Öl einer anderen Charge eingebracht. Selbst eine geographische Herkunftsbestimmung ist analytisch über das Isotopenverfahren der Eurofins möglich.

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