(openPR) Eigentlich sollte es ein „lustiger“ Beitrag über die Marotten deutscher Urlauber in Strandhotels werden. Das Thema: Der „Handtuchkrieg“ oder das fast schon zwanghafte Reservieren von Liegestühlen an Pool und Strand mit Hilfe von Handtüchern. Doch eine zumindest unglückliche Wortwahl bei RTL Explosiv sorgte nun dafür, daß wieder einmal ein sehr negatives Bild türkischer Hotels und ihres Personals gezeichnet wurde. Lesen Sie bei uns, wie Gefälligkeiten gegen Trinkgeld als „Bestechung“ dargestellt werden können.
Der Hintergrund: Ein Team von RTL bittet einen deutschen Journalisten um Hilfe bei der Recherche. Man suche mehrere Hotels, in denen die Marotten deutscher Urlauber aufs Korn genommen werden können. Konkret ging es darum, das fast schon zwanghafte Reservieren von Liegestühlen in erster Reihe an Pool und Strand darzustellen.
In der Tat ist schon komisch, was sich in Strandhotels auch in der Türkei abspielt: Pauschalurlauber (nicht nur deutsche) stehen in aller Herrgottsfrühe auf, legen ihre Handtücher auf Sonnenliegen ab, gehen dann essen oder erneut schlafen, um später die von ihnen reservierten Sonnenliegen vehement zu verteidigen. Selbst Drohungen, anderen Gästen, die sich die Sonnenliege(n) aneignen, „eine zu pfeffern“ oder sie „in den Pool zu werfen“, kommen vor.
So auch im Hotel Delphin Palace, einem gut geführten und beliebten Haus im Hotelgebiet Lara Beach im Osten Antalyas. Das konnte das Team von RTL dort auch gut in Szene setzen, nicht nur aufgrund freundlicher Unterstützung durch das Hotel, sondern auch noch preisgünstig durch einen kostenlosen Aufenthalt im Hotel von einer Nacht – complimentary natürlich.
Doch als am 22.05.2008 die Sendung zwischen 18:00 und 18:30 Uhr in RTL Explosiv erscheint, erwartet das Hotel, dem durch den Vermittler zugesichert wurde, „es werde positiv dargestellt“ und es gehe nur darum „die Marotten deutscher Urlauber aufs Korn zu nehmen“, eine böse Überraschung.
„Da werden zum Beispiel Hotelmitarbeiter bestochen, daß sie die Liegen doch bitteschön reservieren sollen,“ heißt es bereits in der Ankündigung des Beitrages. „Ob die da wirklich mitmachen, obwohl das streng verboten ist, das zeigen wir Ihnen jetzt,“ kämpft RTL Explosiv gekonnt um die Aufmerksamkeit der Zuschauer.
„Ich muß sagen, daß macht der Bademeister für uns, [...] mit etwas Trinkgeld funktioniert das schon,“ zitiert RTL Explosiv die österreichische Touristin Christine Matja im weiteren Verlauf der Sendung, und hakt nach: „Wie machen Sie das denn?“ Die Antwort: „Na mit etwas Trinkgeld funktioniert das schon. [...] Das ist verschieden, 5 Euro, 2 Euro,“ erklärt Christine Matja, nach der Höhe des Trinkgelds befragt, weiter.
Doch nun aufgepaßt: „Doch ob mit oder ohne Bestechung,“ kommentiert der Sprecher aus dem Off, „das Reservieren von Liegen ist laut Hausordnung nicht erlaubt.“ Später weist RTL wohl darauf hin, daß es im Hotel 1.200 Sonnenliegen für maximal 800 Gäste gibt – der Objektivität wurde scheinbar Rechnung getragen. Doch der gute Ruf ist gleichwohl lädiert.
Daß Urlaubsgäste von freundlichem Personal auch mal Gefälligkeiten erbitten, um sich, wie im Falle der Christine Matja, das Leben zu erleichtern, und dies auch mit Trinkgeldern dankbar quittieren, ist schlicht und einfach eine Selbstverständlichkeit, die wir alle kennen. Doch warum bezeichnet RTL Explosiv dies als „Bestechung“? Offensichtlich erschienen den Redakteuren der Sendung die lustigen Szenen nicht komisch genug, und es mußte nun „explosiv“ nachgepfeffert werden.
Dem Hotel Delphin Palace jedenfalls ist bei dieser Form der Berichterstattung der Humor vergangen. Eine Sendung, in der es lediglich um „Marotten deutscher Urlauber“ gehen sollte, erhebt den Vorwurf, das Hotelpersonal lasse sich für Gefälligkeiten „bestechen“. So wird das international selbstverständliche Trinkgeld für freundliches Personal im „Orient“ zur „Bestechung“ gemacht, und das Hotel im Ruf geschädigt. Kein Wunder, daß bei türkischen Hotels, bei denen RTL um Drehgenehmigung nachsucht, an der Türkischen Riviera sofort die Alarmglocken läuten.
Der deutsche Journalist in Antalya ist sich jedenfalls sicher: „Den Beteuerungen der Kollegen von RTL werde ich so schnell keinen Glauben mehr schenken,“ sagte er der unserer Redaktion.










