(openPR) 12 Jahre, drei Auslandseinsätze, ein Studium – dann gehen viele deutsche Zeitoffiziere nach Hause. Sie verlassen die Bundeswehr Richtung freier Wirtschaft. In Zeiten von drohender Wirtschaftskrise müssen sie sich gerade heute richtig auf ihre Zeit nach dem Bund vorbereiten. Für wen eine Promotion nicht in Frage kommt, der macht einen MBA. Derzeit gibt es drei spezielle Programme, die sich auf die Zielgruppe der Zeitoffiziere konzentrieren.
Der Vergleich
Da jetzt für die Zeitoffiziere der Bundeswehr drei verschiedene Anbieter am Start sind, gilt es diese zu vergleichen. Für die Offiziere, die hauptberuflich bei der Bundeswehr ihren harten Dienst versehen und in den Auslandseinsätzen eingesetzt sind, kommt es in erster Linie darauf an, ihre kostbare Freizeit sinnvoll einzusetzen. Außerdem gilt es zu prüfen welche Inhalte der jeweilige Studiengang bietet, zudem spielen die Reputation der Universität und natürlich die Kosten eine Rolle. Zusammenfassend sollen folgende Kriterien untersucht werden: Organisation und Durchführung, Bundeswehrerfahrung, Studieninhalte, Kosten, Auslandsaufenthalt, Sprache, Reputation und Karrierechancen, Bekanntheitsgrad, Akkreditierung, Besonderheiten.
Koordination
Die Organisation und Durchführung ist bei allen drei Anbietern ähnlich aufgebaut. Alle gestalten ihr Studium in einer berufsbegleitenden, einer Präsenzphase und einer abschließende Masterarbeit. Unterschiede bestehen darin, wie häufig die Teilnehmer in den ein bis zwei Jahren vor dem Ausscheiden am Hochschulstandort erscheinen müssen. Reutlingen setzt neben sechs Wochenendpräsenzen in dieser Phase stark auf das Fernstudium, um die Anwesenheit zu reduzieren und hat neben München auch eine Zweigstelle in Hamburg errichtet. Die sechsmonatige Präsenzphase findet daher neben Reutlingen an diesen Orten statt. Beim Deggendorfer Programm sind die Präsenzphasen in Wochenendblöcken in Deggendorf und in München im ersten Semester. Der Rest des zweiten und des dritten Semesters bildet eine zehnwöchige Präsenzphase in München plus drei Wochen Auslandsaufenthalt. Das vierte Semester besteht aus der Masterarbeit. Insgesamt sind 19 Workshops a zwei Tage und zehn Wochen Präsenzphase plus zehn Tage mit Aufenthalt im Ausland vorgesehen.
Das Programm der Hochschule Kempten beinhaltet neben sechs Wochenendseminaren zusätzlich zwei Präsenzwochen in Kempten. Die Präsenzphase erstreckt sich über drei Monate in Kempten und weiteren sechs Wochen im Ausland.
Erfahrene Studiengangsleiter
Alle Studiengangsleiter haben Erfahrungen mit der Bundeswehr. Prof. Stefan Busch ist ehemaliger Zeitsoldat und unterrichtet seit mehreren Jahren an der ESB Reutlingen. Prof. Dr. Rainer Marr bringt als Vorstandsvorsitzender der Gfw seine Erfahrungen als emeritierter Professor der Universität der Bundeswehr München in Deggendorf mit ein. Und in Kempten ist mit Prof. Dr. Martin Göbl ebenfalls ein ehemaliger Zeitsoldat Studiengangsleiter des MBA Studiengangs, der mit Herrn Etschmann einen langjährigen Mitarbeiter (und Oberstleutnant d. Res.) der Gfw an seiner Seite hat.
Auswahlverfahren
Alle Hochschulen verlangen von den Teilnehmern mindestens zwei Jahre Berufserfahrung in der Bundeswehr, ein abgeschlossenes Studium sowie bestimmte Englischkenntnisse. Meist weisen die angehenden Studenten ihre Kenntnisse durch ein Bewerbungsgespräch an der jeweiligen Hochschule nach.
