(openPR) Vor dem Hintergrund von verschärften ordnungsrechtlichen Vorgaben steigt bei den Stadtwerken die Priorität für die Entwicklung von Energieeffizienz-Dienstleistungen. Die Voraussetzungen hierfür scheinen attraktiv. Schließlich genießen Stadtwerke gegenüber Wettbewerbern einen zentralen Wettbewerbsvorteil: Die Nähe zu Kunden und kommunalen Akteuren. Gleichwohl bestehen auf Seiten der Energieversorger auch Defizite, um den wachsenden Markt für Energieeffizienzprodukte zielgerichtet zu bearbeiten. Dies ist das Ergebnis einer Befragung der psc Management Consulting zur aktuellen Positionierung der Energieversorgungsunternehmen im Bereich Energieeffizienz. Hierzu wurden Experten aus 55 Stadtwerken befragt.
Die Stadtwerke verfolgen den Ergebnissen der Befragung zufolge ambitionierte Ziele. Auch wenn die strategischen Planungen zur Steuerung und Positionierung der Unternehmen beim Thema Energieeffizienz kaum begonnen haben, beanspruchen die befragten Experten fast einstimmig eine Führungsposition in regionalen Energieeffizienz-Netzwerken. Für die Energieversorger wäre das mit einem deutlich höheren Koordinierungsaufwand und einem breiteren Leistungsangebot verbunden, als dies heute der Fall ist.
Die Stadtwerke identifizieren die Treiber für Energieeffizienz-Angebote vor allem im Bereich der Vorgaben für Hausneubauten und Sanierungen. Sie verkennen jedoch in der Bewertung rechtlicher Vorgaben die Tragweite der kommenden EU-Gebäudeeffizienzrichtlinie (EU-Richtlinie 2002/91/EG). Diese wird mit der Forderung nach „quasi Null-Energie-Häusern“ die
Marktentwicklung deutlich forcieren. Hierauf haben sich die Stadtwerke in den nächsten Jahren vorzubereiten. „Die Diskrepanz zwischen der zukünftigen Nachfrage und dem geplanten Angebot ist unverkennbar“, so die beiden Initiatoren der Studie, Dr. Sven Barnekow und Dr. Oliver Breidbach.
Die Berater machen darauf aufmerksam, dass von den befragten Experten insbesondere die Kundensegmente Wohnungsbaugesellschaften und Kommunale Kunden als besonders attraktiv charakterisiert werden. Die zukünftigen Anforderungen dieser beiden Segmente spiegeln sich jedoch in den geplanten Energieeffizienz-Angeboten nur unzureichend wider.
Im Fokus der Leistungserbringung stehen heute allgemein Beratungsangebote und Wärmecontracting. Vernachlässigt werden, insbesondere im Geschäftskundensegment, die mit hohen Ertragspotenzialen verbundenen Contracting-Formen, wie zum Beispiel Licht oder Druckluft. Auch die Angebote in den Bereichen Finanzierung und Beratung von Bauausführungen sind bisher nur schwach ausgeprägt. Hier fehlen offensichtlich verlässliche Partnernetzwerke, um die Kundenbedürfnisse bei Neubauten und Sanierungen ausreichend bedienen zu können.
Als technische Schlüsselinnovation gilt für die Mehrzahl der Unternehmen das Angebot von Mini-BHKW als Contractingmodell für Haushaltskunden. „Die Nachfrage zeigt, dass die Stadtwerke mit einem solchen Produkt auf dem richtigen Weg sind“, erklärt Dr. Barnekow. Allerdings dürfe man nicht vergessen, dass dezentrale Erzeugungsanlagen veränderte Anforderungen auch an Netztechnik und die eigenen Mitarbeiter stellen. „Energieeffizienz wird mehr und mehr zu einer Querschnittsaufgabe innerhalb der Unternehmen. Nicht nur der Vertrieb, auch das Netz hat sich auf schwankende Ein- und Ausspeisungen sowie veränderte Kundenanforderungen in Arealnetzen einzustellen“, so Dr. Barnekow weiter.
Als entschleunigende Faktoren für den Erfolg von Energieeffizienz-Dienstleistungen haben die befragten Experten insbesondere die aus Sicht der Kunden mangelnde Transparenz über Angebote und deren Nutzen identifiziert. Dies geht einher mit dem Fokus von potenziellen Kunden auf Investitions- statt auf Lebenszykluskosten. Eine ausreichende Sensibilisierung der Kunden hat nach Meinung der Befragten noch nicht stattgefunden. Die Unternehmen sind deshalb gefordert, ihre
Marktkommunikation noch stärker adressatengerecht auszurichten.
„Die Stadtwerke haben mehrheitlich erkannt, dass die Bedeutung von Energieeffizienz innerhalb der Bevölkerung deutlich ansteigen und sich zu einem wichtigen Geschäftsfeld für Energieversorger entwickeln wird“, fasst Dr. Breidbach die Ergebnisse der Befragung zusammen. „Bei der Frage, welche Leistungen den Kunden angeboten werden können und auf welche internen und externen Schnittstellen zu achten sind, herrscht jedoch noch Unsicherheit. Hier benötigen die Stadtwerke eine klare Strategie, um im Wettbewerb bestehen zu können“.










