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Abflussrohrschäden - Rohrsanierung oder Offene Bauweise unter Beachtung der Dichtheitsprüfungspflicht bis 2015?

14.07.200916:49 UhrIndustrie, Bau & Immobilien
Bild: Abflussrohrschäden - Rohrsanierung oder Offene Bauweise unter Beachtung der Dichtheitsprüfungspflicht bis 2015?
Abfluss-AS-Allianz seit 1969
Abfluss-AS-Allianz seit 1969

(openPR) Wie das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) berichtet, gehen Kommunen davon aus, dass etwa 60 bis 70 Prozent der Abflussrohre auf privaten Grundstücken undicht sind und damit das Grundwasser verschmutzen können. Meist liegen die Abflussrohre seit Jahrzehnten unter der Erde ohne gewartet worden zu sein. Der Zahn der Zeit hinterlässt auch hier seine Spuren: Risse, Brüche, Ablagerungen, Korrosion und vor allem Wurzeleinwüchse. Sie verschließen im Zeitverlauf die Abflussrohre, besonders im Verbindungsbereich der Abflussrohre, in den sogenannten Muffen. Meist werden diese Schäden an den alten Steinzeugleitungen, den früheren Tonrohren, festgestellt.



Hier sind vor allem die alten Abflussrohre betroffen. Bis Mitte der 70er Jahre wurden die Muffen der damaligen Tonrohre mit Teerstricken abgedichtet und anschließend mit Teer vergossen. „Das war zu dieser Zeit Stand der Technik", erklärt der Fachmann für Abwassertechnik Mike Scholz. „Im Laufe der Jahre“, so Scholz weiter, „haben sich aber diese Teerstricke in den Muffen aufgelöst, die Abflussrohre sind nun nicht mehr dicht. Wurzelwerk wird verstärkt vom Wasser angezogen und zerstört in der Regel die Rohrmuffen“. Im Laufe der Jahre verschließen Wurzeln und eindringendes Erdreich, Sand oder Kies die Abflussrohre, unterstützt von allerlei Gegenständen, die ohnehin nicht in die Abflüsse gehören.

Plötzlich staut sich das Abwasser nicht nur in der Toilette, sondern auch in der Badewanne. Da hilft dann weder Großmutters Pümpel weiter, noch das Spezialwerkzeug der Installateur-Branche. Die gesamte Abflussleitung ist ein Sanierungs- oder Reparaturfall.

Austretendes Schmutzwasser führt zu einer Verseuchung des Erdreiches und des Grundwassers. Jeder, der diesen Umstand billigend in Kauf nimmt, macht sich strafbar. Nach dem Wasserhaushaltsgesetz und den damit verbundenen DIN Normen muss spätestens im Jahr 2015 jeder Hausbesitzer eine Dichtheitsprüfung seines Hausanschlusses durchführen lassen und die Dichtheit der Abwasserleitungen nachweisen. In vielen Wasserschutzgebieten besteht diese Pflicht schon heute.

Um Schäden in einem undichten Abflussrohr zu beheben, gibt es hauptsächlich zwei Möglichkeiten. Entweder der gesamte Vorgarten und die Kellersohle werden bis zur Grundstücksgrenze aufgegraben (Offene Bauweise) und die gesamte Abflussleitung erneuert. Oder es erfolgt eine Rohrsanierung mit Hilfe des so genannten Inliner-Verfahrens. Bei Rohrsanierungen entfällt das Aufgraben. Diagnose und Therapie erfolgen in der Regel durch die Reinigungsöffnung der Abflussleitung (beispielsweise im Keller). Anschließend wird ein spezieller Schlauch in die alte Abflussleitung eingezogen, der später die neue Innenwand des Abflussrohres bildet.

Vor der eigentlichen Dichtheitsprüfung sind eine gründliche Rohrreinigung und TV-Inspektion, also eine Abflussrohr-Kamerabefahrung, durch die Hausanschlussleitung zwingend notwendig. Diese Vorarbeiten erfolgen in der Regel ohne Aufgrabungen und ohne Eingriff in die Bausubstanz. „Wir inspizieren und vermessen das gesamte Abflussrohr mit der Rohrkamera. Somit stellen wir genau das Schadensbild der Abflussrohre fest, gleichzeitig vermessen wir eventuelle Abzweiger oder Bögen“, beschreibt Axel Ackermann die Vorgehensweise. Durch die TV-Inspektion lassen sich die meisten Abflussrohrschäden identifizieren. Anschließend wird das Abflussrohr auf seine Dichtigkeit geprüft, indem das Abflussrohr beidseitig verschlossen und mit Luft oder Wasser unter Druck gesetzt wird. Ein eventueller Druckabfall zeigt an, dass das Abflussrohr an irgendeinem Abschnitt defekt ist und repariert oder saniert werden muss.

