(openPR) Für gewöhnlich berichten wir von Ereignissen. Manchmal sind jedoch auch Nicht-Ereignisse eine Meldung wert. Ein solches nicht eingetretenes Ereignis war am Dienstag die Würdigung eines der größten Denker der Moderne, Émile Durkheim. Kaum ein Soziologe, der ihn nicht in einem Atemzug mit Karl Marx, Max Weber, vielleicht noch Georg Simmel, nennt. Durkheim leistete große Dienste für die Institutionalisierung der Soziologie an den Universitäten. Er verfeinerte die Methodik der Disziplin und etablierte sie als positive, empirisch fundierte Wissenschaft. Mit seinen Hauptwerken „über die soziale Arbeitsteilung“ (1893), „die Regeln der soziologischen Methode“ (1895), „der Selbstmord“ (1897), und „die elementaren Formen des religiösen Lebens“ (1912) schuf Durkheim Klassiker, die bis heute zum Kanon des Soziologie-Studiums an den allermeisten Universitäten gehören.
Durkheim erblickte am 15. April 1858 in Épinal in Lothringen das Licht der Welt und wäre am Dienstag 150 Jahre alt geworden. Ob seiner unbestrittenen Leistungen für die Sozialwissenschaften verwundert es umso mehr, dass dieser Jahrestag von den meisten Medien offenbar übersehen wurde. Eine google-Suche zum Stichwort „Durkheim 150“ ergab am Dienstag Abend magere zwei Treffer: Eine Erwähnung unter „Gedenktag 15. April” bei ad-hoc-news und – immerhin – eine kurze Würdigung durch das Weblog homo sociologicus. Zwar schließt dies nicht aus, dass auch andere Medien unterhalb des google-Radars dem Altmeister die Ehre erwiesen haben, insgesamt offenbart sich jedoch ein Bild des Vergessens. Einer der größten europäischen Denker der vergangenen Jahrhundertwende scheint an seinem 150. Jahrestag vom Radarschirm der breiteren Öffentlichkeit verschwunden zu sein. Die letzte Hoffnung ruht nun auf den Feuilletonisten der Wochenendausgaben.











