(openPR) Mit einer Rekordzahl von 117 Ausstellern präsentierte Polen sein reichhaltiges Angebot an Agrar- und Lebensmittelprodukten auf der weltweit führenden Fachmesse für Food & Beverage Anuga 2009 in Köln. Die Besucher der Anuga konnten in allen Messesegmenten Aussteller aus Polen kennen lernen und Kostproben der polnischen Produkte genießen können. Traditionell schon gehören die polnischen Hersteller zum Ausstellerstamm in den Bereichen Milchprodukte, Fleisch, Obst- und Gemüse und Feinkost. Die diesjährige Edition der Anuga hat es deutlich zum Ausdruck gebracht: Immer mehr Hersteller aus Polen kommen mit wertvollen und international wettbewerbsfähigen Produkten auf den Markt. Polen hat die Zeit als Rohstofflieferant für ausländische Lebensmittelmärkte eindeutig hinter sich gelassen.
Seit dem EU-Beitritt vor fünf Jahren erfahren Polens Agrarwirtschaft und Lebensmittelindustrie eine rasante Entwicklung. Die Notwendigkeit der Anpassung an die EU-Standards hat zur Modernisierung der Betriebe geführt. Sie stellen mehr und besser her als vormals, schaffen es aber, bei Natürlichkeit und Geschmack qualitativ auf dem höchsten Niveau zu bleiben. „In Polen werden Lebensmittel verarbeitet - und nicht produziert“, sagte Polens Landwirtschaftsminister Marek Sawicki am Rande der Messe. „Die Betriebe sind klein und die Herstellung aufwändig. Es wird mit traditionellen Rezepten gearbeitet. Das führt dazu, dass polnische Produkte Geschmack behalten. Sie duften und schmecken besonders, und sind einfach besser.“
Die Öffnung neuer Märkte für Lebensmittel aus Polen in Europa schlägt sich in den Exportzahlen nieder: Fast um ein Dreifaches ist seit 2004 die Zahl der Waren und Produkte gestiegen, die Polen ins Ausland verkauft hatte. Der Exportwert betrug 2008 rund 11,3 Milliarden Euro, 2004 waren es knappe 4 Milliarden Euro. Der Anteil der Lebensmittel an den Gesamtexporten des Landes beträgt 22 Prozent (2004: 16,5 Prozent). 2008 exportierte Polen Lebensmittel im Wert von mehr als zwei Milliarden Euro nach Deutschland. Das entspricht einem Viertel der gesamten Lebensmittelausfuhren aus Polen. Insgesamt gehen 85 Prozent der in Polen hergestellten Nahrungsmittel in die Länder der Europäischen Union.
Zunehmend werden Lebensmittel aus Polen auch in Deutschland als solche erkannt und geschätzt. Die polnischen Hersteller liefern zwar weiterhin erhebliche Mengen unter so genannten Handelsmarken, die das Erkennen der Herkunft im Kleingedruckten halten. Jedoch nimmt die Zahl der polnischen Geschäfte und Regale in den deutschen Handelszentren systematisch zu. Mittlerweile gibt es 1.200 polnische Feinkostläden in Deutschland, die meisten davon im Ruhrgebiet. Landesweit gehören polnische Anbieter zu Stammverkäufern auf Wochenmärkten. Nicht nur die nicht die polnischstämmigen, sondern immer mehr deutschen Kunden halten ihnen die Treue. Schlesische Wurstwaren sowie Mohn- und Käsekuchen sind der unbestrittene Geheimtipp der wachsenden Fan-Gemeinde. Eine starke Orientierung auf Produkte regionaler Herkunft, die sich gegenwärtig in Polen abzeichnet, dürfte die Durchsetzung von schmackhaften Köstlichkeiten auch aus anderen, kulinarisch traditionsreichen Gegenden beflügeln. Die geographische Nähe und die geringen Distanzen zwischen Erzeugern und Konsumenten in Deutschland werden diesen Trend begünstigen.
Die Aufnahmebereitschaft für Lebensmittel aus Polen auf fremden Märkten und eine stabile Binnennachfrage führen zum steten Wachstum der Branche. Bis zum Ausbruch der Weltwirtschaftkrise verzeichnete Polens Lebensmittelsektor jährliche Zuwachsraten zwischen sechs und sieben Prozent. Der Zusammenbruch vieler Märkte ging an Polens Agrar- und Lebensmittelwirtschaft nicht spurlos vorüber. Aber im Vergleich zu anderen Branchen haben die Lebensmittelproduzenten und Verarbeitungsbetriebe die Krise am wenigsten zu spüren bekommen. Seit Mai 2008 wurde eine verlangsamte Entwicklung der Branche von ca. drei Prozent jährlich verzeichnet. Ihr Stellenwert im Außenhandel blieb aber nahezu unverädert. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres ging der Verkauf auf ausländische Märkte lediglich um einen Prozent zurück. Gleichzeitig verringerte sich deutlich der Wert der Lebensmitteleinfuhren nach Polen, so dass die Außenhandelsbilanz mittlerweile ein Saldo von Plus 1,3 Milliarden Euro erreicht. Den jüngsten Angaben des Ministeriums für Landwirtschaft und die Entwicklung des Ländlichen Raums nach, zeichnet sich für das Gesamtergebnis des Jahres eine positive Trendwende ab. Nach Schätzungen wird der positive Saldo Ende 2009 zwischen 2,2 und 2,6 Milliarden Euro liegen.
