(openPR) Pfarrkirchen (22.01.05) - Mit einem Jubiläums-Stammtisch hat der Verein zur Pflege der altbayerischen Wirtshauskultur e. V. am Samstag im niederbayerischen Pfarrkirchen (Kreis Rottal-Inn) sein fünfjähriges Bestehen gefeiert. "Der Stammtisch als Teil bayerischer Leitkultur ist dem Internet überlegen", stellte Vereinspräsident Robert Eiglsperger (45) anlässlich der Feier im erstmals 1664 urkundlich erwähnten Gasthaus Schachtl fest.
Seit einem halben Jahrzehnt bricht der Verein eine Lanze für die bayerische Stammtisch-Kultur. Im Januar 2000 haben sich 30 begeisterte Stammtischschwestern und -brüder organisiert, um die urbayerische Kommunikationsplattform auch in Zeiten des Internets hoch zu halten. Heute bekennen sich fast 60 Mitglieder aus Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg zur Stammtisch-Kultur. Im Jubiläumsjahr hat der Verein 24 Veranstaltungen und Exkursionen geplant - von Brauerei-Führungen über ein Bier-Seminar bis hin zum Jahresausflug in den Bayerischen /Oberpfälzer Wald mit Besuchen origineller Wirtshäuser.
1,9 Millionen Seitenaufrufe zum Stichwort "Stammtisch" liefert die Internet-Suchmaschine Google. Dies zeigt laut Eiglsperger die Bedeutung dieser, in seiner Urform am bayerischen Wirtshaustisch geprägten Kommunikationsform. Die enorme Menge an Seitenaufrufen mache die Unübersichtlichkeit und kaum mehr im Dialog zu kommunizierbare Datenflut deutlich. Mit Kontakten und Treffen die ”persönliche Wirklichkeit” wieder zu stärken und damit gleichzeitig einen Beitrag zur Pflege althergebrachter bayerischer Gebräuche zu leisten, habe der Verein seinen Zielen entsprechend beigetragen, so der Braumeister. "Der gute, alte Wirtshaus-Stammtisch ist als Gegenreaktion zum Internet das geeignetste Mittel." Der Stammtisch sei Treffpunkt für Leute jeden Alters, Geschlechts, Bildung und sozialer Stellung, sagte Eiglsperger.
Schleichende Austrocknung bayerischer Wirtshauskultur
Ziel der Vereinsgründung im Jahr 2000 war es, dem Prozess schleichender Austrocknung der traditionellen bayerischen Wirtshauskultur entgegen zu treten. Immer mehr Wirtshäuser auf dem Lande haben ihre Tore geschlossen. ”In der multikulinarischen Gesellschaft sei der bayerische Wirt bereits eine Seltenheit geworden", hatte der vor drei Jahren verstorbene Historiker und König-Ludwig-Forscher Dr. Georg Baumgartner als einer der Väter des Vereins gewarnt.
Vom Wirtshaussterben war ein Vorgänger-Verein mit früher 79 Mitgliedern selbst betroffen. Der Stammtisch musste sich Ende 1999, nach dem Aus der laut Guiness-Buch der Rekorde kleinsten Weißbierbrauerei der Welt, dem ”Steiner-Bräu” in Pfarrkirchen, eine neue Heimat suchen. Die Ein-Mann-Brauerei hatte nach über 70 Jahren ihren Betrieb eingestellt. Neuer Treffpunkt des Vereins wurde das Gasthaus "Schachtl" in der Rottaler Kreisstadt. Dort konnten die Wirtshaus-Freunde die Stammtischkultur im besten Sinne pflegen. Hier seien Fehler der Vergangenheit, eine bayerische Wirtschaft mit Resopal-Tischen und gekachelten Schenken zu verschandeln, wieder korrigiert worden, so Vereinspräsident Robert Eiglsperger.
Das Ansinnen einer Handvoll Traditionalisten, sich im stärker wachsenden virtuellen Dialog der realen Kommunikation zu widmen, war im Januar 2000 mit einem enormen Medienecho gestartet. Fernsehen, Radio und überregionale Medien berichteten über die Anhänger des Stammtisches. Sogar die österreichische "Kronen-Zeitung" oder die Dolomiten-Zeitung (Bozen/Südtirol) brachten eine Meldung über den Vereinsstart.
Weitere Informationen im Internet: www.koenig-online.de/wikultur/wikultur.htm
Ansprechpartner:
Vereinspräsident Robert Eiglsperger, Telefon +49 (0) 85 61 / 86 49









