(openPR) Das Flexible Flimmern lädt ein in den Bibliothekssaal des Warburg Hauses.
Zum Film: "Fahrenheit 451" Francois Truffaut, GB 1966
Irgendwo in der Zukunft hat ein totalitärer Staat den Büchern den Kampf angesagt. Literatur gilt als nutzlos, weil in Büchern nur Erfundenes steht. Sie machen die Menschen unglücklich, denn sie erzählen von Not und Leid. Schlimmer noch, die Menschen werden verrückt davon, weil sie beim Lesen in eine andere Haut schlüpfen und in eine fremde Welt eintauchen. Es ist Aufgabe der Feuerwehr, den Staat von Büchern zu säubern. Der Feuerwehrmann Montag hat ein besonderes Gespür für all die ausgetüftelten Verstecke, in denen die Unbelehrbaren ihre Bücher horten. Jeder Einsatz seiner Brigade endet mit einem großen Feuer: Die aufgestöberten Bücher werden restlos zu Asche verwandelt. Als Montag und seine Kollegen zur Villa einer alten Dame ausrücken, entdecken sie in einem Geheimzimmer eine komplette Bibliothek. Als all die großen Werke der Weltliteratur im Foyer aufgetürmt sind, weigert sich die alte Dame, ihre Bücher zu verlassen. Das seien ihre Freunde, die seien lebendig, sagt sie, stellt sich mitten auf den Scheiterhaufen und zündet ihn selbst an. Montag ist von diesem Erlebnis so schockiert, dass er fortan bei Einsätzen heimlich Bücher einsteckt und sie nachts mit zunehmender Faszination liest. Er freundet sich mit Clarisse an, einer ehemaligen Lehrerin, die Kontakt zu Menschen hat, die ganze Werke der Literatur auswendig gelernt und deren Identität angenommen haben. Montags Frau Linda reagiert äußerst befremdet auf den Sinneswandel ihres Mannes. Schließlich denunziert sie ihn. Sein nächster Einsatz mit der Brigade gilt seinem eigenen Haus.
Ray Bradburys Klassiker der Science-Fiction-Literatur lieferte die Grundlage für einen Klassiker des Science-Fiction-Films, der ein Loblied auf die Literatur und die abendländische Kultur anstimmt. Neben Oskar Werner, der mit Truffaut bereits in Jules und Jim (1962) zusammenarbeitete, und der charismatischen Julie Christie in einer Doppelrolle spielen Bücher die Hauptrolle in Fahrenheit 451. Der Filmtitel gibt die Temperatur an, bei der Papier Feuer fängt. Die den Flammen preisgegebenen Bücher zeigt Truffaut in Großaufnahme, jedes einzelne gleichsam wie ein menschliches Porträt, das in einer emotional verkümmerten Welt an das erinnert, was glücklich macht: sich Fantasien hingeben, starke Gefühle spüren, Erinnerungen haben, sich selbst nah sein und sich Freiheiten nehmen - eben das, was Literatur vermag und was ein repressives Regime zu unterbinden sucht.
Bei der Ausstattung seiner futuristischen Welt begnügt sich Truffaut mit einer Schwebebahn und großen Wandbildschirmen in den Wohnzimmern. Das rote Feuerwehrauto und seine schwarzuniformierte Mannschaft scheinen hingegen eher aus der Vergangenheit als aus der Zukunft zu entstammen. Grau-rote Farbästhetik, die dynamisch-aufstörende Musik und die an Hitchcock orientierte untergründige Spannung geben dem Film sein besonderes Gepräge. Als Kameramann fungierte übrigens Nicolas Roeg, der später Filme wie Wenn die Gondeln Trauer tragen, Der Mann, der vom Himmel fiel oder Track 29 drehte. Eine erschreckend einfache und deshalb umso grausamere Utopie einer Welt ohne Bücher.
Nur ein Termin:
Dienstag 9. Dezember
Einlass 20 Uhr Filmbeginn 21:00 Uhr
Um Reservierungen für den Kinoabend wird gebeten.
per Mail an:
Der Ort:
Das Gebäude der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg in der Heilwigstraße 116 (2 Minuten entfernt von der Ubahn Kellinghusenstr.) wurde 1925-26 von Gerhard Langmaack unter Mitwirkung von Fritz Schumacher errichtet. Hinter der an die großen Staatsbauten Schumachers erinnernden Backsteinfassade entwickelt sich ein rational durchgegliederter Baukörper aus dem dreigeschossigen, zur Straße gelegenen Bürotrakt, dem viergeschossigen Bücherturm und dem ellipsoiden, in den Garten reichenden Lesesaal.
Der Bauherr, Aby M. Warburg hatte als Erbe der traditionsreichen Hamburger Warburg-Bank auf seine Anrechte verzichtet und Kunstgeschichte studiert. Die von ihm seit 1903 aufgebaute Bibliothek, die zunächst im Privathaus in der Heilwigstraße 114 untergebracht war, widmete sich der Erforschung eines von der offiziellen Wissenschaft bisher übersehenen Gebietes: dem "Nachleben der Antike". Die über der inneren Eingangstür in Stein gemeisselte Inschrift MNEMOSYNE (gr. 'Erinnerung') nimmt darauf Bezug. Mit dem Umzug in den Neubau erhielt die Bibliothek den Status einer halböffentlichen Institution und entwickelte sich zu einem auch über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannten "Laboratorium des Geistes", das zahlreiche bedeutende Gelehrte anzog.
1933 mußte die Bibliothek, die inzwischen auf 60.000 Bände angewachsen war, vor den nationalsozialistischen Machthabern nach London in Sicherheit gebracht werden, wo sie noch heute als "Warburg Institute" fortbesteht. Nach fünfzig Jahren kommerzieller Nutzung - u.a. drehte man hier die erste Tagesschau - hat die Freie und Hansestadt Hamburg 1993 das Gebäude erworben und renoviert; denkmalgerecht wiederhergestellt wurde der ovale Lesesaal, Warburgs "Arena der Wissenschaft". Mit Vortragsreihen, Stipendien und einer "Warburg-Professur" will die Aby-Warburg-Stiftung, die das Haus unterhält, an die kulturwissenschaftlichen Forschungen des Bibliotheksgründers anknüpfen. Ferner sind hier Abteilungen des Kunstgeschichtlichen Seminars untergebracht: die Forschungsstelle Politische Ikonographie mit ihrem "Bildindex" und dem Gemeinschaftsprojekt Warburg Electronic Library (in Zusammenarbeit mit der TU Hamburg-Harburg), das Graduiertenkolleg zur Politischen Ikonographie sowie das Warburg-Archiv mit dem Archiv zur Wissenschaftsemigration.
http://www.warburg-haus.de
Stöbert schön in eurem Leben
Holger
Flexibles Flimmern - Filme in Bewegung
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