Polens Lebensmittelbranche ist in einer gute Verfassung, aber sie will noch stärker werden. „Auf dem einheitlichen EU-Markt haben wir uns einen Markennamen gemacht und unsere Produkte verkaufen sich gut“, urteilt Minister Sawicki. „Jetzt geht es darum, polnische Produkte auf anderen Märkten zu promoten.“ Die Blicke der Hersteller richten sich nach Amerika und Fernost, aber auch zu Polens Nachbarn im Osten. Der Schaffung einer größeren Aufmerksamkeit für Lebensmittel aus Polen im Ausland dient unter anderem das kürzlich verabschiedete Fördermittelgesetz für die Lebensmittelhersteller. Erste Ergebnisse nach seiner Umsetzung werden bereits im kommenden Jahr erwartet.
Mehrere Branchenzweige erhoffen sich davon eine Hebelwirkung. Zum Beispiel die Milchhersteller. Polens Milchbauern und Molkereien gehörten zu einen der ersten, die im Zuge des EU-Beitritts die größten technologischen Änderungen vollzogen haben. Die Betriebe wurden mit modernsten Produktionslinien ausgestattet, die eine schonende Verarbeitung des wertvollen Rohstoffes gewährleisten. Die Qualität der Milch ist Polens größter Trumpf. Die Milchhöfe sind überwiegend in ökologisch unversehrten Regionen angesiedelt. Der Verbrauch von Kunstdünger und Pflanzenschutzmitteln liegt weit unter den Mengen in Westeuropa. Der natürliche Herstellungsvorgang lässt sich schmecken und ermöglicht die Verarbeitung zu Spitzenprodukten, die auf den anspruchsvollsten Märkten konkurrieren können. Mehr noch: Namhafte Player wie Frankreich und Italien entdecken die polnische Milch. In den traditionsreichen Käsereien dieser Länder hat man gemerkt, dass aus der polnischen Milch Produkte hergestellt werden können, zu denen sich die herkömmliche Milch der Westkühe nicht mehr verarbeiten lässt.
Das gilt auch für Fleisch und Wurstwaren aus Polen. Die Hersteller achten penibel auf die Beibehaltung traditioneller Verfahren und setzen bei der produktionstechnischen Verarbeitung auf das notwendige Minimum. Kurze Wege zwischen Rohstoffproduzenten und Weiterverarbeitungsbetrieben ermöglichen auch in diesem Segment den Zugang zu qualitativ wertvollen Rohstoffen, die unter den strengsten Regeln entstehen und schonend und natürlich weiter behandelt werden.
Der Ökotrend ist ein weiterer Boomfaktor der polnischen Lebensmittelbranche. Um 15 Prozent ist allein im Jahr 2008 die Zahl der Unternehmen gestiegen, die ökologische Lebensmittel herstellen und verkaufen. Die Umsätze in diesem Segment gingen um 18 Prozent in die Höhe. Dies hat mit dem wachsenden Bewußtsein der inländischen Klientel zu tun, die sich zunehmend für die Herkunft der Frühstückseier und für Inhaltsstoffe in Würsten und Brotschnitten interessiert. Große Handelsketten wie die deutschstämmige Metro richten in ihren polnischen Filialen Bereiche mit Öko-Nahrung ein. Die Metro eigene Gesellschaft Malwa hat nach Informationen von Branchenkennern ihren Absatz im ersten Quartal 2009 im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Im Bereich „umweltschonend hergestellte Lebensmittel“ spielt für Polen auf dem Binnen- wie auf den Außenmärkten auch noch zukünftig die Musik. Mit einem Umsatzvolumen von 5,5 Milliarden Euro jährlich ist Deutschland natürlich ein Markt für die naturfreundlichen Produkte von jenseits der Oder.
Angesichts der bereits geschaffenen günstigen Ausgangsbedingungen wird der Strukturwandel der Lebensmittelbranche in Polen vorangetrieben. Strategisches Ziel ist, die Hersteller und Verarbeitungsbetriebe zu mehr Konzentration zu bewegen. Derzeit sind gut 500 Produzentengruppen auf dem Markt tätig. Die Konsolidierung der Betriebe soll es ermöglichen, großes und einheitliches Sortiment zu liefern. Die bisher unabhängig voneinander agierenden Klein- und Mittelständler sind oft nicht in der Lage, dauerhaft große Chargen zu liefern. Von dem Stärkerwerden der Branchenakteure werden weitere Wettbewerbsvorteile erwartet. „Wir können weiterhin hinsichtlich des Preises konkurrenzfähig bleiben. Aber wir wollen weiterhin auf Qualität setzen. Qualität der Lebensmittel und der Verpackung“, fasste es Minister Sawicki zusammen.













