(openPR) Der Künstler Horst Janssen (1929-1995) gilt international als einer der bedeutendsten Graphiker und Zeichner der Nachkriegszeit und gleichzeitig auch als einer der produktivsten: „Er hinterlässt ein so gewaltiges und bizarres, auch wortgewaltiges Oeuvre, dass zwei Leben zu je 65 Jahren dazu kaum ausgereicht hätten,“ resümierte Rudolf Augstein über ihn.
Vom 7. Oktober bis 25. November 2007 präsentiert walz kunsthandel in der Überlinger Bahnhofstrasse 14 über 120 originalgraphische Arbeiten. Vorgestellt werden vorwiegend Selbstporträts, unter anderem aus seinen bedeutenden Zyklen Hokusai’s Spaziergang, Hanno´s Tod, Ergo, Svanshall sowie den Propyläen-Mappen. Ein Höhepunkt sind darüber hinaus Einblicke in das „opus magnum“ des künstlerischen Spätwerks, den 107 Aquarellen der Folge Bobethanien.
Janssen wuchs in Oldenburg auf und lebte und arbeitete in Hamburg. Er profilierte sein kreatives Schaffen in den 50er Jahren mit expressiven, farbigen Holzschnitten. Ende des gleichen Jahrzehnts legte er den Fokus auf die Zeichnung und die Radierung. Seine Hauptmotive waren Tierdarstellungen, das Thema Mann und Frau sowie Selbstporträts, wobei surreale Elemente des phantastischen Realismus und der Neuen Sachlichkeit zum Ausdruck kamen. Viele seiner Darstellungen vermögen psychische Empfindungen auf eindruckvollste, mitunter erschreckende Weise wiederzugeben.
Diese herausragenden Selbstporträts zeigen den Künstler sowohl in den Zügen seines eigenen Spiegelbildes wie auch in den Bildern der von ihm geliebten Frauen, in der Landschaft und im Stilleben. Kein anderer Künstler in der langen Reihe europäischer Selbstbildnisse hat sich selbst so schonungslos offen dargestellt.
Janssens Selbstbildnisse sind ein Lachen über sich selbst und die Welt. Der Künstler, der bei seinen Zeitgenossen den Ruf eines exzentrischen Provokateurs innehatte, brachte seine Person in einer 50jährigen Schaffensperiode fast zweitausend Mal auf Papier. In der Form des Selbstporträts inszeniert er sein Selbst, indem er das Maskenspiel mit dem eigenen Gesicht bewusst einsetzte. Dabei bedient sich Janssen durchaus traditioneller Stilmittel. Viele Selbstporträts präsentieren in der Komposition deutliche verwandtschaftliche Stilmittel mit Rembrandts Selbstdarstellungen.
In den ersten Selbstbildnissen von 1965 paraphrasiert Horst Janssen noch die eigene Verletzlichkeit in fein gestrichelten Radierungen. Als kongeniales Beispiel für diese Schaffensperiode sei auf das Autoporträt Selbst als Chess Addams verwiesen, das in der Ausstellung zu sehen sein wird.
In den Porträts aus den 70ern hingegen spiegeln sich die Begegnungen mit der Natur – sie lassen das Selbstbild zur Landschaft werden. Die Selbstporträts Horst Janssens implizieren häufig eine Todesnähe und gipfeln im Zyklus Hanno´s Tod.
Nach jahrelanger Vorherrschaft informeller und gegenstandsloser Kunst in Deutschland galt Horst Janssen gemeinsam mit Paul Wunderlich in den sechziger Jahren als bahnbrechender Wegbereiter der „Neuen Figuration“.
In einer Aschaffenburger Buntpapierfabrik hatte er sich zuvor bereits die Technik der Lithographie angeeignet und lernte, auch dieses graphische Ausdrucksmittel virtuos zu beherrschen. In der Technik der Radierung, insgesamt der Hauptfokus seines Schaffens, hat Janssen ein umfangreiches Oeuvre geschaffen, das rund 4.000 Blätter sowie 47 Radierzyklen umfasst.
Der Künstler übersetzte seine „Zeichnerväter“ – allen voran Francisco de Goya, aber auch Botticelli, Dürer, Gavarni, Guardi, Hokusai, Kyosai und Piranesi – in seine zeichnerische Welt, die er Die Kopie nannte.
Horst Janssens Kunst wird oft als kritisch, sarkastisch oder grotesk beschrieben, er selbst bemerkt hierzu nur einmal trocken, scheinbar überrascht über die Aufmerksamkeit an seiner Arbeit: „Was sie nur heutzutage alle mit der Kunst haben.“
Die von walz kunsthandel offerierten Graphiken aus eigenem Bestand wurden über mehrere Jahre aus verschiedenen deutschen und internationalen Quellen zusammengetragen. Alle Arbeiten können in der Überlinger Ausstellung käuflich erworben werden.
Vernissage: Sonntag, 7. Oktober, 11 Uhr
Öffentliche Führungen durch die Ausstellung:
Samstag, 20. Oktober, 15 Uhr
Sonntag, 4. November, 15 Uhr
Freitag, 23. November, 19 Uhr
Eintritt frei.
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 11-13 Uhr und 15-18 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung unter 07551-93 77 92,
www.walz-kunsthandel.de
walz kunsthandel
Bahnhofstrasse 14
88662 Überlingen
Pressekontakt: Christina Walz
Fon 07551 – 93 77 90 oder Mail











