(openPR) Bau von Spezialschiffen hat in Hamburg-Neuenfelde bereits begonnen
Sie ist das 393. und zugleich das letzte Containerschiff, das die Sietas Werft gebaut hat. Die Übergabe der MS Elysee an die niederländische Reederei JR Shipping Group markiert den Abschluss des über 40-jährigen Container-schiffbaus auf der Neuenfelder Werft und gleichzeitig den Aufbruch in die Ära des Spezialschiffbaus. Künftig wird Sietas mit einem neuen, industriellen Konzept anspruchsvolle Spezialschiffe wie Schwergut- und Projektschiffe, Selbstentlade-Bulker, Bagger, Fähren/RoRo- und Offshore-Schiffe fertigen. Mit dem Bau eines Bulkers, eines Saugbaggers und einer Doppelendfähre wurde bereits begonnen.
„Auf der Sietas Werft wurde der weltweit erste echte Containerfrachter gebaut. Der Containerschiffbau hat Sietas groß gemacht und er war 43 Jahre das Markenzeichen der Werft“, sagte Rüdiger Fuchs, Vorsitzender der Geschäftsführung der Sietas Gruppe, anlässlich der Übergabe der MS Elysee. „Deshalb ist die Ablieferung des letzten Containerfrachters heute ein besonderer Moment, so als wenn bei Volkswagen noch einmal der letzte Käfer vom Band liefe. Auf der Sietas Werft ist nun ein neues Zeitalter angebrochen. Der Spezialschiffbau mit einem industriellen Fertigungskonzept ist unsere Zukunft und soll uns international wettbewerbsfähig machen.“
Die neue Sietas Werft
Die Sietas Werft wandelt sich derzeit vom traditionellen Schiffbaubetrieb hin zur industriellen Werft für Spezialschiffe. Sechs Neubau-Schiffe sind derzeit im Auftragsbuch der Hamburger Werft: Ein Selbstentlade-Bulker, zwei Baggerschiffe, zwei Heavy-Lifter und eine Doppelendfähre. Zusätzlich hat Sietas Sektions-lieferungen für Kreuzfahrtschiffe übernommen. Kürzere Durchlaufzeiten und höhere Produktivität kennzeichnen die „neue“ Sietas Werft. „Made in Germany“ – mit höchster Qualität, innovativen Entwürfen und industrieller Fertigung will Sietas in der Zukunft erfolgreich Schiffe in Deutschland entwickeln, bauen und weltweit verkaufen.
Dazu leisten die Kompetenz der maritimen Gruppe und die Verzahnung der Produkte und Leistungen der zur Sietas Gruppe gehörenden Unternehmen einen entscheidenden Beitrag. Die Heavy-Lifter beispielsweise werden auf der Werft geplant und gebaut sowie mit Kränen der ebenfalls zur Sietas Gruppe gehörenden Neuenfelder Maschinenfabrik (NMF) ausgestattet. Mit einer Hebekapazität von 2.000 Tonnen und einer Geschwindigkeit von 20 Knoten werden die neuen Schiffe die weltweit größten und modernsten Schwergutschiffe dieser Art sein. Dieser innovative Schiffsentwurf und die hochwertigen Komponenten, für welche die Sietas Werft und die Neuenfelder Maschinenfabrik stehen, sowie die Tatsache, dass sowohl Schiffe als auch Kräne „aus einer Hand“ von der Sietas Gruppe kommen, hat den Kunden, SAL Schiffahrtskontor Altes Land überzeugt. Die Auslieferung der beiden Neubauten ist für Dezember 2010 und März 2011 geplant. Dritte Säule der maritimen Gruppe ist die Norderwerft im Herzen des Hamburger Hafens. Sie steht für umfassende Reparaturkompetenz sowie kurze Reaktions- und Durchlaufzeiten in allen Fachbereichen.
Auf dem Weg zur Sanierung und Neuausrichtung wurden in den vergangenen Monaten bereits Meilensteine gesetzt. So war die Sicherung der Unternehmensfinanzierung eine entscheidende Voraussetzung für die Umsetzung des neuen unternehmerischen Konzepts. Im Juli erhielt die Sietas Werft 80-prozentige Ausfallbürgschaften von der Freien und Hansestadt Hamburg und vom Bund. Darüber hinaus waren Personalanpassungsmaßnahmen notwendig, über die Vereinbarungen mit dem Sietas Betriebsrat sowie der IG Metall Küste geschlossen wurden. Die Sietas Gruppe hat 1.220 Mitarbeiter. 242 Arbeitsplätze werden auf der Sietas Werft sukzessive bis Ende März 2010 abgebaut. Davon wechseln
71 Mitarbeiter innerhalb der Gruppe zur Norderwerft und zur Neuenfelder Maschinenfabrik, andere in eine Transfergesellschaft. Die verbleibende Stammmannschaft verzichtet auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld.
MS Elysee – der 393. Sietas Containerfrachter
Die auf der Sietas Werft gebaute MS Elysee, ein Open Top Frachter des Typs 178, erhielt in den vergangenen Wochen bei Blohm + Voss einen Spezialanstrich für den Einsatz in der Eisfahrt, und wurde jetzt dort im Dock ihrem Reeder Jan Reier Arends übergeben.
Rüdiger Wolf, Kaufmännischer Geschäftsführer der Sietas Gruppe, erklärt: „Die Übergabe eines Schiffs ist für jede Werft ein spannender Moment. Der künftige Eigner kommt an Bord, inspiziert sein Schiff und weist dann nach Abnahme fast zeitgleich seine Bank zum Transfer des Kaufpreises an. Erst wenn dieser Betrag auf dessen Bankkonto eingegangen ist, erfolgt die Übergabe.“
Die MS Elysee wurde auf der Sietas Werft in Hamburg-Neuenfelde gefertigt. Ihr Kaufpreis beträgt: 33 Millionen Euro. Sie ist 168,11 m lang, 26,80 m breit und hat einen Maximaltiefgang von 9,60 m. Darüber hinaus hat sie eine Ladekapazität von 1061 TEU à 14 Tonnen und eine Geschwindigkeit von 20 Knoten. Sie ist der 393. Containerfrachter, den Sietas gebaut hat. Und das letzte Glied in der Kette dieses traditionsreichen Schiffbau-Segments der Werft.
1965/66 entwickelte und baute Sietas mit der Bell Vanguard für die Hamburger Reederei Jürgen Hinrich Breuer das weltweit erste Containerschiff, das entsprechend dem internationalen Standardmaß der Containerbehälter konzipiert war. Sie wurde in Charter bei der irischen Reederei Bell Lines eingesetzt. Danach gehörte Sietas über vier Jahrzehnte zu den führenden Schiffbaubetrieben auf diesem Gebiet. Hier entstanden Entwicklungen und Neubauten wie das Open Top Containerschiff
Typ 160 sowie der Containerfrachter des Typs 168, der 52 Mal gebaut wurde und der damit der erfolgreichste Containerfrachter-Typ der Neuenfelder Werft ist.
Die MS Elysee ist das 6. Schiff der Baureihe des Typs 178. Sie verließ nach der Übergabe den Hamburger Hafen und wird am 11. November in Rotterdam getauft.
Hamburg, 10. November 2009






