(openPR) Der Melancholie des Herbstes widmen sich der Universitätschor Dresden und die Singakademie Chemnitz in einem außergewöhnlichen Konzert in der Dresdner Lukaskirche. Dabei wird eine chorsinfonische Rarität zur Aufführung gebracht: Die Herbstfeier des Komponisten Gerhard Frommel (1906, Karlsruhe – 1984, Filderstadt). Das an Chor und Orchester höchste Anforderungen stellende Stück erklingt dabei das erste Mal seit über 20 Jahren.
Der Pfitzner-Schüler Gerhard Frommel ist ein heute praktisch unbekannter Komponist. Er schrieb zwei Sinfonien und eine Reihe kleinerer Orchesterwerke, ein Klavierkonzert, drei Bühnenwerke, sowie eine große Zahl von Sonaten und Gesängen (vor allem auf Texte von S. George, dessen Geistigkeit ihn prägte). Er war Lehrer für Komposition u.a. in Essen, Frankfurt am Main, Heidelberg und Stuttgart. Sein Personalstil ist von Pfitzner und der Klassizistik Strawins-
kys beeinflusst. Er unterscheidet sich von der Schönberg-Schule durch harmonisch erweiterte Diatonik und mediterran tänzerische Rhythmik, von der Hindemith-Schule durch den romantischen Grundton. Dem Zuhörer wird mit diesem Konzert die seltene Gelegenheit der Begegnung mit dieser eindrucksvollen Musik gegeben, die ihrer grundsätzlich tonalen Anlage we-
gen nach 1945 (im Zusammenhang mit dem stilistischen Bruch, zu dem es in Deutschland kam und kommen musste) schnell von der Avantgarde verdrängt und bis heute kaum rezipiert wurde.
Die Kantate Herbstfeier wurde von Gerhard Frommel 1932 in Leipzig auf Worte aus dem Fränkischen Koran von Ludwig Derleth (1870-1948) komponiert. Derleth schildert in diesem aus 15.000 Versen bestehenden Werk die Pilgerfahrt der Menschenseele. Und dies in barocker Sprach- und Bildfülle: Der betörende Prunk fränkischer Dorfkirchen ist darin eingefangen, die
Wucht des Bamberger Doms, der fränkische Weinbau und das fromme Volkstum zwischen Fichtelgebirge und Spessart. Frommel wählte aus diesem Werk insbesondere Verse, die den Herbst in einer Mischung aus Gottesanbetung und Weinseligkeit besingen – als Stimmung nicht nur des jahreszeitlichen Herbstes, sondern auch des Herbstgefühls des Menschen.
Ebenfalls auf dem Programm steht der dritte Teil, der Herbst, aus dem Oratorium Die Jahreszeiten von Joseph Haydn (1732-1809). In diesem schildert Haydn die Freude der Landleute über die Ernte, die beginnende Jagd, die Traubenlese und die Zeit der rauschenden Weinfeste – alles Dinge, die auch den Abschied vom wärmenden Sommer symbolisieren.
Die von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen geförderte Aufführung findet unter der Leitung von Maja Sequeira am Sonnabend, den 17.10.2009 um 19.30 Uhr in der Lukaskirche Dresden statt. Karten zu 13,-/10,- Euro sind an der Abendkasse erhältlich und können auch unter 0351/463-34143 vorbestellt werden. Vor dem Konzert wird es um 18.00 Uhr eine Werkein-
führung geben. Das Konzert wird am 31.10.2009 um 17 Uhr in der Markuskirche Chemnitz wiederholt.
Weitere Informationen unter www.unichor-dresden.de.












