(openPR) Salzburg Anfang Januar: Kein Schnürlregen, sondern Kälte, leichter Schneefall und dunstiger Nebel, der alles weichzeichnet. Die Besucher meiden die weiten Plätze und sammeln sich alle in der Getreidegasse. Erprobte Fluchtburgen vor dem Gedränge sind die Museen. In der neuen Residenz am Mozartplatz präsentiert sich das Salzburgmuseum (http://www.smca.at) seit dem 1.6.2007 in moderner Ausstattung. Im zweiten Geschoß wird der "Mythos Salzburg" in Form romantischer Landschafts- und Stadtansichten zelebriert, neben der historischen Aufarbeitung der Entwicklung der Stadt unter den Fürstbischöfen bis in die heutige Zeit.
Eine gute Idee ist im ersten Geschoß die Ausstellung "Salzburg persönlich", wo wichtige Salzburger Persönlichkeiten vorgestellt werden, die nicht unbedingt im Blickpunkt der allgemeinen Öffentlichkeit stehen.
Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie wenig bekannt bedeutende regionale Künstlergrößen außerhalb ihres unmittelbaren Wirkungskreises sind, so z.B. Jost Schiffmann (1822-1883), der sogar von 1850-1861 in München tätig war, und der mit Seestücken begann und sich später dem Historismus zuwandte, oder Josef Mayburger (1814-1908), der als bedeutendster Salzburger Landschaftsmaler des 19. Jhdt. bezeichnet wird. Seine Entwicklung ging von biedermeierlich-romantischer Naturschau bis zu gründerzeitlich pompösen Landschaftsdarstellungen.
Ein zeitgenössischer Sonderfall ist Hans Florey (geboren 1931); er verfolgt nicht weniger als ein ganzheitlich-harmonisches Gesetz, das Farben und Töne in mathematische Beziehungen setzt. Heraus kommen in Farbe und Form differenzierte Quadrate, Würfel oder kubische Strukturen, die Farbgesetze, musikalische Harmonie und Geometrie in eine Einheit bringen sollen. Ein interessanter, aber erneut nicht überzeugender Versuch, die ästhetischen Wahrnehmungen des Menschen in ein System zu "bannen", genau so wie die Zwölftonmusik letztlich nicht zu überzeugenden musikalischen Ergebnissen führt, auf denen Floreys Überlegungen fußt.
Ein begabter Aquarellist ist Erich Landgrebe (1908-1979). Der mit Hermann Hesse, Heinrich Böll, Heimito von Doderer und Alfred Kubin befreundete Künstler bevorzugte den "Wald" als Hauptthema, den er durch die Fortschreitung der Zivilisation in existentieller Bedrohung sah.
Nach besonderer Anmeldung gelangt man in den Gottfried-Salzmann-Saal, in dem Werke des 1943 geborenen Künstlers gezeigt werden, der jetzt in Frankreich lebt und farbstarke, halbabstrakte Motive bevorzugt.
Im Untergeschoß ist noch eine Sonderausstellung "Stadt Salzburg - Ansichten aus fünf Jahrhunderten" zu sehen. Wer noch nicht genug hat, möge sich das einzigartige Panoramagemälde von Johann Michael Sattler (1786-1847) ansehen, das auf 125 Quadratmetern die Ansicht der Stadt Salzburg um 1829 zeigt.
Im Übrigen scheint Salzburg seit der Ausstellung im Frühjahr 2007 vom Stephan-Balkenhohl-Virus infiziert zu sein. In einer Nische über dem Ausgang der Altstadtgarage wacht nicht etwa eine Mantelmadonna darüber, dass niemandem ein Stein auf den Kopf fällt, sondern eine verschämte Balkenhohl-Dame in rotem Kleid. Auf dem Kapitelplatz steht ein männliches Pendant auf einer goldfarbenen Kugel in neun Meter Höhe. Der gelassene Gestus macht nicht deutlich, ob er sich der Möglichkeit bewusst ist, herunter zu fallen.
Ein noch höherer Fluchtpunkt aus dem Gewusel der Stadt ist das Museum der Moderne (http://www.mdmsalzburg.at) auf dem Mönchsberg. Der für Millionen von Touristen vom Café Winkler her bekannte Ausblick auf Salzburg ist unverändert, das Café aber einem Restaurant mit mediterraner Küche zu fairen Preisen gewichen - empfehlenswert.
Bis zum 1. Februar läuft noch die Sonderausstellung "Paul Klee - Melodie/Rhythmus/Tanz" in der in zahlreichen Exponaten die Begeisterung Klees für die Musik dargestellt wird. Für Klee-Fans ein Muss, der Verfasser gehört eher nicht dazu.
Bei den übrigen Ausstellungen (Balthasar Burkhard & Naoya Hatakeyama, sowie Karl Geiser, jeweils bis 8. Februar) setzt sich der deutliche Trend des Vordringens der Fotokunst in das Ausstellungswesen fort.
Karl Geiser (1898-1957) war Schweizer Bildhauer und ein "obsessiver" Fotograf der sozialen Realitäten in seiner Heimat und in Italien.
Burkhard (ein 1944 in der Schweiz geborener Fotograf) und der Japaner Hatakeyama (geboren 1958) wurden aufgefordert, jeweils die Bergwelt des anderen Kulturkreises zu fotografieren. Das Ergebnis sind Meisterleistungen der Fotografie und absolut sehenswert.
Wieder unten angekommen wartet noch das Rupertinum als Dependance des MdM mit Nobuyoshi Arakis "Silent Wishes". Wer Sinn für japanische Erotik hat, kommt hier auf seine Kosten.
Etwas enttäuschend ist die Ausstellung "System Mensch", in der kein stimmiges Konzept zum Thema ersichtlich ist. Witzig sind allerdings die Frauenbilder von Dorothee Golz, die fotografierte Personen mit kunsthistorischen Ikonen verquickt, z.B. ein modernes Mädchen mit dem Kopf einer Renaissance-Haube tragenden Dame des 16. Jhdts.
Wer technischen Produkten einen ästhetischen Wert beimisst, wird zum guten Abschluss am Salzburger Flughafen im Hangar 7 befriedigt, in dem der Inhaber von Red Bull seine fliegenden und fahrenden Schätze in einem atemberaubenden Glas-Metall-Gebäude zeigt. Unter dem Titel "HangART-7" werden turnusmäßig auch bildende Künstler präsentiert, die international noch nicht etabliert sind. Die letzte Ausstellung war Künstlern aus Los Angeles gewidmet.
Da Salzburg immer eine Reise wert ist, hier die Vorschau: Vom 28.2. bis 21.6.2009 wird im MdM Georg Baselitz gezeigt, vom 21.2. bis 14.6. Nancy Spiro, eine amerikanische Feministin. Im Rupertinum vom 24.1. bis 19.4. "Günther Brus - Das Grafische Werk", vom 17.2. bis 19.4. Eva Grubinger mit Raumobjektinstallationen und vom 25.4. bis 12.7. Alfred Kubin: "Die Andere Seite".




















