(openPR) Unternehmensnachfolge erfolgreich gestalten
Einen geeigneten Nachfolger zu finden und eine geordnete Übergabe sicherzustellen bedeutet eine der größten Herausforderungen für ein Familienunternehmen.
Über 120 Teilnehmer informierten sich am 20. September im Heilbronner Haus der Wirtschaft (IHK) über den komplexen Sachverhalt der Unternehmensnachfolge. „Wir gehen bei diesem schwierigen Thema aktiv auf die Betriebe zu“, erklärte Dr. Helmut Kessler, Stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer. Allein in der Region Heilbronn-Franken stünden jährlich etwa 1 000 Unternehmen vor der Übergabe.
Wird kein geeigneter Nachfolger gefunden, droht laut Kessler im schlimmsten Fall eine Stilllegung. Auch deshalb habe die IHK das Moderatorenkonzept zur Unternehmensnachfolge als Baustein des „Heilbronner Wegs“ entwickelt. Seit dem Start vor vier Jahren hat IHK-Nachfolgemoderator Jürgen Becker 420 Fälle mit 6 300 Arbeitsplätzen betreut. Das Konzept selbst ist inzwischen über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus bekannt.
Insider zum Berater machen
Seit zehn Jahren berät Dr.-Ing. Wolfgang Doneit Unternehmen bei der Übergabe. Seine Firma M&E Solutions GmbH in Bruchsal hilft dabei, den Kaufpreis zu finden und bringt Übergeber und Übernehmer zusammen. „Die Unternehmensbewertung ist der sensibelste und wichtigste Schritt einer Übernahme“, so der Experte in seinem Impulsvortrag. Innerhalb von sechs bis acht Jahren sollte das Unternehmen den Kaufpreis wieder zurückerwirtschaften können, meint Doneit. Für beide Seiten sei die Frage der Nachfolge meist eine einmalige Angelegenheit. Doneits Tipp an Verkäufer: „Suchen Sie sich einen Berater, der sich in Ihrer Branche auskennt.“
Entscheidend: Preisfrage
Michael Friedrich hat sich als Nachfolger ins Unternehmen eingekauft. Der Geschäftsführer der Heimo animated attraction Mordelt GmbH und Co. KG fand zu seinem Unternehmen über die nexxt-change-Börse. „Zunächst war ich sechs Monate als selbstständiger Berater für Heimo tätig“, sagt Friedrich. Schnell habe sich gezeigt, dass beide Seiten gut miteinander können. „Legen Sie sich nicht zu früh mit dem Übergeber auf einen Kaufpreis fest“, lautet sein Tipp an potenzielle Übernehmer. Jeder hinzugezogene Berater könne Dampf aus der Kaufpreisdiskussion nehmen und dem Käufer so Geld sparen.
Kompromisse notwendig
Andrea Rudolf wechselte vom internationalen Unternehmen in der Großstadt in den elterlichen Betrieb auf das Land. Die Geschäftsführerin der Bürotechnik Niederle GmbH in Assamstadt teilt sich gemeinsam mit ihrem Bruder die Nachfolge: „Mein Einstieg hat die Bruder-Schwester Beziehung emotional auf die Probe gestellt.“ Hilfreich ist es aus ihrer Sicht, Erwartungen klar und zeitig auf den Tisch zu bringen. „Sind die Partner kompromissbereit, steht einer friedlichen Lösung nichts im Weg.“
Generationswechsel nicht vertagen
„Ich habe zu spät begonnen, mich mit meiner Nachfolge auseinanderzusetzen“, gesteht Konrad Linke, Geschäftsführer der Autohaus Linke GmbH in Crailsheim. Der Anstoß für die Übergabe sei letztlich über den IHK-Nachfolgemoderator gekommen. Die eigentliche Entscheidung, wer in der Familie was bekomme, sei innerhalb von zwei Stunden gefallen. Jedoch habe der 66-Jährige unterschätzt, was bei der Übergabe des Unternehmens an den Sohn alles zu beachten sei.
Gute, aber teure Entscheidung
Eigentlich wollte Christian Litschko kein Unternehmen übernehmen. 15 Jahre arbeitete er bei der Werbeagentur Blösch & Partner GmbH in Eppingen in leitender Funktion. Mit der Erkrankung seines damaligen Chefs bot sich für ihn und einen Kollegen die Chance zur Übernahme. „Jetzt bin ich glücklich, es getan zu haben.“ Trotzdem bleibe das Gefühl, zu teuer gekauft zu haben. Deshalb rät Litschko jedem Übernehmer, sich so viele Einschätzungen wie möglich einzuholen. Sein Fazit: „Berater sind super.“
Kammer schafft Vertraulichkeit
„Je früher sich Unternehmer mit ihrer Nachfolge auseinandersetzen, desto einfacher fällt die Abwicklung in der Praxis“, resümiert IHK-Nachfolgemoderator Jürgen Becker. Schließlich sei es meist das Lebenswerk, das innerhalb der Familie oder nach außen übergeben werde. Becker: „Neben betriebswirtschaftlichen, rechtlichen, erbrechtlichen und steuerrechtlichen Aspekten spielen deshalb vor allem emotionale Beweggründe eine entscheidende Rolle bei der Nachfolge.“
Mehr zur Moderatorenkonzept der IHK Heilbronn-Franken unter http://www.heilbronn.ihk.de/Dachmarken/frameset/frameset_starthilfe.asp?location=starthilfe, Stichwort Unternehmensnachfolge












