(openPR) Wer einen Elektriker, eine Steuerkanzlei oder eine Zahnarztpraxis sucht, fragt zunehmend einen KI-Assistenten statt einer Suchmaschine. Die Antwort nennt eine Handvoll Betriebe, alle anderen kommen nicht vor. Welche Betriebe das sind, wie verlässlich die Auswahl ist und worauf sich die Assistenten stützen, hat das Projekt geo-evidenz aus Bornheim bei Bonn gemessen: in zehn Branchen und 32 deutschen Orten, mit 4.000 Antworten von ChatGPT, Gemini und Perplexity. Der Bericht und die zusammengefassten Daten sind frei zugänglich.
Untersucht wurden Kfz-Werkstätten, Steuerberater, Rechtsanwälte, Elektriker, Immobilienmakler, Dachdecker, Zahnärzte, Hotels, Fahrschulen und Tischler. Je Branche wurden in fünf Orten zehn typische Kundenfragen gestellt, etwa „Welchen Elektriker in Bonn kannst du empfehlen?“ oder „Wer installiert in Köln eine Wallbox für mein Elektroauto?“. Jede Frage ging achtmal an die drei Dienste. Die Kriterien der Auswertung waren vor der Messung veröffentlicht.
Nur fünf Prozent der Betriebe werden von allen drei Diensten genannt
Das auffälligste Ergebnis: Die drei Assistenten empfehlen überwiegend verschiedene Betriebe. Im Mittel werden nur 5 Prozent der Betriebe, die bei einer Frage genannt werden, von allen drei Diensten genannt. 78 Prozent nennt nur ein einziger Dienst. Je nach Branche liegt die Überschneidung zwischen 2 Prozent bei Steuerberatern und 12 Prozent bei Hotels.
„Ein Betrieb, der bei ChatGPT genannt wird, kommt bei Perplexity deshalb noch lange nicht vor“, sagt Robert Fischer, der die Messung durchgeführt hat. „Wer wissen will, ob er in KI-Antworten sichtbar ist, muss alle drei Dienste ansehen, und zwar nicht nur einmal.“
Auch die Länge der Antworten unterscheidet sich: Gemini nennt im Mittel 7,8 Betriebe je Antwort, ChatGPT 4,8, Perplexity 3,5.
Dieselbe Frage bringt nicht dieselbe Antwort
Die Messung zeigt außerdem, wie stark die Antworten schwanken. Stellt man einem Dienst dieselbe Frage am selben Tag zweimal, stimmen die genannten Betriebe bei Perplexity zu 76 Prozent überein, bei Gemini zu 47 Prozent und bei ChatGPT zu 27 Prozent. Ein einzelner Versuch sagt also wenig darüber, ob ein Betrieb sichtbar ist. Für Betriebe heißt das auch: Wer sich einmal nicht findet, ist deshalb nicht unsichtbar, und wer sich einmal findet, steht nicht sicher in jeder Antwort.
Bei Fragen nach einer Leistung zählt die eigene Website
Woher nehmen die Assistenten ihre Angaben? Das hängt von der Frage ab. Bei Fragen nach einer bestimmten Leistung, etwa nach einer Wallbox, einem Dachfenster oder einer Einkommensteuererklärung, zitieren 94 Prozent der Antworten die Website eines genannten Betriebs, und zwar bei allen drei Diensten. Bei allgemeinen Fragen nach einer Empfehlung oder nach den besten Bewertungen sind es nur 64 Prozent. Dort stützen sich die Antworten stärker auf Portale und Verzeichnisse; Perplexity zitiert in diesen Fällen nur in 43 bis 47 Prozent der Antworten die Website eines Betriebs.
„Für einen Betrieb ist das eine gute Nachricht“, so Fischer. „Bei genau diesen Fragen ziehen die Dienste die Websites der Betriebe heran. Bei den allgemeinen Empfehlungsfragen entscheiden dagegen Bewertungen und Einträge in Portalen mit.“
Portale: Nur bei Zahnärzten beherrscht eine Plattform die Antworten
In neun von zehn Branchen gibt es keine einzelne Plattform, die die Antworten prägt. Das jeweils häufigste Portal oder Verzeichnis wird in 18 bis 34 Prozent der Antworten zitiert. Die Ausnahme sind Zahnärzte: Dort erscheint ein Bewertungsportal in 56 Prozent der Antworten. Bei Hotels zitieren die Assistenten am seltensten die Website des Hauses selbst (57 Prozent); ein Buchungsportal erscheint in 29 Prozent der Antworten.
Auch die Ortsgröße wirkt sich aus. In Städten über 500.000 Einwohnern wurden je Branche im Mittel 122 verschiedene Betriebe genannt, in Städten zwischen 20.000 und 100.000 Einwohnern 65.
Methode und Grenzen
Gemessen wurde am 29.09.2026 über die Programmierschnittstellen der drei Dienste mit eingeschalteter Websuche, ohne Anmeldung, auf Deutsch. Die Apps der Anbieter können abweichen. Die genannten Betriebe wurden automatisch aus den Antworten erkannt; eine Zufallsstichprobe von 100 Nennungen und 50 Betrieben wurde von Hand geprüft und ergab keinen Fehler. Es handelt sich um eine Einzelmessung an einem Tag. Sie beschreibt, was die Dienste geantwortet haben, nicht, warum ein Betrieb genannt wird. Der Bericht enthält keine Namen einzelner Betriebe.
Langzeitstudie läuft seit Oktober
Die Messung war zugleich die Vorbereitung einer Langzeitstudie. Seit dem 05.10.2026 werden für Elektriker in sechs Städten wöchentlich dieselben zehn Fragen gestellt, jede fünfmal je Dienst. Die Studie soll zeigen, welche Merkmale eines Betriebs mit seiner Nennung zusammenhängen und welche Maßnahmen etwas bewirken. Das Versuchsprotokoll mit sechs vorab festgelegten Prüfannahmen wurde vor Beginn der Messung veröffentlicht.
Bericht und Daten
Kurzbericht (6 Seiten): https://geo-evidenz.de/untersuchung/kurzbericht.html
Zitierfähige Fassung: https://doi.org/10.5281/zenodo.23222448












