(openPR) Web 2.0, Internet, E-Mail – seit mehr als 15 Jahren bestimmt die digitale Welt unser tägliches Leben. Die meisten Menschen nehmen die Errungenschaften des Internets als mehr oder minder gern genutzte Hilfsmittel im Büroalltag hin. Nur wenige haben erkannt, dass eine Revolution auf leisen Sohlen daherkommt. Schon jetzt ist nichts mehr, wie es einmal war, denn die Zukunft hat begonnen. Die digitale Kommunikation hat und wird nicht nur den Büroalltag revolutionieren. Nur die wenigsten werden sich ein Büroleben ohne E-Mailverkehr und Internetrecherche vorstellen können, aber das ist nur der Beginn eines digitalen Umbruchs in der Kommunikation und im Alltag an sich. Jetzt werden die Weichen gestellt, jetzt muss man sich mit der digitalen Welt auseinandersetzen, denn wer jetzt den Zug verpasst, wird ihn nur schwer wieder erreichen können.
Blogs, Wikis, Chatrooms klingen vertraut für moderne Ohren. Die meisten Internetuser haben davon gehört, viele nutzen es bereits zum Gedankenaustausch, zum Recherchieren oder zum Einkauf im Internet. Doch das Internet ist keine Einbahnstraße – ausschließlich in Richtung Verbraucher. Ganz im Gegenteil. Immer mehr werden die Konsumenten zum „Prosumenten“. Sie konsumieren, nutzen nicht nur ein fertiges Produkt, sondern sind an der Herstellung von Waren und Dienstleistungen direkt beteiligt. Häufig unentgeltlich, vermehrt aber auch schon gegen Bezahlung. Allmählich entstehen neue Formen der Werbung und Kommunikation an sich. „User generated Advertising“ heißt das Ergebnis. Mit anderen Worten, der Kunde macht seine Werbung selbst. Alt bekannte Grenzen verwischen. Kommunikation und Marktforschung beispielsweise – früher einzelne, streng voneinander abgegrenzte Disziplinen – wachsen zusammen. Der Kunde ist nicht nur an der Gestaltung von Werbung, von Kommunikation beteiligt, sondern er bewertet und kommentiert das Ergebnis gleich mit.
Crowd sourcing ist für viele eine Revolution im Marketing. Hier wird auf das Prinzip „Weisheit der vielen“ gesetzt. Ein gutes Beispiel für das Auslagern auf die Intelligenz der Vielen ist „Wikipedia“. Hier schreiben Millionen Internet-User an einer umfassenden Enzyklopädie – übrigens mit der gleichen niedrigen Fehlerquote wie die weltberühmte „Encyclopedia Britannica“. Ein praktischer Versuch zeigt das Funktionieren der „Weisheit der vielen“. In einem Bauerndorf werden drei professionelle Fleischer gebeten, das Gewicht eines Bullen ebenso zu schätzen wie 100 Dorfbewohner. Das erstaunliche Ergebnis: Der Mittelwert der von den Dörflern geschätzten Werte erwies sich als genauso nah am tatsächlichen Gewicht, wie die Schätzungen der Fleischer. Diese Form der Schwarmintelligenz gilt für viele Bereiche –für den Forschungs- und Wissenschaftsbereich ebenso wie für die Werbung.
Was zunächst als reines Vernetzen von Menschen, als Kommunikationsbörse im Stil von Xing oder StudiVZ begann, entwickelt sich immer mehr zu neuen Formen des inhaltlichen Mitgestaltens. Junge aufstrebende Unternehmen haben eine Entwicklung angestoßen, deren Ziel noch nicht absehbar ist. Denn sie sind schon einen Schritt weiter. „Paid user generated Content“ heißt ihre Devise und damit gilt: Auch auf diesem Feld wird mit dem Internet Geld verdient. Gerade im kreativen Bereich lässt sich die „Weisheit der vielen“ bestens nutzen. „Connecting creatives“ heißt die Formel, die das Zeug hat, unser Verständnis von Kreation und Kommunikation zu revolutionieren. Dieser Gedanke besticht durch seine Klarheit und effiziente Umsetzung. Kreative sind nicht nur in einem social network miteinander verbunden, tauschen sich aus oder halten Kontakt. Nein, sie arbeiten zusammen an einem Projekt, bewerten Ihre Arbeit, helfen sich. Und das nicht nur in kleinen Gruppen von drei oder vier, sondern zu hunderten oder tausenden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Vom Wissenstransfer führt der Weg zu intensiverer Zusammenarbeit und damit zu kollektiver Intelligenz und besseren Ideen. Die Arbeit wird effizienter und macht mehr Spaß. Mehr noch: Ähnlich den bekannten ebay-Bewertungen werden gute Ideen benotet und so kristallisiert sich die Idee heraus, die vom allgemeinen Sachverstand der Community für die beste Idee gehalten wird. Entwicklung und Marktforschung in einem.
Erstaunlich ist, dass die jungen Kreativen nicht etwa nur für einen handverlesenen Insiderkreis Technikverliebter werkeln, sondern, dass sich führende Unternehmen für eine Zusammenarbeit mit ihnen interessieren. Das aufgeschlossene, begabte und technikversessene junge Leute etwas bahnbrechendes entwickeln ist so neu nicht. Das besondere, das revolutionäre daran ist, dass große Unternehmen und Konzerne die Neuerungen nicht bekämpfen und kleinreden, sondern immer häufiger Ideen schnell aufnehmen und adaptieren. Das gilt sowohl für die Idee des „connecting creatives“ als auch für die Ideen des Crowd sourcings. Kritik in Online-Communitys etwa wird eben nicht als lästiges Stören empfunden, das es zu bekämpfen gilt. Vielmehr wird es von klugen Unternehmen so aufgefasst, wie es gemeint ist: als konstruktive Kritik des mündigen Verbrauchers, der treu zu seiner Marke steht. Immer mehr Unternehmen erkennen diese neue Art der Zusammenarbeit.
Meine These: Crowd sourcing wird praktisch jeden Bereich der globalen Wirtschaft erfassen – nicht nur der Werbung – und traditionelle Unternehmensstrukturen als wichtigste Triebkraft für die Erzeugung von Wohlstand ablösen. Es bleibt spannend!
Quelle: Gastbeitrag im absatzwirtschaft biznet
http://www.absatzwirtschaft-biznet.de












