(openPR) Ein Viereckiges Tuch und sein Weg
Die Klasse füllt sich und der Lehrer bekommt mehr oder weniger, aber mindestens einen kleinen Schock. Wenn fast die Hälfte der Klasse sich den Hals cool mit dem Schwarzweisen Tuch bedeckt, kommen Erinnerungen auf. Erinnerungen an die Rebellion der antifaschistischen Bewegung der 90er und auch an Demos gegen Atomkraftwerke. Der Türsteher im Club lässt rein und raus wen er will. Sein Kleinhirn fängt plötzlich zu zählen an. Schon der zehnte Gast läuft an ihm vorbei, funky gekleidet und am Hals locker leicht das Palituch umhangen. Diesmal in grün, gelb und auch in pink, harmonierte es mit dem hübschen Gesicht des Mädchen von vorhin. Auch ihm kommen Bilder hoch. War da im Fernsehen nicht letztens was? Ja genau ein Stein schmeißendes Kind das arabisch sprach und eine weinende Mutter mit diesem Tuch in der Hand, befleckt mit Blut.
Ein Stück Stoff zerreißt die Gemüter und man wartet stillschweigend, dass dieser Modetick hier in Europa bald aufhören mag, denn dieses Tuch bedeutet mehr als nur „quadratisch, praktisch, gut!“ Was früher und auch heute im nahen Osten an politischer Symbolik kaum zu überbieten ist, wurde kurzerhand zum Fashion Victim auserkoren und sogar Chanel und Co produzieren, was das Zeug hält.
Das Palästinensertuch heißt Kefiya. Ende der 70er kam es nach Deutschland und wurde fortan nur noch Palituch genannt. Man wollte sich nicht mit Palästina gleichstellen, aber man war ja auch gegen die miserable politische Lage und konnte sich endlich von Jenen Mitbürgern, die auf dem hohen Ross saßen, abgrenzen. Das das Tuch nicht friedlich auf die Menschen herab gesandt wurde, sondern von einem Mufti in den 30er in Jerusalem, zwecks Abgrenzung zum Westen und der Moderne, unter das Volk gebannt ward, realisiert heute kaum noch jemand. Wer es nicht trug wurde auch mal mit der harten Hand gezüchtigt. Trotz der Strenge erfreute es die Kämpfer Palästinas und spendet nicht nur Schatten in der heißen Sonne des Nahen Ostens, sondern erfüllte den Zweck des Wahren, Schönen und Guten. Das Tuch wird in Saudi Arabien gerne ganz in Weiß getragen und auch in rotweißem Muster – doch in Palästina stets nur im bekannten Schwarzweiß.
Nun Frag ich dich, wenn du dieses Tuch trägst, denkst du auch daran was in den Köpfen der Anderen vorgeht? Ist es dir egal, ob der palästinensische Busfahrer, an seinen toten Bruder denkt, oder der israelische Zeitschriftenhändler an seine tote Frau?
Du trägst es, schmeißt es in die Ecke und vielleicht nähst du dir noch einen Azad oder Hello Kitty Sticker drauf. Denkst du daran, dass es für ein Kind in Palästina, das Einzige ist auf was es Stolz sein kann? Manchmal kann man polarisieren, in dem man sich zu etwas bekennt – dafür muss man stark genug sein, auch mit Worten zu glänzen. Als stiller Träger eines Symbols hat man auch eine Verpflichtung. Nämlich die, darüber nachzudenken wie lange man stillschweigend etwas tun kann, ohne darauf zu schauen wie es andern geht, die ihre Stimme aus Schmerz verloren haben.
Mode ist toll und gibt dir die Freiheit, der zu sein, der du nach außen hin sein willst. Doch denke darüber, nach was du trägst und informiere dich – lerne und erfahre mehr über deine Mitmenschen. Die Kinder in Palästina und Israel werden es dir danken.
von Nadia Doukali




