(openPR) Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat den aktuellen „Gleichstellungsmonitor Wissenschaft und Forschung 2026“ veröffentlicht. Es handelt sich nunmehr um die 30. Datenfortschreibung zu Frauen in Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen, die jährlich die Situation von Frauen im deutschen Wissenschaftssystem beleuchtet und sowohl Fortschritte als auch Baustellen darstellt.
Auch der Gleichstellungsmonitor des Jahres 2026 mit den Daten zu den Jahren 2024/2025 zeigt den leicht positiven Trend der vergangenen Jahre. Der Weg zur Parität ist eingeschlagen, deutlich wird aber auch, dass er nur mit angezogener Handbremse vorangeht. Vielversprechende Entwicklungen zeigen das Potenzial für eine ausgewogene Geschlechterverteilung auf den höheren Karrierestufen auf: Die Juniorprofessuren sind im Jahr 2024 paritätisch mit Frauen besetzt (50,3 Prozent), der Frauenanteil an den Promotionen liegt bei 46,2 Prozent und damit nah an der Parität. Gleichzeitig liegt der Frauenanteil bei den Habilitationen fast 10 Prozentpunkte niedriger (36,3 Prozent) als bei den Promotionen. Der Frauenanteil an den Professuren stieg von knapp 29 Prozent zwar auf knapp 30 Prozent, bleibt aber ebenfalls unter den Habilitationen. Die „Leaky Pipeline“ ist also weiterhin die Realität im deutschen Wissenschaftssystem und ein Nachlassen der Anstrengungen für mehr Gleichstellung wäre fatal für die Attraktivität und die Schlagkraft des Wissenschaftsstandorts Deutschland.
„Der Anstieg des Frauenanteils in der Wissenschaft ist positiv und zuvorderst den herausragenden Leistungen von Frauen zu verdanken. Um die Entwicklung zur Parität zu unterstützen, fördern Bund und Länder bereits seit 2008 mit dem Professorinnenprogramm die Besetzung von Professuren mit Frauen. Seit dem Start des Programms stieg ihr Anteil von 17 Prozent auf knapp 30 Prozent. Zusätzlich konnten etwas über 50 Prozent der 1.000 Tenure-Track-Professuren mit Frauen besetzt werden. Im Pakt für Forschung und Innovation vereinbarten wir ferner Zielquoten mit den außeruniversitären Forschungseinrichtungen – auch hier geht es voran; es ist aber insbesondere in den früheren Karrierephasen noch Luft nach oben. Diese Fortschritte motivieren, aber ich sage ganz offen: Dieses Tempo ist mir zu langsam. Frauen sind längst bereit, Verantwortung zu übernehmen, viel zu investieren und Risiken einzugehen. Wir brauchen alle Talente, wenn wir Deutschland als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort weiterhin zukunftsfähig aufstellen wollen.“, so die GWK-Vorsitzende und Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt Dorothee Bär anlässlich der Veröffentlichung des Gleichstellungsmonitors.
Der stellvertretende GWK-Vorsitzende und niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Falko Mohrs, unterstreicht: „Der Weg zur Parität ist eingeschlagen, das Tempo bleibt jedoch zu gering. Frauen sind noch immer deutlich seltener auf Professuren und in wissenschaftlichen Spitzenpositionen vertreten, als es ihre Leistungen und ihr Anteil in früheren Karrierephasen erwarten lassen. Für exzellente, resiliente und demokratische Hochschulen, in denen alle Menschen ihre Potenziale entfalten können, benötigen wir daher weiterhin entschlossene Anstrengungen auf allen Karrierestufen. Gleichstellung ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern eine Voraussetzung für die Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit des Wissenschaftsstandorts Deutschland.“
Im Zehnjahresvergleich wird deutlich, dass sich der Anteil von Frauen von 2014 bis 2024 auf den unteren Qualifikationsstufen zumeist minimal erhöht hat und ein Paritätsplateau in Sichtweite ist; bei den Habilitationen ist eine stärkere Entwicklung festzustellen: Erstimmatrikulationen stiegen von 50,1 Prozent auf 52,1 Prozent, Studienabschlüsse von 50,8 Prozent auf 53,5 Prozent, Promotionen von 45,5 Prozent auf 46,2 Prozent und Habilitationen von 27,8 Prozent auf 36,3 Prozent.
Der Anteil der Professorinnen an Hochschulen ist im gleichen Zeitraum kontinuierlich von 22,0 Prozent auf 29,7 Prozent angestiegen. Eine differenzierte Betrachtung nach Besoldungsgruppen ergibt zudem: Je höher die Besoldungsgruppe, desto niedriger der Anteil von Frauen. Liegt der Frauenanteil bei W1-Juniorprofessuren bundesweit bei 50,3 Prozent – also nah an der Parität –, sinkt er bei C3/W2-Professuren auf 30,1 Prozent und bei C4/W3-Professuren gar auf 26,1 Prozent.
Mit Blick auf die außerhochschulischen Forschungseinrichtungen zeigt der Gleichstellungsmonitor 2026, dass der Frauenanteil an Führungspositionen bei Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Max-Planck-Gesellschaft und Leibniz-Gemeinschaft im Vergleichszeitraum von 2015 bis 2025 insgesamt von 16,7 % auf 27,7 Prozent gewachsen ist, wobei deutliche organisationsspezifische Unterschiede zu verzeichnen sind.
Die Datenfortschreibung wird seit 1989 von der GWK aufbereitet und in regelmäßigem Turnus der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Diese Berichte sind Gradmesser dessen, was erreicht wurde, und damit auch statistische Grundlage für weitere gleichstellungspolitische Maßnahmen in Deutschland. Die GWK ist die einzige Stelle im nationalen Wissenschaftssystem, die – im Zusammenwirken von Bund und Ländern – Datenmaterial zu den Frauenanteilen auf allen Qualifikationsstufen in Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen kontinuierlich und systematisch erfasst und in Form von regelmäßigen Datenfortschreibungen transparent darstellt. Das einzigartige Material wird durch eine Zusammenfassung ergänzt, die die zentralen Daten auf einen Blick darstellt und die Entwicklungen des Jahres kompakt einordnet.
Der Gleichstellungsmonitor Wissenschaft und Forschung liegt nun mit den Daten für den Zeitraum 2024/2025 vor und ist online als Heft 99 der „Materialien der GWK“ unter https://www.gwk-bonn.de/themen/weitere-arbeitsgebiete/chancengerechtigkeit abrufbar. Die Zusammenfassung ist ebenfalls dort abrufbar.









