(openPR) Was haben Rauschgift-Spürhunde mit der Hanauer Straßenbahn GmbH (HSB) zu tun? Nein, von einem Polizeieinsatz mit diesen speziell geschulten Tieren in den HSB-Bussen ist nichts bekannt. Aber die Hessische Polizeischule trainiert in den Katakomben der HSB seit vielen Jahren bereits regelmäßig mit ihren Schäferhunden und Führern.
Ein Kompressor springt im Keller unter der HSB-Werkstatt an. Es ist ziemlich laut. Das aber stört „Iwan“ überhaupt nicht. Ebenso wenig der Geruch von Ölen und Fetten. Der belgische Schäferhund konzentriert sich auf seinen Auftrag: den versteckten „Echtstoff“ zu finden, wie es im Polizeijargon heißt. Er schnüffelt ein Regal mit Werkstatt-Utensilien ab und scharrt in einem Haufen aus Sand und Kies auf dem Fußboden. Dann legt er sich hin.
Das ist für den Hundeführer das Zeichen: Iwan ist fündig geworden. Eine Portion Marihuana war versteckt. Eine aus den vielen Gläschen mit Rauschgift-Proben, die Polizei-Oberkommissar Peter Pfaffinger wie immer zum Training in einem Aluminiumkoffer mitgebracht hat. Der Fachlehrer ist bei der Hessischen Polizeischule in Dietesheim verantwortlich für die Ausbildung von Rauschgift-Spürhunden.
Das Training im HSB-Keller soll das Wissen auffrischen, das sich Hund und Führer in einer zwölfwöchigen Grundausbildung zuvor angeeignet haben. „Situationen wie hier sind genau passend, weil realitätsnah“, begründet Pfaffinger die Auswahl des HSB-Kellers. Denn Fremdgerüche und Fremdgeräusche dürfen die Spürhunde im tatsächlichen Einsatz nicht ablenken. Auch kein Luftzug, wie er in einer offenen Luke vom Keller in die Werkstatt des städtischen Nahverkehrsunternehmens herrscht. Auf Geruchsbilder, welche die Hunde in ihrer Grundausbildung verinnerlicht haben, müssen sich die Führer verlassen können.
Die Tiere verfügen in ihrer Riech-Schleimhaut über rund 220 Millionen Riechzellen. Zum Vergleich: Der Mensch hat nur rund fünf Millionen Riechzellen. Das zeigt, wie geeignet die tierischen Spürnasen sind.
„Wir nutzen den stark angelegten Spiel- und Beutetrieb der Hunde“, erläutert Pfaffinger. Das Rauschgiftpäcken ist das „Spielzeug“, welches sie unbedingt finden wollen. Ähnlich verhält es sich bei den Sprengstoff-Spürhunden, deren Ausbildung ein Kollege Pfaffingers leitet und ebenfalls die HSB-Keller dabei mit benutzt. Nebenan im städtischen Bauhof in Hanau trainieren sie ebenso wie in ähnlichen Einrichtungen von Nachbarkommunen.
Die Hessische Polizeischule bildet auch Leichen-Spürhunde und demnächst Tiere aus, die auf Brandbeschleuniger spezialisiert sind. Insgesamt zählt die hessische Polizei 280 Schutzhunde, darunter auch solche für Fährten. Eine Vielzahl davon haben eine besondere Nase für Sprengstoff oder Rauschgift.
Pfaffinger erläutert: „Wir bilden pro Jahr rund 60 Hunde aus. Dafür müssen wir etwa 200 Tiere auf ihre Eignung prüfen.“ Die Fluktuation der Tiere durch Alter oder abgenutzten Geruchssinn bedingt diese Zahl. Ausscheidende Hunde übernehmen oft deren Führer, die privat ohnehin einen Bezug zu den Vierbeinern haben. Die Polizeischule kauft die Tiere bei ihr bekannten Züchtern im In- und benachbarten Ausland. Jeder Hund kostet rund 1500 Euro.
Welch guten Ruf die Hessische Polizeischule als Ausbilderin von Spürhunden hat, zeigt die von Pfaffinger zitierte Referenzliste: Polizei aus Peru, Algerien, Bolivien, Ägypten und demnächst Pakistan bedient sich der Erfahrungen der Fachleute aus Dietesheim.
HSB-Geschäftsführer Michael Takatsch freut sich darüber, dass die hessische Polizei das Busunternehmen als Trainingsterrain schätzt. „Wir legen in unseren Bussen selbst großen Wert auf Sicherheit. Daher ist es nur folgerichtig, wenn wir auch der Polizei helfen die Kriminalität zu bekämpfen“, meint er.












