(openPR) Düren, 03. Juni 2009. Für reichlich Begriffsverwirrung in den Medien sorgt aktuell eine Studie aus Großbritannien. Die in der Zeitschrift „Lancet“ veröffentlichten Studienergebnisse legen nahe, dass so genannte Thromboseprophylaxe-Strümpfe bei Schlaganfallpatienten nicht die erwünschte Wirkung haben. Statt jedoch durchgängig – und richtigerweise – von eben diesen Antithrombosestrümpfen zu sprechen, wird auch auf Kompressionsstrümpfe und Stützstrümpfe Bezug genommen. Grund genug für den Industrieverband eurocom, hier für eine Klarstellung zu sorgen.
Richtig ist: Es gibt sowohl Kompressionsstrümpfe als auch Thromboseprophylaxestrümpfe und Stützstrümpfe. Falsch aber ist, alle drei Begriffe synonym zu verwenden. Denn die drei Produkte unterscheiden sich ganz erheblich in ihrer Wirkung und in ihren Einsatzgebieten.
Medizinische Kompressionsstrümpfe gelten als Basisbehandlung aller Erkrankungen des Venen- und Lymphgefäßsystems. Sie üben einen genau definierten Druck auf das Gewebe und die Gefäße aus. Zuvor erweiterte Venen werden auf ihren normalen Durchmesser zusammengepresst, noch nicht zerstörte Venenklappen schließen sich wieder und werden ihrer Funktion als Rückstauventil gerecht. Das Blut kann ungehindert zum Herzen zurückfließen und staut sich nicht mehr in den Beinen.
Das ist auch das Prinzip so genannter Reisestrümpfe, die für Venengesunde zur Prophylaxe gedacht sind. Deren medizinische Wirksamkeit wurde 2001 erstmals in einer ebenfalls im Lancet erschienenen Studie klinisch getestet. Die Studie ergab, dass diese auf demselben Wirkprinzip wie medizinische Kompressionsstrümpfe beruhenden Strümpfe geeignet sind, das auf Langstreckenflügen auftretende Economy-Class-Syndrom effektiv zu verhindern. Von über 200 Probanden erlitt keiner der Strumpfträger eine tiefe Venenthrombose, zehn Prozent der Teilnehmer ohne Reisestrumpf entwickelten hingegen nach dem Flug eine asymptomatische tiefe Venenthrombose im Unterschenkel.
Medizinische Kompressionsstrümpfe werden in vier verschiedene Kompressionsklassen eingeteilt, die sich von einander in der Intensität des Andrucks in Ruhe unterscheiden. Heutige Kompressionsstrümpfe sind aus atmungsaktiven, angenehmen und hautfreundlichen Materialien hergestellt. Es gibt sie in unterschiedlichen Farben, so dass auch modebewusste Patienten keine Kompromisse eingehen müssen. Vor allem Kompressionsstrümpfe der niedrigeren Kompressionsklassen I und II sind kaum noch von modischen Feinstrumpfhosen zu unterscheiden.
Zur Thromboseprophylaxe bei bettlägerigen Patienten werden medizinische Kompressionsstrümpfe nie verwendet. Im Gegenteil entfalten sie ihre volle Wirkung am Besten, wenn der Patient sich bewegt. In der genannten Studie ging es deshalb ausschließlich um so genannte Thromboseprophylaxestrümpfe, die nicht zu den medizinischen Kompressionsstrümpfen gehören.
Diese Strümpfe, auch Antithrombosestrümpfe genannt, werden in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen bei bettlägerigen und frisch operierten Patienten zur Prophylaxe gegen Thrombose eingesetzt. Für aufrecht gehende und sitzende Patienten sind sie wegen des niedrigen Drucks und der Strickweise nicht geeignet. Antithrombosestrümpfe werden aus Erkennungsgründen nur in weiß gestrickt.
Auch Stützstrümpfe dürfen nicht mit Kompressionsstrümpfen verwechselt werden. Sie eignen sich ausschließlich für Venengesunde zur Vorbeugung gegen schwere, müde Beine bei langem Stehen oder Sitzen und auch gegen Reisethrombose. Als Prophylaxemaßnahme werden diese Produkte nicht von den Krankenkassen bezahlt und können bei einer bestehenden Venenerkrankung einen Kompressionsstrumpf auch nicht ersetzen.
„Jeder Strumpf – egal ob medizinischer Kompressions-, Thromboseprophylaxe- oder Stützstrumpf – hat seine Berechtigung“, betont eurocom-Geschäftsführer Dr. Ernst Pohlen. „Während medizinische Kompressionsstrümpfe erwiesenermaßen die beste Therapie bei Venenerkrankungen sind, haben Antithrombosestrümpfe schon bei vielen bettlägerigen Patienten wirkungsvoll die Bildung von Thrombosen verhindert. Sie dürfen deshalb auf keinen Fall zusammen in einen Topf geworfen werden.“













