(openPR) "Interieur c/o Moabit" Gruppenausstellung mit Peter Dobroschke, Hermann Pitz, Karin Sander, Erik Steinbrecher, Stephan Weitzel, Sinta Werner, Andrea Winkler – kuratiert von Birgit Szepanski
Interieur c/o Moabit – ist der Titel der Ausstellung, Ortsverweis und Spiegelsatz scheinbarer Tatsachen. Ein Interieur, zwischengelagert in Moabit kann vieles sein – Lagerhalle, Möbeldepot oder Scheinadresse. Im Kontext Kunst wird die Information anders gelesen als auf einem Klingelschild. Denn das Interieur kann in diesem Fall das temporär ausgestellte Kunstwerk sein, oder ausgesuchte Merkmale des Ortes bilden ein metaphorisches bis gegenständliches Interieur, welches künstlerisch aufgegriffen verwertet wird. Der Satz Interieur c/o Moabit verweist auf diese Mehrdeutigkeit, die dann entsteht, wenn eine Ausstellung ortspezifische Bezüge zum Anlass und Inhalt hat. Dass es keine Einlösung geben kann, man die Platzhalter des Satzes (Interieur I c/o I Moabit) nicht endgültig festlegen kann – ist der Fokus der Ausstellung. Gerade die Variation, das Spiel mit Verdrehungen und Wendungen, die Doppeldeutigkeiten und Spiegelungen machen das Nachdenken über die Verhältnisse von zeitgenössischer Kunst, dem Ausstellungsort und Kontextualisierungen aus. Die KünstlerInnen – Peter
Dobroschke, Hermann Pitz, Karin Sander, Erik Steinbrecher, Stephan Weitzel, Sinta Werner, Andrea Winkler – arbeiten in den formalen und inhaltlichen Parametern von Brüchen, Auflösungen, Scheinbarkeiten, Spiegelungen, Perspektivenwechsel oder Ironisierungen. Die Art und Weise, wie diese künstlerischen Ansätze auf das Thema Interieur, care of und den Ort der Galerie Zweigstelle Berlin eingehen, veranschaulichen zum einem die Widersprüchlichkeiten, die zwischen Alltagsrealitäten und Kunstwelten existieren, und zum anderen öffnen sie die Sicht auf die Spannbreite ihrer Doppeldeutigkeiten. Das Motiv der Dopplung und Spiegelung wird weitergeführt, und man fragt sich, welches Gesamt-Interieur sich aus den Einzelpositionen im Ausstellungsraum der Zweigstelle Berlin summiert. Die Verschiebung und Verdopplung von Blicken, Hinter- oder Vordergründen sind bei allen KünstlerInnen wesentlich und formulieren sich in den unterschiedlichen künstlerischen Verfahrensweisen und in den Bezügen zum
Interieur c/o Moabit immer wieder neu.
Karin Sander schneidet aus der Raufasertapete der Galerie Zweigstelle Berlin ein Stück heraus, hängt dieses gerahmt auf die Wand und lässt so den Blick zwischen Leerstelle und dem Pendant pendeln – sie bestimmt den Raum zum Interieur. In Hermann Pitz Fotografien unterliegt der Blick des Betrachters Irritationen durch die Dopplung von fotografischen Abbildungen in den Fotografien und Glas als Spiegelungsmaterial: Der Ausblick aus oder auf ein Fenster ist vielmehr ein Einblick in eine private oder äußere Welt. Das Motiv des Transfers und das der örtlichen Verdopplung greift Peter Dobroschke eher spielerisch auf, in dem er Fotografien aus seinem Atelier, dem „Interieur des Kunstmachens“ als bewegliche Module auf eine Rahmenkonstruktion setzt. Die Unvollständigkeit, die Re-Konstruktion bewegt sich auf das Thema Kulisse zu und erhält bei Peter Dobroschke den Unterton eines ironischen Scheiterns. Bei Andrea Winkler hingegen ist die Scheinwelt von Kulissen Ausgangspunkt für eine Inszenierung einer brüchigen Ästhetik. Ein Stoffvorhang versieht sie mit Einschnitten, Farbbesprühungen und Papierstücken, so dass diesem Wohnaccessoire seine beschauliche Funktion genommen und dem Verfallsprozess des privaten Interieurs Raum gegeben wird.
Auch Erik Steinbrecher benutzt Alltagsobjekte. Er verifiziert ihren Nutzen und wandelt sie in ironisch oder melancholisch deutbare Objekte um. Zwei Tischventilatoren lassen einen Schnürsenkel rotieren, verknotete und aufgeschlitzte Handtücher hängen im und aus dem Rahmen, eine auf Links gedrehte Hose und ein ausgeschnittener T-Shirt-Kragen verweisen im Ensemble auf das Fehlende. Stephan Weitzel entwirft im Medium Zeichnung urbane „Film-Stills“. Die historische Ambivalenz des Ortes wird formuliert, in dem Textfragmente das Bildfeld der Zeichnungen unterlaufen und diese überzeichnen. Perspektiven auf den urbanen Raum vermischen sich mit der Architektur der Schrift. Dem „Mise-en-cadre“ – Blickfeld einer Filmkamera entnimmt Sinta Werner technische Verfahrensweisen, um nicht-mögliche Perspektiven eines Wohnraumes (Zimmer mit Raufasertapete) zu konstruieren. Eine formale und inhaltliche Doppelbödigkeit wird im Medium der analogen Fotografie inszeniert: Ein entworfenes Miniaturmodel des Wohnraumes wird im Raum fotografiert, durch Zoomeinstellungen, Schärfen, Unschärfen entsteht eine mehrfache Hyperrealität. (Birgit Szepanski)
Eröffnung am Freitag, 16. April 2010 um 19 Uhr | Dauer: 17. April – 29. Mai 2010
Sonder-Öffnungszeiten April: 17.4. – 29.4. Dienstag bis Freitag 14 –19 Uhr | Samstag 10 – 14 Uhr
Gallery Weekend: 30.4. – 2.5. | Fr. 30.4., 14 – 21 Uhr | Sa. 1.5., 10 – 19 Uhr | So. 2.5., 11 – 18 Uhr
Öffnungszeiten Mai: 6.5. – 29.5. Do + Fr, jeweils 14 – 19 Uhr, Sa. 10 – 14 Uhr













