(openPR) Mit „BurkaBondage – no ordinary experience“ bringt Helena Waldmann (Letters from Tentland) erneut eine provokative Produktion mit aktuellen politischen Bezügen in die Theater. Premiere ist am 9. Oktober 2009 im Haus der Berliner Festspiele, Vorstellungen in Deutschland und im spanischen Salamanca sind bereits gebucht.
Afghanistan im März 2001: nach dem vergeblichen 26-tägigen Beschuss mit Geschützen und Raketen zerstören Taliban-Milizen die beiden größten stehenden Buddha-Statuen der Welt im Tal von Bamiyan mit drei Tonnen Sprengstoff. Es bleiben nur Trümmer und die riesigen Felsnischen zurück.
Nachdem die Regisseurin und Choreografin Helena Waldmann 2007 das erste Mal nach Kabul gereist ist, um ihre Inszenierung „return to sender" zu zeigen, macht sie im Jahr darauf eine Entdeckung: die jungen afghanischen Theaterleute, mit denen sie arbeitet, bezeichnen sich selbst als „Generation Rain". Eine Generation, die auch ohne die Herrschaft der Taliban weiter orientierungslos tief im Schlamm einer fundamentalistischen Geschichte steckt.
In Japan, einem hochindustrialisierten, reichen Land, wie es eigentlich entfernter von Afghanistan nicht sein könnte, erlebt Helena Waldmann später Ähnliches: junge Leute ohne Glauben an eine selbstbestimmte Zukunft, gefesselt in den erdrückenden Traditionen einer streng strukturierten und hierarchisierten Gesellschaft, bezeichnen sich als „Lost Generation" und – es mag Zufall sein – beziehen die Zerstörung der Buddhas im fernen Afghanistan auch auf sich selbst.
Als die Choreografin Kommunikationswege zwischen diesen Gruppen etabliert hat, wird die Sprengung, das Verschwinden der Buddhas von Bamiyan zum Ausgangspunkt der Gespräche. Sowohl die japanische als auch die afghanische Seite erkennen sich in dem erzwungenen Verschwinden der Körper. Und beide kommen zu korrespondierenden Fragestellungen. Sind die leeren Nischen, die nach der Sprengung übrig geblieben sind, Rahmen von etwas, das keine Existenzberechtigung hat? Und was müssen wir sprengen, um frei zu werden – den Rahmen oder das, was sich darin befindet?
Für die Parallelen zwischen beiden Generationen, für den Kampf um Sichtbarkeit und Entfesselung hat Helena Waldmann in ihrem Stück eine geradezu ikonische Entsprechung gefunden: Burka und Bondage. In Afghanistan blieb von den Buddhas nur der „Rahmen des Anstands". Gesprengt, weil man den Körper nicht erträgt. Es ist die Scham, die dem Körper die Freiheit raubt. Oder in der japanischen Lesart: Die Fessel dient der Befreiung, das Unsichtbare wird zum Ideal.
Helena Waldmann macht sich auf die Suche nach dem Körper ohne Gesicht. Mit zwei Tänzerinnen, die das Extrem lieben, einem Künstler, der den Körper ausradiert, und einem Genie der Trommel. Um der Scham die Maske abzureißen.
Premiere am 9. Oktober 2009 um 20 Uhr
Weitere Vorstellungen am 10. & 11. Oktober 2009 um 20 Uhr
Ort: Haus der Berliner Festspiele / Schaperstraße 24 / 10719 Berlin
Tickets: 15 € / erm. 10 €
Von und mit: Yui Kawaguchi (Tokyo–Berlin), Vania Rovisco (Berlin), Monireh Hashemi (Kabul); Video: Acci Babba (Tokyo–Berlin) Musik: Mohammad Reza Mortazavi (Isfahan–Berlin);
Konzept, Regie, Choreografie: Helena Waldmann Dramaturgie: Dunja Funke Bühne: Jochen Sauer Lichtdesign: Andreas Fuchs Kostüme: Mari Krautschick Wissenschaftliche Mitarbeit: Taiya Mikisch Produktionsleitung/Tourmanagement: www.ecotopiadance.com









