(openPR) Nachdem die Ausstellung „too much future“ mit Erfolg und unter großem Medieninteresse in Berlin, Dresden und Halle präsentiert wurde, wird sie vom 23. Mai bis zum 27. Juli 2008 zum ersten Mal im Westteil Deutschlands, im Gronauer rock'n'popmuseum zu sehen sein. Zur Eröffnung am 23. Mai tritt Tatort-Kommissar Bernd Michael Lade mit seiner Punkband Ret Marut auf.
Was sich Ende der 1970er Jahre zur Punkbewegung in der BRD entwickelte, entstand kurz darauf als Punkszene in der DDR. Entlud sich das soziale Elend englischer Teenager in dem Aufschrei „no future“, so wäre das sozialistische Elend einer verplanten DDR-Jugend treffender mit „too much future“ umschrieben. Zwangsrekrutiert als „Kampfreserve der Partei“, nahmen sich 16- bis 18-Jährige Freiheiten, die bis dahin in der DDR praktisch undenkbar waren. So waren sie in Grenzen frei. Unbekümmert forderten sie einen Staat heraus, dessen wütende Reaktion in der Verfolgung der Punks als „asoziale Elemente“ bestand und nicht selten in einem der DDR-Gefängnisse endete.
Punk in der DDR war der Protest gegen eine Mangelgesellschaft. Die freigesetzte Energie griff, doppelt frei vom Markt und von der Staatsdoktrin des „Sozialistischen Realismus“, aus den Kellern und wenigen Szenetreffs auf die Ateliers junger Künstler über. So gewann Punk Einfluß auf die Arbeitsweise und Lebenshaltung werdender Künstler.
Die Punks haben sicher nicht den Zusammenbruch des Disziplinarregimes DDR herbeigeführt. Doch sie trugen bei zu einer nervösen Balance des Systems, die 1989 nicht mehr zu halten war.
Dieser Spannung zwischen Subkultur und Diktatur will sich das rock'n'popmuseum Gronau in der Sonderausstellung “too much future” nähern.
Es ist eine schöne Fügung, daß die Präsentation von „too much future“ im rock’n’popmuseum auf eine Ausstellung zur Geschichte der Krautrocklegende CAN folgt. CAN waren von großem Einfluß auf die Punk- und Waveszene Englands. Mark E. Smith (The Fall), Pete Shelley (Buzzcocks), Johnny Rotten (Sex Pistols), Jah Wobble (PIL), Dave Greenfield (The Stranglers) waren bekennende Fans der Band. Punk aus England wiederum war, was Style, Musik und politische Haltung anging, eine Initiationszündung für Punk im Osten. Punkrock westdeutscher Prägung, aber auch die experimentellere Seite der NDW, zeitigte, insbesondere durch das Vorbild deutscher Texte, ihre Wirkung in der Gründung etlicher Punk- und Postpunkbands in der DDR.
Die Ausstellung versammelt Fotos, Filme, Dokumente, Texte sowie künstlerische Arbeiten und kombiniert sie mit ehemals illegalen Aufnahmen von DDR-Punkbands. Dabei ist nicht daran gedacht, eine ideologische Abrechnung mit der DDR zu inszenieren. Die Ausstellung soll das mitreißende Porträt einer Subkultur liefern, einer der heftigsten Eruptionen im unerschütterlichen Glauben an eine Utopie, die zur Ideologie geriet.
Neben vielen Amateurfotos sind Fotografien von Christiane Eisler, Ha¬rald Hauswald und Helga Paris zu sehen. Darüberhinaus werden Super-8-Filme von Claus Löser, Thomas Frydetzki, Via Lewandowski, Tom di Roes u.a. präsentiert.
Zu sehen sind Werke der Malerei von „flanzendörfer“, Johannes Jansen, Robert Lippok, Ronald Lippok, Mita Schamal, Cornelia Schleime, C.D.Spinne, Igor Tatschke u.a.
Den Ausstellungs-Soundtrack bestreiten Bands wie Wutanfall, L'Attentat, Rosa Extra, Planlos, the Leistungsleichen, Zwitschermaschine, Andreas Auslauf, Müllstation und andere mehr.
Zur Ausstellungseröffnung am 23. Mai 2008 wird der Schauspieler Bernd Michael Lade, bekannt aus dem ARD- Tatort, mit seiner Band „Ret Marut“, auftreten. Der Bandname bezieht sich auf das Pseudonym des Schriftstellers B. Traven, unter welchem er die anarchistische Zeitschrift „Der Ziegelbrenner“ herausgab. Der gebürtige Berliner Lade war selbst in der DDR-Punkszene und im Visier der Staatssicherheit. In der Band spielt auch seine Lebensgefährtin, die Schauspielerin Maria Simon („Nichts als Gespenster“).












