(openPR) Verschärfung der Lizenzvergabe oder völliger Verzicht auf Lizenzen – beim Thema Spielervermittler fährt der Fußballweltverband FIFA einen Zickzackkurs. Bleibt man bei dem Anfang 2008 in Kraft getretenen neuen Reglement, so wird selbst seriösen Beratern schon bald die Berufsausübung erschwert. Seit neuestem erwägt man in Zürich jedoch auch eine komplette Deregulierung des Marktes. Für den Duisburger Sportrechtler Dr. Thomas Steeger trägt beides nicht dazu bei, den seriösen Kern der Beraterbranche künftig besser vom Gros windiger Geschäftemacher abzugrenzen. Klar indes ist: Angesichts des jüngsten Fußball-Wettskandals sind wirkungsvolle Regeln heute wichtiger denn je.
Duisburg/NRW – Nur wenige Zeitgenossen dürften sich in den vergangenen zwei Jahren eingehender mit dem neuen Spielervermittlerregelement der FIFA beschäftigt haben als Dr. Thomas Steeger. Als lizenzierter Spielerberater ist der in Duisburg niedergelassene Doktor der Rechte aber auch unmittelbar davon betroffen. Beziehungsweise bedroht. Denn nach jetzigem Stand wären Steeger und ein Großteil der rund 250 anderen derzeit in Deutschland zugelassenen Spielerberater und -vermittler im Jahr 2013 auf einen Schlag ihre Lizenzen los. Mit entsprechenden Konsequenzen für alle Beteiligten. Denn das neue und vom DFB bis dato auch genau so übernommene Regelwerk des Fußballweltverbandes sieht vor, dass alle Spielervermittlerlizenzen nach fünfjähriger Laufzeit verfallen und per Prüfung neu erworben werden müssen – bei einer Durchfallquote von bis zu 90 Prozent will das aber erst einmal geschafft sein. Und damit fängt das ganze Dilemma überhaupt erst an.
SCHWACHSTELLEN IM NEUEN REGLEMENT
„Meldet man sich nicht zur erneuten Prüfung an oder besteht diese nicht, unterliegt man einem mindestens sechsmonatigen Berufsverbot, welches unter anderem gegen das Verfassungsrecht verstößt“, erläutert Steeger, der den DFB bereits seit dem Frühjahr 2008 wiederholt auf diese und weitere rechtliche Schwachstellen im neuen Reglement hingewiesen hat. Wenn es darum geht, vor den weitreichenden Folgen der Novelle zu warnen, zählt der 43-jährige Sportrechtler hierzulande zu den treibenden Kräften.
„Durch einen derartigen Kahlschlag verlieren viele Spieler, Trainer und Vereine von jetzt auf gleich ihre langjährigen Ansprechpartner und diese andersrum ihre Existenzgrundlage – oder aber die Zusammenarbeit wird illegal fortgesetzt“, führt Steeger weiter aus. „Beides kann und darf nicht im Sinne der Verantwortlichen sein.“ Zumal der Fußballsport heute ein hochkomplexer Wirtschaftszweig sei, der auf die Qualität und Kontinuität seriöser Beratung angewiesen ist. Hintergrund: Bereits jetzt sind weitaus mehr illegale als legale Spielervermittler am Milliardengeschäft Fußball beteiligt und sorgen immer wieder für negative Schlagzeilen. Und wie anfällig die Branche ist, zeigt der jüngste Fußball-Wettskandal, in welchen offenbar auch unseriöse Spielerberater verwickelt sind.
DFB UND FIFA SCHEINEN EINZULENKEN
Die Bedenken des „Reglementexperten wider Willen“ gegen die neuen Bestimmungen sind juristisch wohl nicht von der Hand zu weisen: Im Juni 2009 hat DFB-Justiziar Dr. Jörg Englisch seinem Duisburger Anwaltskollegen sowohl telefonisch als auch schriftlich grundsätzlich zugestimmt, dass die Neuregelung der Lizenzvergabe in der Tat problematisch sei. Derzeit suche man nach einer vom aktuellen FIFA-Spielervermittlerreglement „abweichenden Regelung im Bereich des DFB“, heißt es in Englischs Schreiben an Steeger. Und auf eine weitere Anfrage erhielt Steeger Anfang November 2009 aus Frankfurt die Auskunft, dass nun auch die FIFA eine Neufassung des Reglements prüfe.
„So erfreulich diese Entwicklung auch sein mag – bislang handelt es sich bei all dem aber lediglich um Absichtserklärungen“, resümiert der seit 1995 zugelassene Rechtsanwalt, der unter anderem den Freiburger Top-Torhüter Simon Pouplin und Trainerveteran Horst Köppel betreut. „Fakt ist, dass unterdessen rund zwei Jahre ins Land gezogen sind, ohne dass sich was Essentielles getan hätte. Langsam aber sicher läuft meinen Kollegen und mir die Zeit davon. Denn wenn sich nichts ändert, sind wir nach wie vor in drei Jahren erst mal unsere Lizenzen quitt.“ Seriösen Spielerberatern würde damit die Berufsausübung erheblich erschwert, meint Steeger kopfschüttelnd – und unseriösen Geschäftemachern noch mehr Spielraum überlassen. Besonders brisant daran: Das Lizenzierungsverfahren sollte ursprünglich für eine klare Trennlinie zwischen legalen und illegalen Spielervermittlern sorgen.
PROTESTE GEGEN FREIES SPIEL DER KRÄFTE
Und diese könnte künftig sogar ganz wegfallen. Denn neuerdings erwägt die FIFA sogar eine völlige Deregulierung des Spielervermittlermarktes. Ein betreffendes DFB-Schreiben liegt Steeger und den anderen in Deutschland zugelassenen Spielerberatern seit wenigen Wochen vor. „Sollte die FIFA ganz auf die Lizenzierung von Beratern und Vermittlern verzichten, so käme das einer Kapitulation vor einem – zugegebenermaßen – schweren Marktumfeld gleich“, betont Steeger. In Anbetracht der ohnehin schon großen Grauzone und immer dreisteren Machenschaften sei dies die denkbar schlechteste Lösung. Entsprechend eindringlich sind denn auch die Proteste renommierter Spielervermittlervereinigungen gegen das angedachte „freie Spiel der Kräfte“.
„Als größter Nationalverband hat der DFB eine internationale Vorbildfunktion“, schließt Steeger. Und wie jeder andere Nationalverband habe auch der DFB die Möglichkeit, ein eigenes, von der FIFA unabhängiges Lizenzierungssystem für Spielervermittler zu installieren, welches weiterhin sowohl die Interessen der Berater als auch die der betreuten Sportler und Vereine schützt. „Ich erwarte also, dass der DFB im Frühjahr 2010 eine vernünftige und für alle Beteiligten befriedigende Lösung vorstellt. Als lizenzierte Spielerberater haben wir jede Menge Verpflichtungen – nun aber ist es höchste Zeit, dass endlich auch unsere Rechte gestärkt werden. Auch im Sinne unserer Mandanten. Nur höchst ungern würde ich den unbefristeten Erhalt meiner Lizenz vor Gericht erstreiten müssen.“