Inhalte der Programme
Die Studieninhalte der Programme integrieren alle wichtigen Fächer des „General Management“. Eine Besonderheit bietet das Programm von Kempten. Neben dem generellen Studiengang „International Business Management and Consulting“ gibt es Vertiefungen in „Projekt Management“, „Human Ressources“ und „Logistics Management“. Programmplaner Prof. Göbl erläutert: „Mit diesen Fächern haben ehemalige Zeitoffiziere die besten Karrierechancen, da sie darin am besten ihre Berufserfahrung nutzen können. Wir sind der Meinung, dass für generalistisch tätige Offiziere eine Spezialisierung vor dem Berufseinstieg von hoher Bedeutung ist.“ Auch Reutlingen hat jetzt die Spezialisierungsidee aufgenommen. Es bestehen die Möglichkeit zwischen den Schwerpunkten „Marketing und Sales“, „International Management Consulting and Leadership“ und „International Finance and Control“ zu wählen. Weiterhin bietet Kempten auch einige Wahlfächer, um möglichst jedem Teilnehmer den für ihn höchsten Nutzen zu generieren. Durch den Abschluss bestimmter Wahlfächer in Verbindung mit einer weiteren Veranstaltung kann der Teilnehmer zusätzlich den Abschluss „Business Mediator“ erlangen.
Kosten annähernd gleich
Die Kosten belaufen sich in Reutlingen und Deggendorf auf 15.800 Euro, in Kempten auf 15.500 Euro. Die Teilnehmerzahl ist bei den Studiengängen in Kempten und Deggendorf auf 25 pro Kurs beschränkt. Reutlingen bietet 50 potentielle Teilnehmer an pro Jahr zu zwei Startterminen an.
Internationale Ausrichtung
Bei allen Programmen können die Teilnehmer einen Auslandsaufenthalt während des MBA Programms durchführen. In Kempten und Deggendorf ist er allerdings fester Bestandteil des Programms. Die Teilnehmer aus Kempten gehen nach der Präsenzphase in Kempten für sechs Wochen ins Ausland nach Südafrika, Australien oder USA und können darüber hinaus, auch ihre Masterarbeit im Ausland anzufertigen. Der Auslandaufenthalt in Deggendorf beläuft sich auf drei Wochen in Großbritannien. In Reutlingen können die Studenten ihre Masterarbeit im Ausland anfertigen.
Englisch wird wichtiger
In Reutlingen wird der Großteil der Veranstaltungen auf Deutsch abgehalten. Professor Busch von Reutlingen begründet: „90 Prozent unserer Absolventen werden nach dem Abschluss für deutsche Firmen arbeiten, auch international. Deshalb müssen sie die wichtigsten Begriffe der Wirtschaft erst einmal auf Deutsch lernen. Die Fernstudienphase zu Beginn ist daher auf Deutsch. Das halbe Jahr Präsenzphase ist auf Englisch.“ In Deggendorf ist es ähnlich. Der dortige Studienleiter Prof. Marr dazu: „Wenn deutsche Dozenten deutschen Studenten englischsprachige Lehrveranstaltungen anbieten, ist das häufig mit einem erheblichen Informationsverlust verbunden, vor allem wenn es nicht nur um Wissensvermittlung, sondern um Problemreflexion geht. Wir haben daher den Englischanteil auf 25% - 30% beschränkt, um Sprachbarrieren und entsprechende Informationsverluste möglichst gering zu halten. Der Schwerpunkt liegt auf der Sammlung individueller Erfahrungen im Umgang mit „native speakers“ im Rahmen des obligatorischen Auslandsaufenthalts.“
Kempten hat einen internationaleren Ansatz. Das Programm wird komplett in englischer Sprache durchgeführt. Selbst die Homepage und die Werbeflyer sind ausschließlich in englischer Sprache verfasst. Prof. Göbl von der Hochschule Kempten erklärt diesen Schritt: „Sehr gute Englischkenntnisse sind für Führungspositionen in der freien Wirtschaft zwingende Voraussetzung, die man am besten durch ein englischsprachiges Studium und einen Auslandsaufenthalt erhält. Dies ist aus meiner Sicht Pflicht für einen internationalen Abschluss wie den MBA“
MBA Erfahrung vorhanden
Alle Anbieter besitzen große Erfahrung im Bereich der MBA Ausbildung, da Sie seit einigen Jahren mehrere weitere MBA Programme anbieten. So sind es in Reutlingen 150, in Deggendorf etwa 100 und Kempten über 50 MBA Teilnehmer pro Jahr (ohne Offizier MBA). Obwohl alle Standorte bezüglich der Rankings ihrer normalen Diplomstudiengänge werben, liegt noch kein Ranking bezüglich der MBA Abschlüsse vor. Alle Anbieter weisen darauf hin, dass die Teilnehmer nach dem MBA Abschluss eine deutlich steilere Karriere hingelegt haben und sich deren Karrierechancen dadurch enorm verbessert haben.
