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Unified Communications - eine Bestandsaufnahme

04.09.200816:54 UhrIT, New Media & Software

(openPR) Ist Unified Communications wirklich etwas Neues? Jedenfalls hat Microsoft mit seiner Marketing-Maschinerie ein Schlagwort (kurz UC), das wir bisher unter Unified Messaging oder Advanced Unified Messaging positioniert haben, neu definiert und stark verbreitet. UC ist zum Hype-Thema und somit auch zum Thema in den Führungsetagen geworden. So sehen es jedenfalls die Analysten - immerhin hält nach aktuellen Studien eine überwältigende Mehrheit der CIO´s im ITK-Bereich den Einsatz von UC in ihrem Unternehmen für zweckmäßig. Auch die Integration von verschiedenen Kommunikationskanälen finden 80 Prozent der Studien-Teilnehmer sinnvoll. Die prognostizierten Wachstumsraten sind enorm. 70 Prozent der befragten CIO´s sehen einen Mehrwert in der Integration von UC-Funktionen in Office-Umgebungen.



Was war - was kommt?
Bisher setzen wir Fax, Voice Mail, E-Mail, SMS-Lösungen, CTI, Call Center, IVR Systeme und Voice Conferencing sowie Web-Collaboration-Tools ein. Auch Chat und Live-Meetings sowie Instant Messaging sind nichts wirklich Neues. Also fragt man sich: Wo liegt das Geheimnis von UC?

Leider gibt es keine allgemeingültige Definition von Unified Communications: Die meisten Hersteller von (Tele-)Kommunikationsanlagen oder Kommunikationssoftware nennen ihre bestehende Lösung jetzt „Unified Communications Lösung". Das macht es nicht einfacher und lässt den Begriff von UC schwammig werden. UC darf nicht einfach nur als Vehikel genutzt werden, um alte Techniken gegen funktionsgleiche neue auszutauschen – etwa Telefon gegen IP-Telefon oder neue Rechner und Software zu vermarkten.

Was ist neu an UC?
Hinter Unified Communications verbirgt sich aber, spätestens nach dem Einstieg von Microsoft in den UC-Markt, mehr. UC fordert neben den klassischen Fax-, Voice-, und CTI-Funktionalitäten zusätzlich ein integriertes Presence-Management, Kalender-Integration, Instant Messaging sowie verschiedene Collaboration-Mechanismen für Video- und Voice-Conferencing. Die Art der Endpunkte wird hierbei immer flexibler: IP-Telefone am Arbeitsplatz, Soft-Clients auf Laptop sowie MDA oder gehostete Browser-Clients. Natürlich mit Sprachsteuerung und über jedes angeschlossene Device nutzbar. Der Mail-Client wird um Communicator-Funktionen und Dial- / Presence-Plugins erweitert, um die komplette Funktionspalette nutzbar zu machen. „Green IT“ wird durch die Nutzung von neuen Web-Collaboration-Funktionen unterstützt, Reisetätigkeiten können reduziert werden. In einer nächsten Ausbaustufe sollen auch ACD-Funktionalitäten bei Microsoft verfügbar werden. Der entscheidende Part ist und bleibt aber die Integration in die Workflows und in kommerzielle Applikationen wie Office-, ERP- oder CRM-Systeme.

Microsoft im Vorteil
Software-Gigant Microsoft hat hier sicherlich einen entscheidenden Vorteil und setzt sich zum Ziel, Komponenten und Funktionalitäten von UC in allen Client- und Anwendungsplattformen zu integrieren. Das fällt Microsoft sicherlich leichter als jedem Drittanbieter: Ein homogenes Konzept und alle Schnittstellen stehen offen zur Verfügung. Mit der Marktdurchdringung werden mit jedem neuen Release UC-Funktionen einfach „mitgeliefert“ und dadurch eine Begehrlichkeit geweckt, diese auch einsetzen zu können.

Schönheitsfehler bei Microsoft
Die UC-Produkte von Microsoft decken aber in einigen Bereichen noch nicht alle Anforderungen ab. Derzeit gibt es keine Lösung für den Versand von Telefaxen, hier können beispielsweise Third-Party-Produkte, wie wir sie anbieten, integriert werden. Für den Bereich sprachgesteuerte Voice-Mail ist eine deutsche Spracherkennung noch nicht verfügbar. Daneben hat sich Microsoft die Anschaltung an herkömmliche Telefonanlagen nicht auf die Fahne geschrieben: Es wird nur SIP (per TCP) unterstützt. Hier bleibt es uns Integratoren überlassen, Call-Control-Gateways zur SIP-Signalisierung an die CSTA-Schnittstelle herkömmlicher PBX`en anzuschalten, um CTI-Funktionen auch für normale Telefone an einer TK-Anlage im Communicator-Client verfügbar zu machen.

Nicht vergessen sollte man auch, dass die ITK-Landschaft durch das komplexe Zusammenspiel der unterschiedlichsten Server und Funktionalitäten immer unübersichtlicher und komplexer in der Wartung wird. Alleine für einen Office-Communication-Server 2007 und Exchange 2007 mit Voice in einer UC-Umgebung können zwischen vier und sieben oder mehr verschiedene Server-Systeme notwendig werden.

Erhöhter Beratungsbedarf
Es ist klar zu erkennen, dass der Beratungsbedarf enorm wächst, um nicht schon in der Planungsphase einen falschen Weg einzuschlagen. UC gibt es nicht von der Stange: "1 Stück Unified Communications", wie es häufig in Ausschreibungen gefordert wird, gibt es so nicht. Um die neue Lösung implementieren und erfolgreich integrieren zu können, braucht es kompetente Dienstleister. Diese müssen bereits langjährige Erfahrungen in Betrieb und Implementierung haben, sowohl im VoIP-Infrastruktur-Umfeld als auch in der kompletten IT-Landschaft. Auch das Thema Sicherheit bei Sprache über IP gewinnt durch die Bereitstellung dezentraler Services und der Integration dezentraler Endpunkte zunehmend an Bedeutung.

Resümee
- UC ist kein Produkt, sondern eine Lösung.
- UC gibt es nicht von der Stange.
- UC ist komplex und benötigt Integratoren.
- UC ist nicht VoIP und benötigt es nicht unbedingt.
- UC kann auf Standard-Produkten basieren.
Lassen Sie sich nicht von der scheinbaren Einfachheit blenden, sondern nutzen Sie gezielt die neuen Möglichkeiten von UC!

Dipl.-Ing. Matthias Stender, Geschäftsführer datac Kommunikationssysteme GmbH

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