(openPR) Seit Wochen hält die Debatte über den Kindesmissbrauch an Schulen und in kirchlichen Institutionen die Öffentlichkeit in einem seltsamen Schwebezustand zwischen moralischer Anklagebereitschaft und dem parallel einsetzenden Impuls zur Nabelschau. Die nur allzu menschliche Abscheu gegenüber konkreten Missbrauchsfällen vermischt sich mit dem immer wieder bemühten „Dunkelziffer-Argument“, demzufolge publik gemachte Fälle nur als die Spitze des Eisbergs und somit als Symbol für die Verdorbenheit weiter Teile unserer Gesellschaft zu gelten haben.
In ihrem in der aktuellen Ausgabe des Debattenmagazins NovoArgumente (Nr. 106, 5–6 2010) erschienenen und heute auf der Novo-Website http://www.novo-argumente.com zur Online-Debatte freigeschalteten Artikel „Missbrauch als Epidemie“ kritisiert die Erziehungsexpertin und Novo-Redakteurin Sabine Beppler-Spahl die Art und Weise, in der die Missbrauchsfälle zum Anlass genommen werden, um undifferenziert Misstrauen gegenüber Erwachsenen und zwischen den Generationen zu sähen.
„Die aktuelle Kampagne“, so argumentiert sie, „zerstört Vertrauen, weil sie mit der Vorstellung einhergeht, wir hätten es überall mit potenziellen Kinderschändern zu tun. Kaum ein Sportlehrer darf es heute noch wagen, einem Kind Hilfestellung beim Turnen zu geben.“ Beppler-Spahl bezieht sich in ihrem Artikel explizit auf die kürzlich verstorbene Publizistin Katharina Rutschky, die schon 1992 vor undifferenziertem Gerede über sexuellen Missbrauch warnte, da dies zwar die offiziellen Opferzahlen in die Höhe treibe, aber nach nicht dazu beitrage, Kinder vor Gewalt zu schützen. Die Novo-Redakteurin fragt: „Ist es vorteilhaft, wenn uns eingeredet wird, dass jede negative Kindheitserfahrung das weitere Leben zwangsläufig prägen und beeinträchtigen wird, wie dies viele Kommentatoren gedankenlos tun?“
Lesen und diskutieren Sie alle Artikel der neuen Ausgabe von NovoArgumente. Die komplette Inhaltsangabe finden Sie hier: http://www.novo-argumente.com/artikel/106/novo106_inhalt.pdf.










