(openPR) Von Annika Natus - Berlin/Weilrod. Es ist ein Wort, das bei der Afghanistan-Konferenz der SPD am vergangenen Freitag in Berlin sehr häufig fiel: Polizeikräfteschulungen. Der amerikanische Botschafter bei der Nato, Ivo Daalder, fasste die amerikanische Strategie unter drei Ts zusammen: Target, Training, Transmission, was bedeutet, dass die Kampfhandlungen möglichst rasch beendet werden und durch Ausbildung der Soldaten und Polizisten mit zeitnaher Übergabe der Verantwortung an afghanische Behörden zu ergänzen sind.
Im Vorfeld der internationalen Afghanistan-Konferenz in London machte SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel Druck auf die Regierung. Die Lage in dem Land am Hindukusch ist instabil, der Einsatz der Isaf-Truppen immer umstrittener, in der Opposition, auch an der SPD-Basis, macht sich Unmut breit. “Krieg”, “kriegsähnliche Zustände” oder “bewaffneter Konflikt” - jenseits von Wortklaubereien stellen sich immer mehr Bürger die Frage, ob Deutschland über seine moralischen Grenzen im Grundgesetz hinausgeht, wenn es wie von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) angekündigt die Truppen in Afghanistan verstärkt.
Es ist klar, dass sich die deutschen Soldaten früher oder später werden zurückziehen müssen - ob innerhalb des Zeitkorridors, in dem auch Obama den Rückzug der amerikanischen Soldaten angekündigt hat, oder auf innenpolitischen Druck der Opposition hin schon früher. In einem Positionspapier fordern Gabriel und der Fraktionsvorsitzender Frank-Walter Steinmeier den Abzug ab 2011, den Verzicht auf weitere Truppenverstärkungen ebenso wie auf Aufklärungstornados. Stattdessen soll die Zahl der deutschen Polizeiausbilder verdoppelt werden.
Das hört Dirk Dirks von dem Weilroder IT-Bildungsunternehmen Freund+Dirks gerne. Der Geschäftsführer nahm an der Konferenz teil, weil auch er ein Interesse daran hat, dass die Ausbildung von Nachwuchs-Polizeikräften schnell beginnt. Sein Unternehmen steht in den Startlöchern: In Funk- und Satellitentechnik, Anwendung von IT-Programmen und Aufrechterhaltung von Verwaltungssystemen, aber auch mit Sprachen- und Ethik-Unterricht will er in Afghanistan Polizisten und Polizistinnen ausbilden. Dazu besuchte Dirks schon im vergangenen Jahr im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) Schulen und Verwaltungsinstitutionen in Kabul, um den Bedarf und die aktuelle Situation sowie die schulischen Leistungen junger Afghanen aufzunehmen.
Der Unternehmer ist sich sicher, dass es bald beginnen kann: “Wir sind dabei, ein internationales Team zusammenzustellen, um flexibel handeln zu können”, sagte Dirks, der zurzeit kräftig Kontakte knüpft, um einen möglichen Auftrag stemmen zu können. “Wir müssen die kulturellen Voraussetzungen berücksichtigen und müssen insbesondere in Fächern wie Ethik äußerst sensibel und rücksichtsvoll sein”, ist sich Dirks bewusst. Obwohl sich das durch Frauenfreundlichkeit ausgezeichnete Unternehmen in Sachen Gleichberechtigung in Deutschland einen guten Ruf gemacht hat, hält sich Dirks in Bezug auf die Ausbildung von Frauen auf afghanischen Polizei-Schulen zurück. “Kulturelle Strukturen müssen wir respektieren, auch wenn sie mit unseren Werten nicht übereinstimmen mögen. Ich halte nichts davon, Menschen etwas aufzuzwingen”, sagt Dirks. Frauen würde er in der Erstausbildung ausdrücklich begrüßen, aber forcieren wollte er deren Ausbildung nicht.
Sorgen, dass er bei dieser Haltung missverstanden wird, hat Dirks nicht: „Die hessische Landesregierung hat uns im Jahr 2002 als „Frauen- und familienfreundlichster Betrieb Hessens“ ausgezeichnet. Wir engagieren uns ausdrücklich für Chancengleichheit und die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten von Frauen. Man muss aber den kulturellen Hintergrund berücksichtigen, und in Afghanistan ist das Insistieren auf eine unbedingte Gleichbehandlung von Frauen und Männern heute sicherlich noch kontraproduktiv.“ Auch wenn die Meinung der afghanischen Intellektuellen, von Menschenrechtsgruppen und Entwicklungshilfe-Organisationen bei der Konferenz manchmal zu kurz kam - Dirk Dirks hat ihre Botschaft gehört: “Die jungen Leute, die ich letztes Jahr in Afghanistan getroffen habe, waren hoch motiviert und wollen etwas leisten und Verantwortung übernehmen. Mit einer guten Ausbildung sind sie fähig dazu, selbst auf ihr Land aufzupassen”, ist sich Dirks sicher.