Reputation unterschiedlich
Den Bekanntheitsgrad der einzelnen Hochschulen kann man schwer beurteilen. Reutlingen und Deggendorf genießen aufgrund der Rankings einen guten Ruf. Auch die Kemptener Ergebnisse sind gut, wobei die Allgäuer Hochschule eine weniger ausgeprägte Außenwirkung hat als die anderen Hochschulen.
Die Programme in Deggendorf und Kempten sind bereits durch die Foundation for International Business Administration Accreditation (FIBAA) akkreditiert. Das Programm aus Reutlingen befindet sich in der Vorbereitung dazu. Eine solche Akkreditierung dient als Gütesiegel für den jeweiligen Studiengang. Unabhängige Institute wie FIBAA bescheinigen den Programmen die Wissenschaftlichkeit.
Networking der Absolventen
Besonders zu erwähnen ist in Reutlingen die Alumni Organisation sowie deren Firmenforum, bei dem sie Firmen und Teilnehmer zueinander bringen. Das Produkt aus Kempten bietet neben vielen Firmenkontakten noch weitere – speziell auf die Zielgruppe zugeschnittene – Vorteile. Es wird im Rahmen der ersten Phase ein dreitägiges Karriereseminar durchgeführt, bei der Personalleiter, Personalberater und Alumni Vertreter teilnehmen. Weiterhin haben sie hinsichtlich der zeitlichen Struktur den Vorteil geschaffen, dass Teilnehmer auch Kurse in den nicht Offizier-MBA Studiengängen nachholen können, falls Teilnehmer durch einen Auslandsaufenthalt verhindert sind oder bereits früher mit ihrer Karriere in der freien Wirtschaft beginnen wollen. Teil des Programms ist auch eine 1,5-wöchige Projektwoche, bei der die Studenten mit Managern aus der freien Wirtschaft bei Unternehmen aktuelle Studien bearbeiten, um den Offizieren bereits frühzeitig die notwendigen Erfahrungen und Kontakte zu vermitteln. Darüber hinaus hat Kempten die Bundeswehreinrichtungen in der Umgebung zwecks Übernachtungsmöglichkeiten eingebunden.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass alle Programme eine solide MBA Ausbildung anbieten, die in ihrem Aufbau genau auf die ausscheidenden Zeitoffiziere zugeschnitten sind. Reutlingen hat die höchste Erfahrung im Bereich des Offizier MBAs, da deren Programm bereits seit einiger Zeit läuft. In Deggendorf wurde dieses Jahr der erste Durchgang gestartet, so dass noch keine Erfahrungen vorliegen. Auch die mangelnden verfügbaren Informationen im Internet erschweren die Bewertung. Erwähnenswert ist das neue Kemptener Programm, bei dem man merkt, dass viele Wünsche und Anregungen der bisherigen Ausbildung eingeflossen sind. Die englische Sprache und der Auslandsaufenthalt lehnen sich stark an den internationalen MBA Abschlüssen an und schaffen die internationale Vergleichbarkeit und Berufschancen.
Mittlerweile hat damit der Wettbewerb auch bei Offizier MBA Studiengängen Einzug erhalten. Dies wirkt sich positiv auf die Qualität der Angebote aus. So hat nicht nur Reutlingen sein Produkt verbessert, sondern die Hochschule Kempten ein perfekt auf die Bedürfnisse der Offiziere zugeschnittenes MBA Programm ins Leben gerufen.



