(openPR) KIWI-Forum in Stuttgart mit Arbeitgeberpräsident Hundt und Bischof Fürst
Stuttgart, 6. November 2007 - Moral und Ethik sind wichtige Erfolgsfaktoren unternehmerischen Handelns. Eine Wirtschaft ohne Werte hat keine Zukunft. So lautet das Fazit des ersten KIWI-Forums am 5. November in Stuttgart, bei dem unter anderem Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt und Bischof Gebhard Fürst diskutierten. KIWI – Kirche und Wirtschaft – ist das neue Beratungsnetzwerk der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
Die Besucherresonanz übertraf die Erwartungen der Veranstalter: Mehr als 160 Entscheider aus Baden-Württemberg und teils auch aus anderen Bundesländern kamen zum KIWI-Forum „Fair führt – Werte-orientiert in Wirtschaft und Gesellschaft“. Mit Bischof Dr. Gebhard Fürst, Arbeitgeberpräsident Dr. Dieter Hundt und der Unternehmerin Renate Pilz war das Podium prominent besetzt. Dr. Ursula Weidenfeld, stellvertretende Chefredakteurin des Tagesspiegel, moderierte.
KIWI basiert auf der christlichen Soziallehre. Bischof Gebhard Fürst unterstrich in seinem Statement sein Engagement für das KIWI-Netzwerk. Unternehmen sähen sich heute einer zu Recht sensibilisierten Öffentlichkeit gegenüber, sagte der Bischof. Unter diesen Bedingungen spiele die Besinnung auf Werte in der Führung und insbesondere in der Personalpolitik eines Unternehmens eine entscheidende Rolle.
„Lange Zeit galten Ethik und Ökonomie, Markt und Moral als unvereinbare Gegensätze“, konstatierte Bischof Fürst. Nun finde ein Paradigmenwechsel statt. „Die Unternehmen erkennen zunehmend, dass ihr Erfolg in einem sich verändernden Markt immer mehr von der Innovationskraft und Eigenverantwortung der Mitarbeiter abhängt.“ Der Mensch rücke in den Mittelpunkt, so der Bischof. Die Katholische Kirche mit ihrer langen Tradition der Soziallehre könne hier entscheidende und hilfreiche Hinweise geben, die auch heute höchst zeitgemäß und zukunftsweisend sein können. Bischof Fürst: „Die christliche Soziallehre ist die Basis der sozialen Marktwirtschaft. KIWI gibt Impulse für ein Wirtschaften im Einklang mit christlichen Grundwerten.“
Zwischen Wertschöpfung und Wertschätzung. Dr. Dieter Hundt räumte in seinem Kurzvortrag ein, dass Entscheider der Unternehmen in Deutschland in keinem guten Licht dastünden. Der pauschale Vorwurf: Profitgier bar jeder sozialen Verantwortung. Doch die Schlagzeilen der Medienberichterstattung würden bestimmt von Extremfällen – ein paar wenige n Manager überwiegend von DAX-Unternehmen – mit fatalen Auswirkungen auf die öffentliche Meinung. Tatsächlich aber bilden das Rückrat der deutschen Wirtschaft kleine und mittelständische Unternehmen, häufig familien- und inhabergeführte Betriebe. „Diese Unternehmer und Führungskräfte“, ist Hundt überzeugt, „sind Persönlichkeiten, die sehr wohl soziale Verantwortung übernehmen und mit Augenmaß und nach christlichen Wertvorstellungen führen.“
Die Wirtschaft diene den Menschen und leiste einen wichtigen Beitrag zum Gemeinwohl, betonte der Arbeitgeberpräsident. Diese Rechnung gehe aber nur auf, wenn ein Unternehmen erfolgreich wirtschaftet. „Führen mit Werten heißt Mitarbeiter zu eigenständigem Handeln zu motivieren,“ sagte Hundt, „und sie damit zu Höchstleistungen anzuspornen.“ Damit tragen Werte unmittelbar zum Unternehmenserfolg bei. Sein Fazit: „Die Wirtschaft braucht Werte.“
Fair führen in der Praxis. Wie Wertebewusstsein in der Praxis gelebt werden kann, legte Renate Pilz dar. Als bekennende Christin und Chefin von weltweit mehr als 1.200 Mitarbeitern ist auch sie überzeugt, dass „langfristiger wirtschaftlicher Erfolg nur auf der Basis eines ethischen Fundaments möglich ist.“ Auf der Sachebene unterliege jedes Unternehmen den Marktbedingungen und Rahmenparametern des harten, globalen Wettbewerbs. „Auf der Beziehungsebene geht es um die Frage, wie wir miteinander umgehen“, erläutert Pilz. Hier gelte es ein Klima zu schaffen und erhalten, das den Menschen gut tut, und in dem sie ihr volles Potenzial ausschöpfen können und so ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten. Pilz: „Mit Werten führen ist spezifischer Klimaschutz.“
KIWI bietet Unterstützung. Unterstützung für Unternehmen soll künftig das neu geschaffene Beratungsnetzwerk „Kirche und Wirtschaft“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart bieten. KIWI, sagte Bischof Fürst, sei aber nicht darauf ausgelegt, große Unternehmen und Konzerne zu beraten, wie das Beratungsunternehmen wie etwa McKinsey tun. „Die Stärke von KIWI liegt in der Personalisierung seiner Beratungsleistungen.“
KIWI richte sein Angebot in erster Linie an die einzelnen Verantwortungs- und Entscheidungsträger, ergänzte Dr. Joachim Drumm, Ordinariatsrat der Diözese und Leiter der fünfköpfigen KIWI-Steuerungsgruppe. In großen Konzernen führe, so Drumm, die hohe Segmentierung von Prozessen, Zuständigkeiten und Interessen auch zu einer Zersplitterung von Verantwortung, was im Extremfall in eine „organisierte Verantwortungslosigkeit“ münden könne. Auch die steigende Komplexität der Zusammenhänge und die Kurzfristigkeit von Planungsperspektiven erschwere die Umsetzung ethisch-moralischer Grundsätze.
„KIWI-Berater“, resümierte Bischof Fürst, „sollen auch Nein sagen können, wenn die christliche Wertvorstellung auf dem Spiel steht.“
Information: www.kiwi-netz.de










