(openPR) Nach einem Minus im Vorjahr geht der Bundesverband Direktvertrieb davon aus, dass sich die Umsätze im Jahr 2008 wieder positiv entwickeln werden. „Mit einem leichten Umsatzrückgang von 0,33 Prozent liegen unsere Mitgliedsunternehmen nach dem ersten Halbjahr 2008 fast auf Vorjahresniveau“, sagte Wolfgang Bohle, Geschäftsführer des Bundesverbandes Direktvertrieb, auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes in Nürnberg. „Nachdem unsere international tätigen Direktvertriebsunternehmen in den vergangenen Jahren verstärkt in neue Märkte investiert haben - vor allem in Osteuropa, aber auch in Asien und Südamerika - richtet sich der Fokus nun wieder stärker auf den deutschen Markt.“
Von Januar bis Juni 2008 wurden Waren und Dienstleistungen im Wert von gut 869 Millionen Euro über den Direktvertrieb verkauft - gegenüber gut 870 Millionen im 1. Halbjahr 2007. „Traditionell ist das zweite Halbjahr im Direktvertrieb sehr viel stärker, so dass wir nach der deutlichen Aufwärtsentwicklung einzelner Produktgruppen von Januar bis Juni für das Gesamtjahr ein leichtes Plus erwarten“, so Bohle.
Aufgrund der Direktvertriebsstudie der Prognos AG aus dem Jahr 2005 geht der Verband davon aus, dass der Direktvertrieb von Konsumgütern an private Endkunden in Deutschland ein Volumen von etwas über 8 Milliarden Euro hat. Diese verteilen sich auf ca. 100 bis 150 Unternehmen, wobei der Bundesverband mit 34 Mitgliedsunternehmen die führende Branchenorganisation ist. Auf der Mitgliederversammlung in Nürnberg am 11./12. September 2008 bewerben sich weitere drei Unternehmen um die Aufnahme in den Verband.
Getrübt wird das Halbjahresergebnis durch die rückläufige Zahl der Außendienstmitarbeiter, die zu über 90 Prozent als selbstständige Handelsvertreter tätig sind. Beschäftigten die Mitgliedsunternehmen des Bundesverbandes Ende 2007 noch rund 177.000 Außendienstmitarbeiter und -mitarbeiterinnen, sind es Ende Juni 2008 nur noch 165.000 gewesen. Da die Umsatzentwicklung im Direktvertrieb eng an die zahlenmäßige Stärke des Außendienstes gekoppelt ist, hätten die im ersten Halbjahr erzielten Umsätze also noch deutlich höher sein können.
Aus Sicht des Bundesverbandes haben die rückläufigen Zahlen auch arbeitsmarktpolitische Gründe. So mangele es bei Behörden und Arbeitsagenturen an der Bereitschaft, selbstständige Beschäftigung mehr zu fördern. Besonders kritisch äußerte sich der Verband zur Zahl der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse. Diese sind laut Angaben der Deutschen Rentenversicherung im Jahr 2007 auf 6,6 Millionen gestiegen – gegenüber 2006 ist das ein Anstieg um 3,3 Prozent.
Viele Arbeitgeber, so Bohle, hätten in den letzten Jahren zehntausende Stellen zugunsten geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse abgebaut. Statt unternehmerische Verantwortung zu übernehmen und den Menschen eine Perspektive zu bieten, gehe es vielfach nur um die Einsparung von Personalkosten. „Dagegen bietet der Direktvertrieb seinen Mitarbeitern die Chance zu einer selbstständigen Tätigkeit und zu beruflicher Weiterentwicklung - jenseits von Minijobs und Hartz IV. Zudem kann eine Außendiensttätigkeit im Direktvertrieb nebenberuflich ausgeübt werden, und die Verdienstmöglichkeiten steigen proportional zum Umsatz. Bei Minijobs dagegen stehen die tatsächliche Arbeitszeit und die Höhe der Entlohnung in einem krassen Missverhältnis“, sagte Bohle.
Der Bundesverband Direktvertrieb fordert daher, die rasante Ausbreitung geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse zu stoppen und den Schritt in die Selbstständigkeit stärker zu fördern, zum Beispiel durch einfachere und schnellere Genehmigung des Gründungszuschusses. „Einerseits wird die niedrige Selbstständigen-Quote in Deutschland beklagt; andererseits werden in Folge der Veränderungen auf den europäischen Arbeitsmärkten zahlreiche Tätigkeitsbereiche im Rahmen der Selbstständigkeit herablassend als prekär, also als unsicher und bedenklich, bezeichnet. Das baut bei denjenigen, die an einer selbstständigen Tätigkeit im Direktvertrieb interessiert sind, psychologische Hemmschwellen auf“, erklärte Bohle.










