(openPR) Unausgesprochenes oder Gestisches kann im psychotherapeutischen Gespräch reichlich ungewollte oder halbwegs gewollte Informationen übermitteln. "Die Bedeutung von nichtsprachlichem Verhalten für das therapeutische Geschehen wird leicht unterschätzt", diagnostiziert Prof. Dr. Ulrich Streeck (Tiefenbrunn).
In einer Serie von Beispielen berichtet er u.a. über "Angstpatienten, deren kommunikatives Verhalten eine Reihe von Ähnlichkeiten aufweist: Dazu gehören längere Schweigepausen, in denen sich die Vorsicht dokumentiert, die für diese Patienten charakteristisch ist.
Weiter gehören dazu kommunikative Verhaltensweisen, die geeignet sind, Distanz des Sprechers zu seinen eigenen Äußerungen zu markieren; das kann zum Beispiel ein häufig eingestreutes ´ja´ in ihren eigenen Äußerungen sein, das einen inneren Dialog des Sprechers als ein gleichsam an sich selbst adressiertes Antwortverhalten kenntlich macht.
Damit stellt der Patient dar, dass es neben seiner manifesten Äußerung noch einen zweiten Gedankenablauf gibt, der manifest nicht geäußert wird. Dadurch erhält die Selbstpräsentation in diesem Moment etwas Vorläufiges und ermöglicht dem Patienten, sich von den beschriebenen Erfahrungen zu distanzieren, vom gewählten Äußerungsformat - und auch vom Zuhörer, der versucht, sich das Erleben des Patienten zu vergegenwärtigen ..."
Ulrich Streeck:
Erzählen und Interaktion. Auf dem Weg zu einer Mikroethnographie von Psychotherapie
in: Luif, Thoma, Boothe (Hrsg.): Beschreiben, erschließen, erläutern - Psychotherapieforschung als qualitative Wissenschaft
Pabst, 474 Seiten, ISBN 3-89967-279-8










