(openPR) Braunschweig (mm). Ein prominenter Ex-Profi verantwortet die sportliche Leitung beim ATP-Tennisturnier NORD/LB Open in Braunschweig (13. bis 22. Juni 2008): Turnierdirektor Carl-Uwe Steeb. In seiner aktiven Karriere gewann der heutige 40-jährige Charly Steeb drei ATP-Turniere (1989 Gstaad, 1991 Genf, 1995 Moskau), holte für Deutschland drei Mal den Davis Cup (1988, 1989, 1993) und stand als Topplatzierung an Position 14 der Weltrangliste (Januar 1990). Von 1999 bis 2001 führte Carl-Uwe Steeb das deutsche Davis-Cup-Team als Kapitän an.
Herr Steeb, Sie kennen das Braunschweiger ATP-Turnier aus aktiver Sicht als Profi von Anbeginn, aber auch als Turnierdirektor. Von beiden Seiten aus gesehen – was unterscheidet das Event von anderen Tennisturnieren?
Steeb: „Die familiäre Atmosphäre und die gesunde Mischung aus Spitzensport und Unterhaltung machen das Braunschweiger Turnier einzigartig. Dass bei einem Challenger-Turnier ein solches Rahmenprogramm für Jung und Alt geboten wird, ist absolut ungewöhnlich. Auch die Tennisprofis schätzen das gesamte Drumherum, das große Publikumsinteresse und fühlen sich sehr wohl. Als aktiver Profi habe ich mich in Braunschweig immer etwas schwer getan. Es ist nicht einfach, bei einem Challengerturnier als Favorit an den Start zu gehen. Aber immerhin habe ich mich kontinuierlich gesteigert… (die Redaktion: 1994 1. Runde gegen Mancisidor, 1995 Achtelfinale gegen Gustafsson, 1996 Viertelfinale gegen Roux).“
Was hat sich in den letzten drei Jahren verändert und welches sind die Neuigkeiten der NORD/LB Open in Braunschweig 2008?
„Zunächst einmal ist es von essentieller Wichtigkeit, dass wir den Break-Even 2007 geschafft haben und wirtschaftlich auf gesunden Beinen stehen. Mit dieser soliden Basis können wir für die nächsten Jahre planen und das Turnier für die Zukunft sichern. Neu sind die Ausweitung der Senior Classics auf zwei Tage, zusätzliche Aktionen für Kinder und die Umgestaltung des Marktplatzes. Nicht neu, aber sehr bewährt ist die Kombination mit Harald Tenzer von der Brunswiek Marketing GmbH vor Ort und unserer cmg für die Vermarktung des Tennis-Events - eine perfekte Symbiose. Die Zusammenarbeit macht wirklich Spaß.“
Welches Teilnehmerfeld erwarten Sie bei den NORD/LB Open 2008 und welche Rolle können deutsche Akteure spielen?
„Auch wenn ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht das komplette Teilnehmerfeld kenne (die Redaktion: Interview vor Bekanntgabe der ATP Entry List), können sich die Zuschauer in jedem Fall auf die Mischung aus aufstrebenden Youngsters und renommierten Routiniers freuen. Das Teilnehmerfeld in Braunschweig wird zu den Top 3 der weltweiten ATP-Challenger-Tour zählen. Durch die enge Verbindung zum Deutschen Tennis-Bund wollen wir natürlich auch einige junge deutsche Spieler präsentieren. Ich würde mich sehr freuen, wenn auch Florian Mayer wieder in Braunschweig spielen würde. Und natürlich der Zweifach-Champion Oscar Hernandez…“
Stichwort deutsche Spieler: Wie beurteilen Sie die derzeitige Situation des deutschen Herrentennis auf der ATP-Tour? Und woran liegt es, dass es derzeit keinen deutschen „Überflieger“ gibt, der z.B. auch ein Kandidat für die Top 10 wäre …?
„Im Nachwuchs haben wir ganz klar ein Problem. Es ist nicht etwa so, dass wir zu wenig junge Spieler haben, sondern Schwierigkeiten, diese an die Spitze zu führen. Vom Kaliber eines Andreas Beck oder Mischa Zverev bräuchten wir 20 Spieler, um die Chance zu erhöhen, dass einer von ihnen richtig durchstartet. Die Gründe sind vielfältig, aber eines ist sicher: die Talente im Alter von 14 oder 15 Jahren sagen nicht mehr konsequent: ´Ich will Tennisprofi werden und sonst nichts´. Die machen parallel ihr Abitur, haben weitere Interessen, sind nicht fokussiert. Ich würde mir eine frühere und stärkere Konzentration auf das klare Ziel wünschen, Tennisprofi zu werden.“
Sie arbeiten als einer der Gründer für die cmg, sind Turnierdirektor der Masters Series Hamburg und der NORD/LB Open Braunschweig, übernehmen Tennis-Co-Moderationen beim ZDF und vieles mehr – warum hat Ihr Tag mehr Stunden als bei anderen Menschen? Im Ernst, wie bekommen Sie all diese Aufgaben unter einen Hut?
„Sicher bedeutet das viel Arbeit, aber es macht auch den größten Spaß, denn hauptsächlich geht es dabei um Tennis, meine Leidenschaft. Für die cmg gebe ich zudem noch viele Seminare im Gesundheitsmanagement. Ich arbeite nach dem Motto ´eins nach dem anderen´, dann kann man das auch alles bewältigen.“
Wie und wo entspannt Charly Steeb?
„Ich laufe sehr viel, während der Masters Series in Hamburg bin ich beispielsweise fünf Mal um die Alster gelaufen. Und ich mache viel Yoga und bin sehr diszipliniert. Generell gilt bei mir: je mehr Stress ich habe, desto mehr Sport treibe ich als Ausgleich.“
Zusammen mit Ihrem ehemaligen Trainer Stefan Schaffelhuber haben Sie 1999 das Charity-Projekt Clean Winners e.V. ins Leben gerufen, für das Sie natürlich immer noch ehrenamtlich im Vorstand und als Schirmherr arbeiten. Was verbirgt sich dahinter?
„Clean Winners verfolgt das Ziel, Kinder und Jugendliche aus schwierigen oder sozial schwachen Familien über den Weg der Gemeinschaft zum Sport zu führen. Wir arbeiten mit vielen Waisenhäusern, Kinderheimen und sozialen Einrichtungen zusammen, um so auch die richtigen Kinder zu finden. Bisher betreuen wir rund 300 Kinder an 15 Standorten in ganz Deutschland.“
Planen Sie auch eine Clean-Winners-Aktion anlässlich der NORD/LB Open in Braunschweig?
„Am Finalsonntag (die Redaktion.: 22. Juni) eröffnen wir einen Standort in Wolfsburg, aber natürlich ist auch ein Engagement in Braunschweig denkbar…“
Vielen Dank für das Gespräch, Carl-Uwe Steeb.











