(openPR) Berlin, 26. November 2009 – Zehn Jahre nach Unterzeichnung der Bologna-Erklärung protestieren Studierende an deutschen, österreichischen und Schweizer Hochschulen gegen ihre Studienbedingungen. Die Proteste zielen auf zentrale Elemente der europäischen Studienreform. Dabei werden insbesondere die vermeintlich starren Strukturen der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge kritisiert und die Abschaffung von Studiengebühren und Regelstudienzeiten gefordert.
Die jüngst erschienene Master Studie 2009 – eine deutschlandweite Studierendenbefragung unter mit 4.000 Teilnehmern – kommt zu anderen Aussagen. Die Studierenden wurden im Sommer 2009 zu ihrem Studium, ihren Weiterbildungsplänen und ihren Vorbereitungen für den Berufsteinstieg befragt. Die von der Berliner Agentur SWOP mit Unterstützung des Zeitverlags durchgeführte Befragung zeichnet ein differenziertes Bild der aktuellen Situation an den Hochschulen. So konstatierten 63% der Befragten, dass sie mit ihrem derzeitigen Studium zufrieden oder sogar sehr zufrieden seien. Gleichwohl fordern die Studierenden optimierte Rahmenbedingungen und sehen konkretes Verbesserungspotenzial. Vor allem der Praxisbezug ihres Studiums sei nicht ausreichend. Für eine Verlängerung des Bachelor-Studiums von drei auf vier Jahre sprechen sich immerhin 45% der Antwortenden aus.
Die Studierenden sehen im Bachelor offensichtlich keinen vollwertigen Studienabschluss, der einen direkten Berufseinstieg ermöglicht. Nur 14% der Bachelor-Studierenden streben direkt im Anschluss an ihr Studium in den Beruf. Lediglich 2% der Bachelor-Aspiranten schließen aus, sich zu einem späteren Zeitpunkt akademisch weiterzuqualifizieren, 71% haben dies sicher vor. Hochschulen und Unternehmen sind hier gefordert, mehr und bessere Angebote für den zweiten Studienabschluss zu entwickeln. Zum Beispiel in Form von berufsbegleitenden Master-Studiengängen. 54% der Befragten gaben an, dass sie bereit wären, für optimale Studienbedingungen an ihrer Wunschhochschule Gebühren zu zahlen.
Hochschulen sollen weiterbilden. Dieser Auftrag steht im Hochschulrahmengesetz und ist bislang nur unzureichend umgesetzt. Der Bologna-Prozess bietet große Chancen, akademische Weiterbildung zwischen Praxis und Beruf zu etablieren. Das heißt: die Bandbreite praxisbezogener Maßnahmen zu erhöhen und die Vermittlung überfachlicher – auch betriebswirtschaftlicher Inhalte – stärker zu betonen. Eine mögliche Reaktion auf die Proteste der Studierenden könnte sein, dass Hochschulen – durchaus in Kooperation mit der Wirtschaft – verstärkt weiterbildende Studienangebote entwickeln. Zudem sollte den Studierenden deutlich gemacht werden, dass ihre akademische Laufbahn nach dem Bachelor noch lang nicht vorbei sein muss. Es geht also nicht um eine Reform der Reform, sondern um ein Umdenken in Richtung lebenslanges Lernen. Diese Erkenntnis ist bei den Studierenden und vor allem bei den Verantwortlichen in Hochschulen und Unternehmen offensichtlich noch nicht angekommen.
Über die Master Studie 2009
Die Master Studie 2009 ist eine Leserbefragung von SWOP. Medien und Konferenzen in Kooperation mit dem Zeitverlag. Neben der ausführlichen Bestandsaufnahme der studentischen Motive, Planungen und Ziele liefern die Studienergebnisse den Hochschulen wichtige Anhaltspunkte für die Planung ihrer Kapazitäten oder die Formulierung strategischer Maßnahmen in Hochschulentwicklung und -marketing. Weitere Informationen über die Master Studie 2009 bietet die Website http://www.master-studie.de.
Als Partner der Studie konnten die Deutsche Bahn und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gewonnen werden. Akademische Partner sind die Europa-Universität Viadrina, die Fachhochschule Köln, die FHWien-Studiengänge der Wirtschaftskammer Wien, die Graduate School Rhein-Neckar, die Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule München und die Technische Universität Braunschweig. Förderer der Master Studie sind die Bauhaus-Universität Weimar, die Fachhochschule Oberösterreich, die Hochschule Darmstadt, der RheinAhr-Campus, die Universität Bonn, die Universität Konstanz und die Universität St. Gallen.




















