(openPR) Hiermit widerspreche der Meldung vom 28.04.2008, openpr.de/news/ 206965.html .
Die McDonald's Ukraine Ltd. plant nicht eine Neueröffnung eines neuen Fast Food Restaurants vor den Toren Tschernobyls. Bei dem McDonald's Bauschild handelt es sich um eine Kunstaktion der Berliner Künstler Richard Schwarz und Rainer Macher.
Richard Schwarz über die Kunstaktion:
Am 22. April 2008 (4 Tage vor dem 22 Jahrestag der Katastrophe), fuhr ich zusammen mit Rainer Macher nach Tschernobyl um vor den Toren dieses historischen Ortes ein gefälschtes, aber orginal wirkendes, Bauschild anzubringen. Dieses kündigt in ukrainischer wie englischer Sprache die Enstehung eines neuen Restaurants der weltweit größten Fastfood Kette an: "??????????? ????? ????????...??? ????????????? ??? ?????!"/"NEW STORE UNDER CONSTRUCTION ... to serve you better in 2008!". Es behauptet ebenso das das Projekt von den Ukrainischen Fonds für Regionale Entwicklung kofinanziert wäre: "?????? ??????????????? ??????????????????????.
?????????? ????? ????????????? ????????.". Das Schild ist an der Hauptzufahrtsstrasse, 1,5 km vor dem ersten Kontrollpunkt der radioaktiv verseuchten Sperrzone, an einer alten Mauer mit Relief, welche Besucher in Tschernobyl willkommen heisst, befestigt.
Die Installation wurde geplant und gebaut in Berlin, mittels Zug und Pkw zum Ort transportiert und dort dauerhaft installiert.
Im Oktober 2007 besuchte ich zusammen mit R. Macher das Sperrgebiet zum ersten mal. Wir wollten diese Gegend sehen und fotografieren, vor allen Dingen erleben. Im Vorfeld recherchierten wir über die Gefahren und Risiken unseres Vorhabens. Allerdings ohne schlüssiges Resultat. Wissenschaftliche Analysen beschreiben einerseits eine Überbewertung früher Ansichten, d.h. die radioaktive Belastung sei früher zu hoch eingestuft worden, andererseits fanden wir ebenso viele Studien, die das Gegenteil aussagen. Auch aus Gesprächen mit Angestellten des Tschernobyl Museums in Kiew ging nichts klärendes hervor, ausser das seit geraumer Zeit Geigerzähler vom Markt genommen wurden und nicht mehr offiziell zu erstehen wären. Das widerum dementierte unser persönlicher Führer vor Ort und zur radioaktiven Belastung äusserte er sich eher beschwichtigend: Er wohnt seit 8 Jahren in der Zone und fühlt sich kerngesund, wesentlich agiler als seine Bekannten in Kiew. Ihm sind auch keine so oft beschriebenen Mutationen an neugeborenen Kindern (ein Kind wurde Ende der Neunziger in der Sperrzone geboren) und Tieren bekannt. Er lebt gerne "vor Ort", inmitten einer sich regenerierten Natur, er hat einen Job und eine bessere finanzielle Situation als er sich ausserhalb der kontaminierten Zone erhoffen könnte.
Er kannte die Gegend wie seine Westentasche und führte uns an Orte die keine oder eine sehr geringe radioaktive Belastung aufwiesen. Er führte uns allerdings auch zu Bereichen die sehr stark strahlten und erklärte uns, das an warmen Sommertagen die Strahlung auf einzelnen Dächern (der verlassenen Stadt Prypiat) so stark ist, dass man sie süsslich auf den Lippen schmecken kann.
Die Summe der radiaktiven Belastung, die wir an unserem Tagausflug erfuhren wäre seiner Meinung nach geringer als die bei einem Überlandflug.
Am Ende wissen wir nicht, ob wir mit Spätfolgen, z.B. der Strahlenkrankheit, zu rechen haben oder nicht.
Die Sperrzone wirkte auf uns wie eine fast normale Gegend (abgesehen von der verlassenen Stadt Prypiat, der gewaltigen Kernkraftwerkanlage und der radiaktiven Strahlung), mit einer starken Fluktation von Anwohner, Arbeitern, Wissenschaftlern und Besuchern. In ihr existieren sämtliche Berufsstände (Einzelhandel, Polizei, Feuerwehr, Bauarbeiter, Köche, Fuhrunternehmer, usw.), wie eine funktionierende Infrastruktur. Seit mehreren Jahren öffnet sich die Gegend dem Tourismus, veschiedene Agenturen bieten Bustouren in die Sperrzone an, die Preise varieren zwischen 60 und 400 € je nach Anbieter, Service und Dauer des Aufenthalts.
Wir haben das Gefühl das die tatsächliche Gefahr der radiaktiven Strahlung und vor allem die des drohendem Zerfalls des Sarkophags (die schützenden Betonschicht um die Überreste des Reaktors) regional und international vernachlässigt wird, sie scheint so unsichtbar wie Radioaktivität selbst. Mit unserer Installation provozieren wir durch die Hintertür eine Öffentlichkeit. Ein McDonald's Restaurants an einem radioaktiv verseuchten Ort wirkt absurd, obwohl man es McDonald's zutrauen könnte. McDonald's als das fehlende Puzzleteil in dieser "normalen" Gegend.










