(openPR) Gespräch mit dem Nürnberger WM-Experten Thomas Wehr.
Es kursieren ja viele Gerüchte über die WM 2010 in Südafrika. Die einen sagen, Südafrika sei mit den Vorbereitungen heillos überfordert und bekäme seine Probleme nicht in den Griff, andere behaupten wiederum, alles laufe nach Plan. Wie ist denn nun der Stand der Dinge?
Um etwas Licht in dieses WM-Dunkel zu bringen, hat Kapstadt.com mit jemandem gesprochen, der sich in Sachen Fußballweltmeisterschaft bestens auskennt. Thomas Wehr vom Bürgermeisterbüro Nürnberg war von 2004 bis 2006 Leiter des dortigen WM-Büros und kümmerte sich um die Vorbereitung und Durchführung der WM in der Frankenmetropole, das heißt „um all das, was in Nürnberg außerhalb des Stadions passierte“, so Wehr.
Seit ein paar Monaten werden nun WM-Experten wie Thomas Wehr im Rahmen eines bilateralen Vertrags zwischen der deutschen und der südafrikanischen Regierung auf Anfrage nach Südafrika geschickt, um ihre Erfahrungen in eigens dafür organisierten Workshops an die Südafrikaner weiterzugeben. „Wir sind nicht hier, um den Südafrikanern zu sagen, was sie zu tun haben. Das könnten wir gar nicht, denn hier herrschen ganz andere Umstände. Wir sind hier, um unsere Erfahrungen weiterzugeben“, erklärt der Franke. Thomas Wehr ist nun schon zum dritten Mal in Südafrika und gibt Workshops zu allen Themen, die die WM-Städte betreffen: Marketing, Sponsoring, Volunteering, Public Viewing etc.
Was ist sein persönlicher Eindruck von den WM-Vorbereitungen in Südafrika? „Die Vorbereitungen für das Fußballgroßereignis sind im vollen Gange. Man sieht ja, dass überall gebaut wird. Klar gibt es hier und da Probleme und Verzögerungen, aber die Südafrikaner sind ‚on the right track’, wie man hier sagen würde. Die FIFA wird als Veranstalter ebenfalls dafür sorgen, dass alles rechtzeitig fertig sein wird." Also wird die WM kein Desaster, wie böse Zungen behaupten? „Nein. Sicherlich muss Südafrika seine Probleme vorher in den Griff bekommen. Aber ich bin überzeugt, dass das Land das schaffen wird.“ Und was ist seiner Meinung nach momentan das größte Problem? „Es mangelt einfach an Kommunikation.
In Deutschland hat stets ein reger und friedlicher Austausch zwischen den WM-Städten geherrscht. Hier funktioniert das noch nicht so gut. Es wird unheimlich viel Zeit verschwendet, weil Verantwortliche ganz unterschiedliche Wissensstände haben. Um diese Großveranstaltung zu stemmen, muss die Kommunikation untereinander verbessert werden. Auch sollten die Südafrikaner öfter mal auf den Kalender schauen, denn das Datum für die WM steht fest und rückt immer näher.“ Es wird immer nur über die Probleme geredet, die Südafrika mit der WM hat.
Auf was können sich die Besucher denn seiner Meinung nach freuen? Was unterscheidet die WM in Südafrika von den Fußballweltmeisterschaften in früheren Jahren? „Keine WM ist mit der vorherigen vergleichbar“, meint der WM-Experte. „Südafrika ist ein wunderschönes Land mit einer bunten, kosmopoliten Kultur ist. Darauf können sich die Besucher sicherlich freuen.“ Und wie reagieren die Südafrika auf die Hilfe aus Übersee? „Durchweg positiv“, berichtet Wehr. „Ich habe gerade einen Workshop zum Thema Volunteering gehalten und bin auf durchweg positive Resonanz gestoßen. Das Beratungsangebot wird immer mehr wahrgenommen, und unsere Kapazitäten müssen in Zukunft wohl erhöht werden. Die Südafrikaner freuen sich auf ‚ihre’ WM.“
Trifft das nur auf die schwarze Bevölkerung zu oder zeigt sich die Kricket und Rugby affine weiße Bevölkerung auch an dem Fußballevent interessiert? „Sicher ist in erster Linie die schwarze Bevölkerung fußballbegeistert, aber ich bin mir sicher, dass sich die Freude auf das ganze Land übertragen wird.“ Wird die WM also ein Erfolg? „Davon bin ich überzeugt", erklärt Wehr. „Der Erfolg kommt dann, wenn die Bevölkerung die Chancen dieser Veranstaltung erkennt und mitmacht.“