Die Spezialschläuche für die Inliner Rohrsanierung bestehen in der Regel aus einem beschichteten Polyesternadelfilz. Der wird mit einem Zwei-Komponenten Harz imprägniert und dann mit Druckluft oder -wasser in das vorhandene, sanierungsbedürftige Abflussrohr eingestülpt. Je nach Verfahren ist das Harz nach einigen Stunden chemisch ausgehärtet und der Inliner wird sozusagen zum Rohr im Rohr. „Voraussetzung dabei ist“ so Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Stadler, „dass das alte Abflussrohr noch seine Rohrstatik hat und nicht schon eingebrochen ist. Durch den neuen Inliner wird die alte Rohrstatik wieder stabilisiert und als Produkt bleibt quasi ein neues muffenloses Abflussrohr.“

Das neue Abflussrohr im alten ist in der Regel von gleicher Wandstärke und Festigkeit wie ein zusätzlich eingebrachtes Kunststoffrohr, jedoch ohne Muffenverbindungen. Neue Abflussrohrschäden wie beispielsweise Wurzeleinwuchs werden so dauerhaft verhindert. Durch das glattwandige Inliner-Abflussrohr erhöht sich zudem die Fließgeschwindigkeit des Abwassers.

Durch einen Inliner wird der Querschnitt der Abflussrohre verkleinert. Nach DIN 1986 durfte bisher der Mindestquerschnitt für Leitungen von 10 cm (DN 100) nach der Rohrsanierung nicht unterschritten werden. So konnte das Inliner-Verfahren nur bei Ablussrohren mit einem Innendurchmesser von mindestens 12,5 cm (DN 125) eingesetzt werden.

Abflussrohre mit nur wenigen, kleinen Schäden können durch partielle In- oder Kurzliner saniert werden. Mit dem Injektionsverfahren wird ein Zweikomponenten-Füller injiziert, der nach dem Aushärten Schadstellen dauerhaft abdichtet.

Daneben gibt es noch Edelstahlhülsen für die punktuelle Schadenssanierung. Diese Kurzliner oder Hülsen können bei Einzelschäden in neueren, maximal 20 Jahren alten Abflussrohrleitungen eingesetzt werden. Allerdings empfehlen sich diese Verfahren nicht für 40 bis 50 Jahre alte Entwässerungssysteme. Denn hier kann bei der Rohrsanierung von ein bis zwei Schadstellen im Abflussrohr in der Regel keine langfristige Dichtheit des Abflussrohres erzielt werden. Meist ist es günstiger, gleich das gesamte Abflussrohr zu sanieren, als Teilstücke, meint auch der Fachmann Mike Scholz „In der Regel ist es bei der Sanierung besser und kostengünstiger auf Einzel-Punktsanierungen zu verzichten. Es empfiehlt sich wirklich, auch im Hinblick auf die Qualität und Kosten, die Rohrsanierung eines kompletten Abflussrohres vorzunehmen.“ Allerdings kommt das Inliner-Verfahren nur in Frage, solange die Rohrstatik in der alten Abflussleitung noch intakt ist. Ist sie erst zusammengebrochen, dann bleibt nur die Offene Bauweise.

Vorsicht vor schwarzen Schafen! Rund 500.000 Kilometer private Abwasserleitungen, so schätzen Fachleute, sind sanierungs- oder reparaturbedürftig. Ein lukrativer Markt, der „Schwarze Schafe“ mit oftmals dubiosen Sanierungsverfahren anzieht. Dipl.-Ing. Stadler
rät daher dringend, bei einer Auftragsvergabe zu beachteten, dass der angebotene Inliner eine DIBT -Zulassung (Deutsche Institut für Bautechnik, Berlin) hat. Zudem sollte der Einbaubetrieb möglichst durch das Zeichen „RAL-Güteschutz Kanalbau“ zertifiziert sein. Bei größeren Entwässerungssystemen empfiehlt sich auch der Einsatz eines Abwassertechnik-Beraters.

Zusammenfassend sind im Einzelnen folgende Arbeitsschritte erforderlich:

1. Vorabreinigung der Abflussrohre
2. Überprüfung des Schadenumfangs mit TV-Kamera
3. Gründliche Reinigung der Abflussrohre und ggf. Beseitigung von Abflusshindernissen
4. TV-Inspektion zur Dokumentation des Ist-Zustandes und exaktes Einmessen der Schadstellen
5. Durchführung der Reparatur- oder Sanierungsmaßnahmen
6. Abschließende Reinigung zur Entfernung von Material-Rückständen
7. Nachweis des Reparatur- oder Sanierungserfolges durch TV-Inspektion und vorgeschriebene Dichtheitsprüfung nach DIN EN 1610

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